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Marktübersicht: Natürlich umhüllt
Bei einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Bauweise bietet es sich an, ökologische Dämmstoffe einzusetzen. Von bauphysikalischer Seite betrachtet, stehen sie ihren Kollegen aus fossilen Rohstoffen oder mineralischer Zusammensetzung in keiner Weise nach. Die folgende Marktübersicht gibt Ihnen einen Überblick unterschiedlicher Materialien und ihrer Eigenschaften.
Unter ökologischen Dämmstoffen sind vor allem Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen oder aus wieder verwertbaren Materialien mit geringer Umweltbelastung zu verstehen. Eine offizielle Definition gibt es nicht. Aber ein Dämmstoff kann dann als ökologisch bezeichnet werden, wenn:
- er durch seine Eigenschaften mehr Energie einspart, als zu seiner Herstellung oder für seine Wiederverwertung aufgebracht werden muss,
- er über eine lange Lebensdauer seine bauphysikalischen Eigenschaften beibehält,
- sein CO2-Kreislauf nahezu geschlossen ist,
- er bei seiner Herstellung oder aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung keine Schadstoffe enthält oder freisetzt,
- er in der Entsorgung relativ unbedenklich ist.
Ob das Material auch wirklich als ökologisch eingestuft werden kann, kann der Verarbeiter beispielsweise mit der Positivliste des Arbeitskreises Ökologischer Holzbau e.V. (AKÖH) bewerten. Auch sind viele Materialien mit dem natureplus-Zeichen zertifiziert, das der Internationaler Verein für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen natureplus e.V. nach festgelegten Richtlinien vergibt. Ebenso führt der TÜV Rheinland Schadstoffprüfungen durch, und die Institute für Baubiologie in Rosenheim und in Neubeuren kontrollieren die baubiologische Verträglichkeit. Verpflichtend ist eine Zertifizierung aber nicht.
Der Markt bietet inzwischen viele ökologische Dämmstoffe und es kommen immer wieder neue innovative Produkte hinzu. Die wenigsten Produkte sind genormt. Beispielsweise regelt DIN EN 13170 Dämmstoffe aus Kork und DIN EN 13171 solche aus Holzfasern. Alle anderen Produkte, die auf den nächsten Seiten gelistet sind, verfügen über eine europäisch-technische Zulassung oder eine bauaufsichtliche Zulassung. Sie sind für den jeweils genannten Zweck baurechtlich in gleicher Weise anwendbar wie genormte.
Schützen im Sommer vor der Hitze
Ein Argument, das häufig gegen ökologische Dämmstoffe verwendet wird, ist, dass die Wärmeleitfähigkeit höher ist als bei manchem Erdöl- oder Mineralwolleprodukt. Dagegen spricht zum einen, dass für die Herstellung sehr viel weniger Energie aufgebracht werden muss. So wird beispielsweise laut der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. für die Herstellung von Dämmstoffen aus Mineralwolle etwa zehnmal soviel Energie verbraucht wie für die Produktion von Hanf- oder Zellulose-Dämmplatten. Zum anderen muss bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit von Dämmstoffen nicht nur der winterliche, sondern auch der sommerliche Wärmeschutz betrachtet werden. Im Sommer sorgen viele ökologische Dämmstoffe aufgrund ihrer hohen spezifischen Wärmekapazität und einer zeitlich langen Phasenverschiebung dafür, dass die Temperaturen im Gebäudeinneren angenehm bleiben.
Auch bezüglich des Brandschutzes ist nach den bauaufsichtlichen Anforderungen der Einsatz von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen fast in allen Bauteilen von Gebäuden möglich. Als Brandschutzmittel geben die Hersteller Zusatzmittel wie beispielsweise Borax oder Soda hinzu, wodurch sie mindestens die Baustoffklasse B2 oder Euroklasse E erreichen. Sollten dennoch nicht brennbare Baustoffe gefordert werden, können mit einem Brandschutzkonzept Maßnahmen ergriffen werden, um diese Anforderungen aufzufangen. Bezüglich des Feuchteschutzes haben Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen den Vorteil, dass manche Materialien bis zu 30 Prozent des eigenen Gewichts an Feuchtigkeit zwischenspeichern können.
Gelungener Einbau wichtig für die Tauglichkeit
Die Hersteller liefern ihre Produkte in Form von Platten, Matten, Vliesen oder als lose Ware zum Einblasen oder Schütten. Der Verarbeiter sollte vorab berprüfen, ob der Dämmstoff für das gewünschte Anwendungsgebiet bauphysikalisch und konstruktiv geeignet ist und welche Hinweise der Hersteller für den Einbau gibt. Eine fachgerechte Verarbeitung an der richtigen Stelle trägt wesentlich dazu bei, dass das Material über einen langen Zeitraum seine Aufgabe als Dämmstoff erfüllt.
Angela Trinkert
Dipl.-Ing. (FH) und Zimmerin Angela Trinkert ist Redakteurin der Zeitschriften BAUEN MIT HOLZ und DER ZIMMERMANN.
