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Wegkapellen: Sieben für das Schwäbische Donautal

Im Schwäbischen Donautal enstehen derzeit sieben Wegkapellen an Radwegen. Die sieben Kapellen wollen eine Landmarke setzen und ein architektonisches Zeichen in der Landschaft bilden, das die Tradition des Kapellenbaus in zeitgenössischer Gestaltung weiterentwickelt. Deshalb wurden rennomierte Architekten für das Projekt gewonnen.

Die Siegfried und Elfriede Denzel Stiftung konnte für den Bau der Kapellen die Architekten Hans Engel/Augsburg, Wilhelm Huber/Betzigau, Alen Jasarevic/Mering, Frank Lattke/Augsburg, Prof. Christoph Mäckler/Frankfurt a.M., Prof. Volker Staab/Berlin, John Pawson/London gewinnen. Den Holzbau übernimmt Gumpp & Maier GmbH, Binswangen.

Die Kapellen werden an ausgewählten Orten an den Radwegen die Radfahrer zum Halten, Rasten und zur Besinnung einladen und Schutz bietet. Das Projekt Sieben Kapellen wird nachhaltig, dauerhaft, reparaturfreundlich und (da im Außenbereich) pflegeleicht sein.

2016 errichtete der Wertinger Unternehmer Siegfried Denzel mit seiner Ehefrau die Siegfried und Elfriede Denzel Stiftung mit dem Zweck, Kunst, Geschichte, Kirche, Religion und Kultur zu fördern.

Weitere Infos https://7kapellen.de/

Kapelle Gundelfingen von Hans Engel

7 Kapelle-Engel

Die Wegkapelle am Radweg von Offingen nach Gundelfingen befindet sich im flachen Donautal, das seit dem 19. Jahrhundert kultiviert wurde und vielfältige Nutzungen von der Landwirtschaft, dem Kiesabbau bis zu Freizeitaktivitäten erlebt. Die Kapelle hat einen kreuzförmigen Grundriss (5,06 x 5,06 m), der einen offenen Raum bildet und sich differenziert in eine religiöse Mitte und zwei Sitznischen. Zwölf gedrechselte Rundsäulen aus verleimtem Lärchenholz tragen ein flaches Holzdach. Die gesamte Holzkonstruktion wurde von der Firma Gumpp & Maier errichtet; sie mutet an wie ein kleiner römischer Tempel, der wiederum verfremdet wird durch drei große Glaswände. Diese sind grafisch gestaltet mit Blattmotiven und Sentenzen aus Religion und Philosophie über die Natur. Vier Ecken werden als „grüne“ Wände aus Blutbuchen gebildet. In der 5,06 m hochragenden Kapelle hängt eine runde Farbglasscheibe, in die ein Kreuz eingeschrieben ist – gestaltet von der Künstlerin Anita Rist-Geiger. Die grafische Gestaltung der drei Glaswände stammt von Gabi Fischer. Die Verbindung von außen und innen, Natur und Architektur ist intensiv erlebbar. Tische mit Sitzgelegenheiten laden zum Rasten, Ausruhen, Schauen, Nachdenken und zur Besinnung ein.

Der Architekt Hans Engel (geb. 1936), dessen Werk das Architekturmuseum Schwaben 2016 präsentierte, war seit den 1960er Jahren in allen Bereichen der Architektur tätig, von städtebaulichen Planungen, dem Wohnungs- und Siedlungsbau bis zum Kirchenbau, der Denkmalpflege und Bauten für Industrie und Gewerbe. Besonders hervorzuheben ist sein sensibler Umgang mit dem Bestand, sei es in der Altstadt, im Neubaugebiet oder in der Gestaltung mit der Landschaft.

Dank dem Entgegenkommen der Stadt Gundelfingen war es möglich, an einem markanten Ort nahe einem kleinen Weiher einen Bauplatz zu finden.

Kapelle Unterliezheim von John Pawson

7 Kapelle Pawson

Dank der Bayerischen Staatsforsten und der Gemeinde Lutzingen war es möglich, am Radweg von Unterliezheim nach Finningen oberhalb der Mühle eine aus dem Wald herauswachsende Kapelle zu errichten. Besonderer Dank gilt dem dänischen Unternehmen Dinesen, das für den Bau der Kapelle 40 Stämme Douglasie aus dem Schwarzwald mit einer Länge von etwa 12,5 m und einem Durchmesser von 90 cm (etwa 100 ccm) zur Verfügung gestellt hat.

