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Aufstockung: Nicht gleich, aber gleichwertig

Ein Zwillingspaar wollte sein Elternhaus erweitern, um es gemeinsam mit seinen Familien und den Eltern zu nutzen. Das kleine Grundstück bot jedoch für eine Erweiterung des Vorarlberger Einfamilienhauses aus den 60er-Jahren zu wenig Fläche. Die Architekten entwarfen daher eine Ergänzung des Bestandes durch Holzbauelemente, die als auskragende Bauten auf das alte Haus gesetzt sind.

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Dank der großflächigen Auskragungen konnte neuer Wohnraum geschaffen werden, ohne das der Garten an Größe Einbußen hinnehmen musste. Foto: Studio 22

Die beiden Bauherren sind als zwei von acht Kindern in einem typischen Vorarlberger Einfamilienhaus aus den 60er-Jahren aufgewachsen. Nun wollten die beiden Zwillingsbrüder mit ihren Familien in das Elternhaus zurückkehren. In Abstimmung mit den weiteren Geschwistern beschlossen sie, das elterliche Gebäude zu modernisieren und mit zwei Wohnungen zu erweitern. Allerdings bot das kleine Grundstück um freiem Blick auf den nahen Bodensee für die Erweiterung keine ausreichenden Zubauflächen.

Dank dieser Gegebenheiten entwickelten die Architekten des Büros Hein-Troy Architekten aus Wien die Idee, die neuen Wohnungen auf den Bestand zu setzen und, um mehr Grundfläche als im bestehenden Gebäude zu schaffen, die Aufstockung auskragen zu lassen. Die Gesamtnutzfläche konnte dadurch mehr als verdoppelt werden. Das knappe Grundflächenangebot von weniger als 800 m² wurde gänzlich ausgereizt, ohne dass die Bewohner auch nur auf einen Quadratmeter des Gartens verzichten mussten. Die Eltern leben weiterhin im Erdgeschoss des alten Hauses, während die zwei neuen Einheiten getrennt zugänglich und in ihren Außenbereichen gegenseitig auch nicht einsehbar sind.

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Nichts erinnert mehr an das ursprüngliche Elternhaus, das in den Sechzigerjahren aus Mauerwerk und Beton entstanden ist. Die seitliche Garage und das Dach wurden vollständig entfernt, um Platz für neue An- und Aufbauten zu schaffen. Foto: Juri Troy

Vereint mit eigenen Bereichen

Eine Voraussetzung bei der Entwurfsfindung war von Beginn an, dass jede Einheit ein Maximum an Privatsphäre erhält. So sind alle neu entstandenen Außenbereiche komplett uneinsichtig die Wohnungen getrennt erschlossen. Die Eltern leben weiterhin im Souterrain und im Erdgeschoss, die Kinder mit ihren Familien in jeweils einer Wohnung im Obergeschoss.

Den Brüdern war es wichtig, dass zwei gleichwertige Wohnungen, die individuell mit unterschiedlichen Qualitäten auf jede Familie zugeschnitten sind, erstellt werden. Die Architektur des neu geschaffenen Gebäudes bildet die Familienverhältnisse gut ab. Die beiden Auskragungen zum Garten hin liegen auf gleicher Höhe nebeneinander, spiegeln aber durch unterschiedliche Formen und Abmessungen der Grundrisse die jeweilige Eigenständigkeit wider. Dennoch vereint das Gebäude im Gesamten die ganze Familie. Gemeinschaftsflächen wie ein Partyraum mit überdachter Gartenterrasse, ein Fahrradraum, sowie dem Garten zugeordnete Lagerflächen stehen allen Familienmitgliedern zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung. Eine moderne Weißtannenfassade verleiht dem Gebäude ein zeitgemäßes Erscheinungsbild.

Um die Aufstockung zu verwirklichen, wurden zunächst das Dachgeschoss und die seitliche Garage abgetragen. Die beiden Geschosse des Wohnhauses mit den Abmessungen 11,5 × 10,5 m blieben stehen. Es wurde seinerzeit im konventionellen Mauerwerksbau mit einer Stahlbetondecke erstellt. Werk vorfabriziert und anschließend auf die montierten Dachelemente aufgedoppelt und verankert. Die Vordachelemente sind am Dachrand mit einem Stahlprofil verbunden, das an die überhöhten Ecksticher anschließt.

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in BAUEN MIT HOLZ Ausgabe 4.2011.

Angela Trinkert

Dipl.-Ing. (FH) und Zimmerin Angela Trinkert ist Redakteurin der Zeitschriften BAUEN MIT HOLZ und DER ZIMMERMANN.