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Internationale Branchenforum für Frauen IBF: Die Zukunft im Blick

Am 29./30 Juni 2017 fand in Meran das 14. Internationale Branchenforum für Frauen des Holzbaus und Innenausbaus statt. Etwa 120 größtenteils Teilnehmerinnen bekamen von den Referenten und Referentinnen Einblicke, wie sich das Bauen und die Geschäftswelt derzeit durch Digitalisierung und Automatisierung verändern.

Meran 2017
Frauen der Holzbranche trafen sich in Südtirol. Bild: BAUEN MIT HOLZ

Christiane Varga, Zukunftsinstitut Wien, gab ein Bild von der Stadt von morgen. Sogenannte Megatrends, wie Urbanisierung oder Mobilität, treiben den Wandel an. Da aber jeder Trend einen Gegentrend erzeugt, kann die Entwicklung niemals als linear angesehen werden. So bringt es beispielsweise die Alterung der Gesellschaft mit sich, dass sich eine sehr vitale Alterskultur entwickelt hat, die „Freeager“, zu denen das „Konzept Altersheim“ nicht mehr passt.

Prof. Timo Leukefeld, Energieexperte aus Freiberg, ist überzeugt, dass energieautarke Gebäude mit einer gewinnbringenden Vernetzung die Zukunft sind. Um eine echte Energiewende zu erreichen, sollten neben dem Strom auch Wärme und Mobilität mit in den Gesamtkomplex einbezogen werden. „In solchen Häusern kann intelligent verschwenderisch gelebt werden: Wohnung schön warm, Licht brennen lassen und ohne schlechtes Gewissen viele Autokilometer fahren“, so Leukefeld. In dem von ihm mitentwickelten „Sonnenhaus“ ist diese Vision bereits Realität. Neben Modulen für Solarthermie und Photovoltaik ist ein Langzeitwärmespreicher integriert, der Wärme über Wochen oder Monate vorhält.

Eine neue Planungskultur für den Holzbau stellte Sandra Schuster von der Technischen Universität München mit dem Forschungsprojekt „Leanwood“ vor. Ein Pluspunkt des Holzbaus ist der hohe Vorfertigungsgrad, der aber auch eine detaillierte Planung erfordert. Der heute übliche Projektablauf mit den separierten Ein­zelschritten Planung, Ausschreibung, Produktion und Bau stellt ein großes Hemmnis für den Holzbau dar. Hier möchte „Leanwood“ ansetzen, die am Bau Beteiligten zu strukturierten Planungs- und Ausführungsprozessen führen und ein Vergabeverfahren für den vorgefertigten Holzbau entwickeln.

Renate Jauck, Lukas Lang Building Technologies GmbH aus Wien, stellte ein von dem Büro entwickeltes Baukastensystem für schlüsselfertige Gebäude vor. In dieser Systembauweise wurden drei temporäre Ersatzgebäude für das österreichische Parlamentsgebäude gebaut, das in den kommenden Jahren umfassend saniert wird.

Meran 2017
Christiane Varga in Meran 2017. Bild: BAUEN MIT HOLZ

Prof. Dr. Natalie Eßig, Hochschule München, führte in die Nachhaltigkeit als Werkzeug zur Qualitätssicherung ein. Verschiedene Nachhaltigkeitsgütesiegel und die im Rahmen einer Zertifizierung geforderte Gebäudedokumentation sind wichtige Instrumente zur Umsetzung und Bewertung nachhaltiger Bauten.

Wie ein alteingesessener und familiengeführter Schreinereibetreib in das digitale Zeitalter geführt werden kann, zeigte Birgit Gröger von meine möbelmanufaktur GmbH aus Köngen. Die Idee, einen Onlinetool zu entwickeln, in denen sich der Kunde das Möbelstück selbst konfigurieren kann, liess die Anzahl der Mitarbeiter von 20 auf 30 wachsen. „Wir haben die teuren Serviceleistungen eines Meisters, wie Aufmaß und Beratung, an den Kunden abgegeben. Dadurch können wir Maßmöbel wettbewerbsfähig fertigen“, erläuterte sie. „Dafür war es notwendig alle Prozesse zu hinterfragen und wenn möglich, durch Digitalisierung und Automatisierung zu optimieren.“

Dass VDC und BIM der Holzbaubranche große Potenziale eröffnen, dessen sicher ist sich Anne Nyffler, Pirmin Jung Ingenieure AG aus dem schweizerischen Rain. In ihrem Vortrag „Geschäfts- und Projektentwicklung Digitalisierung in interdisziplinären Ingenieurbüros“ stellte sie vor, wie die digitale Revolution unter den Bezeichnungen VDC (Virtual Design Construction) und BIN (Building Information Modeling) Einzug in die Planungs- und Baubranche halten. Dabei bezeichnet BIM das digitale Bauwerksmodell als Informationsdatenbank rund um das Bauwerk und VDC die Vereinigung von BIM mit dem Prozess und der Organisation der gesamten Planung. „Um diese Methodik in den Planungs- und Ausführungsprozessen unseres Ingenieurbüros umsetzen zu können, mussten wir uns zum Teil neue Fachplaner und Handwerksbetriebe suchen. Es möchte noch nicht jeder diesen Schritt in die Digitalisierung gehen“, bedauerte sie.

Neben dem digitalen Fortschritt kam auf der Veranstaltung aber auch das traditionelle menschliche Miteinander nicht zu kurz. Mehrere Kaffeepausen und ein Galaabend, bei dem auch anhaltender Regen die Stimmung nicht trüben konnte, luden zu Gesprächen und Netzwerkeln zwischen den Frauen ein. Sicherlich konnte dabei der ein oder andere wertvolle Kontakt geknüpft oder einfach nur nett geplaudert werden.