Der Architekt John Pawson zeichnet die Kunst des Weglassens aus. Tür, Bank, Fenster, Kreuz: weniger geht nicht. Verzahnung mit Wald und Landschaft, von Gehen und Innehalten, Hell und Dunkel, Riechen, Fühlen und Sehen: mehr ist nicht möglich. Leere und Dichte als Resonanzraum für das Heilige. Monumental und zugleich völlig selbstverständlich und natürlich: geschichtete Baumstämme. Die Kapelle lädt zum Besuch ein.

Kapelle Emersacker von Wilhelm Huber

7 Kapellen Huber

Das längliche Tal der Laugna zwischen Welden und Emersacker sowie der hochgewachsene Fichtenbestand des Fuggerschen Waldes, ist der Schlüssel für den „besonderen Ort“. Die Kapelle antwortet als hölzener, 12 m hoher Turmbau, der wie ein großer Baumstumpf sich im Laufe der Jahre mit dem Wald verbinden wird.

Die Kapelle ist geprägt vom sakralen, abgeschlossenen Innenraum, der eine Gegenwelt zur Natur aufbaut.
Von einem überdachten Vorbereich gelangt der Besucher in die Kapelle. Der weiße Raum erhält sein Licht ausschließlich über ein gestaltetes Oberlicht aus blauem, mundgeblasenem Glas, welches auf die Wände abstrahlt. Die Farbe Blau steht im Zusammenhang mit dem Wunsch nach der Verbindung mit dem Himmel und soll zugleich die göttliche Wahrheit symbolisieren. Ein Podest dient dem Besucher sowohl als Sitzgelegenheit, als auch als Plattform für Meditation.

Kapelle Wegkapelle in Oberbechingen von Frank Lattke

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Die Wegkapelle von Frank Lattke mit einer Grundfläche von 4,80 m x 4,80 m und einer Höhe von 7,30 m steht markant in freier Landschaft, in einer Weggabelung am Radweg von Oberbechingen nach Dattenhausen. Sie scheint durch die unterschiedlichen Fassaden und die Höhe des Dachfirstes in Bewegung zu sein. Im Innern kommt man zur Ruhe, der Blick richtet sich auf das Kreuz im Licht. Hell und Dunkel modellieren den Raum, dessen Holzmaterialität alle Sinne umfängt. Ein Innen das birgt, Konzentration ermöglicht und die Landschaft ausschnitthaft zeigt. Dr. Peter Fassl


Ein leicht geneigter nach Nordwesten fallender Hang, am Fuße das Dattenhauser Ried, eine Weggabelung am Radweg zwischen Oberbechingen und Wittislingen. Die Ausläufer der Schwäbischen Alb in der Ferne sorgen für bizarre Wolkenformationen. Der Blick ist weit, die Landschaft offen und frei. In der Ferne erzählen die hohen Türme der barocken Kirchen von den Dörfern, die sich in die sanfte Topografie der Landschaft schmiegen.

Der Radweg von Oberbechingen verläuft parallel zu den Höhenlinien des Hanges und fällt leicht ab nach Wittislingen. Das spitze Bauwerk steht selbstbewusst an der Gabelung, an der es hinunter geht ins Ried, ein geschütztes Paradies für Amphibien und Vögel.

Die Kapelle ist ein Ort der Kontemplation in der Weite der Landschaft, die im Kontrast der Enge der Raumerfahrung deutlich wird. Der quadratische Raum wird überspannt von einem steilen hohen Sparrendach, das über der Diagonalen tief nach unten fällt. Der Blick durch das Stabwerk der nach innen verschwenkten Wand lässt den Innenraum erahnen. Der Eingang leitet vom Niedrigen ins Hohe, der First über der Diagonalen trägt die Richtung des Raumes. Innen fällt sanftes Seitenlicht über hohe Fensterschlitze, Kerzenschimmer und ein Kreuz. Das christliche Zeichen, das Weihwasserbecken und der Kerzenständer sind aus brüniertem und gebürstetem Tombakblech, einer hoch kupferhaltigen Messinglegierung. Das Holzständerwerk, die unbehandelte Brettschalung und der Hirnholzboden sind aus heimischer Fichte. Die Schwalbenschwanzverbindung der Stäbe ist präzise maschinell hergestellt. Das Bauwerk ist ein Zeichen zeitgemäßer handwerklicher Baukunst, die auf ehrliche Weise die Art ihrer Herstellung erzählt.
Frank Lattke

Texte, wenn nicht anders ausgewiesen, von Dr. Peter Fassl.