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Bauphysik-Forum 2017: Schallschutzplanung und Wahrnehmung von Schall

Das bereits 4. Bauphysik-Forum vermittelte die neuesten Erkenntnisse im Bereich der Bauphysik. Rund 210 Teilnehmende folgten im Theater- und Kongresshaus Bad Ischl den Ausführungen der internationalen Expertinnen und Experten. Neben den behandelten Themenbereichen Feuchte- und Brandschutz bildete der Schallschutz den diesjährigen Schwerpunkt.

Bauphysik-Forum
Rund 210 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden sich im Kongress- und Theaterhaus Bad Ischl zum diesjährigen Bauphysik-Forum 2017 ein. Foto: Holzforschung Austria

Die von der Holzforschung Austria (HFA) veranstalteteVortragsreihe wurde in Kooperation mit dem 8. Internationalen Holz[Bau]Physik-Kongress durchgeführt. Eröffnet wurde das Bauphysik-Forum von dem Programmverantwortlichen und Leiter des Bereiches Bauphysik der Holzforschung Austria Dr. Bernd Nusser. In seinem einleitenden Vortrag sprach Univ.-Prof. Dr. Thomas Bednar (TU Wien / A) von der Bauphysik als Schlüssel für zukünftige Lebensräume. Sein Fazit: In der Planung muss berücksichtigt werden, dass die Benutzer von Gebäuden ihr Verhalten nur dann ändern, wenn Vorteile spürbar und erlebbar sind.

Schallschutzplanung und Wahrnehmung von Schall

Dem Schallschutz als Themenschwerpunkt des diesjährigen Branchentreffs widmete sich zunächst DI (FH) Clemens Häusler, MSc (bauphysik.at / A). Dieser sprach über die Herausforderungen bei der Schallschutzplanung von Holzdecken und benannte den idealen Deckenaufbau mit den zwei Begriffen „schwer und weich“. Die Schalllängsleitung im Holzbau fasste danach Hans-Martin Tröbs, B.-Eng. (EMPA / CH) ins Auge. Das Wissen über die akustische Wirkung von Stoßstellen kann die Prognose der Schalldämmung von verschiedenen Ausführungsvarianten ermöglichen, so Tröbs. Bei der durchgeführten Podiumsdiskussion konnten die Fragen des Publikums präzise beantwortet werden.

Über die subjektive Wahrnehmung von Schall und konstruktive Lösungen aus dem Schweizer Bauteilkatalog sprach Bernhard Furrer (Lignum / CH). Messungen zeigten im Zusammenspiel mit den Ergebnissen einer umfassenden Bewohnerbefragung die Problematik der Trittschallbelastung in Gebäuden auf. Ing. Mag. Herbert Müllner (TGM / A) referierte über erlebnisnahe und bauweiseneutrale Schalldämmdeskriptoren und verdeutlichte den Einfluss von Farbe und Größe auf die subjektive Wahrnehmung des Schalls.

Dr. Andreas Rabold (Hochschule Rosenheim / D) erläuterte die schallschutztechnische Planung und Ausführung für Mehrgeschosser in Massivholzbauweise. Er ging besonders auf die Anwendbarkeit der EN ISO 12354 ein. DI Maximilian Neusser (TU Wien / A) widmete sich dem Einfluss der Verbindungsmittel auf das Schalldämm-Maß von leichten Trennwänden. Mag. Armin Wilfling (Holzforschung Austria / A) gestaltete den Abschluss des ersten Tages mit technischen Ergebnissen zur Messung des erweiterten Frequenzbereiches und zum Einfluss der Bauteilgröße auf das Schalldämm-Maß.

Feuchteschutzplanung

Den Anfang des zweiten Tages gestaltete Dipl. Ing. (FH) Daniel Kehl (Büro für Holzbau und Bauphysik / D) mit seinem Referat über feuchtetechnische Nachweise für Holzbauteile nach WTA Merkblatt 6-8, das Ende 2016 erschienen ist. Im Anschluss zeigte Dr. Daniel Zirkelbach (Fraunhofer IBP / DE) auf, unter welchen Bedingungen umschlaufte Sparren durch eine eindimensionale Simulation nachgewiesen werden können. Danach sprach Robert Borsch-Laaks (Sachverständiger / DE) über Lösungen für verschattete Flachdächer in Holzbauweise. Er bot einen Überblick über unterschiedliche Arten der Verschattung und ihre Konsequenzen. Dr. Julia Bachringer (Holzforschung Austria / A) rundete das Thema Feuchteschutz ab und stellte das Webtool „Planungshilfe Flachdach“ vor. Im Laufe dieses Jahres wird es auf dataholz.eu abrufbar sein und Planer mittels hygrothermisch überprüften Flachdachaufbauten unterstützen.

Brandschutzplanung

Den Themenblock Brandschutz eröffnete Univ.-Prof. Dr. Stefan Winter (TU München / D). In einem schwungvollen Vortrag zeigte er den aktuellen Entwicklungsstand bei der Überarbeitung des Eurocode 5 auf. Sein Fazit: Nur durch die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit am Eurocode 5 können die richtigen Rahmenbedingungen für die Holzbauer geschaffen werden. Ein Highlight lieferte DI MSc Alexander Kunz (Kunz GmbH / A) mit dem Brandschutzkonzept für das derzeit in der Errichtung befindliche höchste Holz-Hochhaus der Welt im Wiener Stadtentwicklungsgebiet Seestadt. Durch die Summe der für das Holz-Hochaus geplanten Brandschutzmaßnahmen kann ein gleichwertiges Sicherheitsniveau nachgewiesen werden wie für „normale Hochhäuser“. Damit wird auch erstmals die psychologische Barriere überwunden, ein Hochhaus mit den Roh- und Werkstoff Holz in der Tragekonstruktion auszuführen. Den letzten Vortrag bestritt Dr. Christoph Hackspiel (Holzforschung Austria / A) über Verbindungsmittel unter Brandeinwirkung. Er erläuterte den Unterschied der Ergebnisse aus Kleinbrand- und Großbrandversuchen und zeigte die wirtschaftlichen sowie technischen Vorteile dieser Versuchsvarianten auf.

Der nächste Internationale Holz[Bau]Physik-Kongress findet wieder in Kooperation mit der Holzforschung Austria und weiteren Partnern am 15.-16. Februar 2018 in Leipzig statt ( www.holzbauphysik-kongress.eu ).