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7. Regionale Holzbautag des DHV: Ist die Holz-Hybrid-Bauweise die Zukunft?

Der Deutsche Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV) lud am 1. Oktober zu einer ersten Präsenzveranstaltung seit dem Corona-Lockdown im März 2020 ein. Schwerpunkt-Thema war die Holz-Hybrid-Bauweise.

7. Regionale Holzbautag 2020, DHV
Peter Mackowiack, DHV-Pressereferent. Foto: DHV-Pressestelle

"Ich freue mich sehr, endlich wieder eine Veranstaltung moderieren zu dürfen, bei der 'reale' und nicht virtuelle Menschen vor mir sitzen", eröffnete DHV-Pressereferent Peter Mackowiack mit einem Schmunzeln den 'Regionalen Holzbautag'. Nach dem Lockdown vom März 2020 und zahlreichen weiteren landes- und bundesweiten Restriktionen aufgrund der COVID-19-Pandemie hatte der Deutsche Holzfertigbau-Verband nach über einem halben Jahr erstmals wieder zu einer Präsenz-Veranstaltung eingeladen. Und das Interesse war groß, die Werkhalle von Gastgeber Ulf Cordes in Rotenburg war bis auf den letzten Stuhl besetzt.

Über das Jahr verteilt bietet der DHV mehrere Info-Seminare, Fachtagungen und Workshops zu unterschiedlichen Themenstellungen an. Darüber hinaus gibt es einmal im Herbst den sogenannten 'Regionalen Holzbautag', der sich stets einem aktuellen Schwerpunkt-Thema widmet. Dieser Holzbautag findet im Wechsel einmal im Süden und einmal im Norden Deutschlands statt – diesmal traf man sich in Rotenburg an der Wümme (zwischen Bremen und der Lüneburger Heide), dem Standort des Holzbau-Unternehmens Cordes Holzbau GmbH & Co. KG.

7. Regionale Holzbautag 2020, DHV
Referent Marc Dufour-Feronce, Architekturbüro rundzwei. Foto: DHV-Pressestelle

Im Fokus der Tagung stand die 'Holz-Hybrid-Bauweise'. Hierzu hatte der Veranstalter DHV mehrere Referenten eingeladen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln das Thema beleuchteten. Hybrid bauen bedeutet, unterschiedliche Materialien wie Holz, Beton, Stahl und Aluminium zu kombinieren und so neue Eigenschaften zu erzielen, die durch den schlichten Einsatz einzelner Werkstoffe unerreichbar sind. Die Bauweise nutzt also möglichst alle positiven Eigenschaften der verschiedenen Materialien durch gezielte Kombination. Insbesondere durch den verstärkten Einsatz von Holz – auch in mehrgeschossigen Gebäuden – wird die Holz-Hybrid-Bauweise immer mehr zur nachhaltigen Alternative zur konventionellen Bauweise.

Vorrangig wird dabei Holz mit Beton beziehungsweise Stahlbeton zusammengebracht. Die teilweise gegensätzlichen Eigenschaften sollen sich dabei so ergänzen, dass die positiven Merkmale der Baustoffe zur Entfaltung kommen und negative abgeschwächt werden.

Holz spielt in diesem Kontext eine besondere Rolle: So bietet der nachwachsende, natürliche Rohstoff nicht nur eine hohe Zugfestigkeit – bei vergleichsweise geringem Gewicht – sondern substituiert in der hybriden Konstruktion mineralische Baustoffe und Stahl. Zusätzlich wird im Holz – im Gegensatz zu anorganischen Baustoffen – innerhalb der Nutzungsphase Kohlenstoff gespeichert, der während des Wachstums der Bäume durch Umwandlung von Kohlenstoffdioxid im Holz eingelagert wurde. Die Substitution mineralischer Baustoffe und die Speicherung von Kohlenstoff bewirken einen positiven Beitrag zum Klimaschutz. Diese beiden Aspekte sind in den vergangenen Jahren auch zu einem zentralen politischen Argument für die verstärkte stoffliche Nutzung von Holz geworden – wie auch die Anpassungen einiger Landesbauordnungen inzwischen zeigen.

Holz-Hybrid-Systemhaus von B&O

In den Vorträgen des 'Regionalen Holzbautages' kam die Bedeutung dieser zeitgemäßen Bauweise zum Ausdruck. So urteilte Horst Glinka, Geschäftsführer der B&O-Unternehmensgruppe, dass Holz langsam, aber sicher aufgrund der höheren Nachhaltigkeit dem Beton künftig den ersten Rang streitig machen kann. Die Firmengruppe B&O ist eigentlich einer der bundesweit führenden Dienstleister der Wohnungswirtschaft, doch beschäftige man sich seit ein paar Jahren immer mehr auch mit dem innovativen Bauen. Deshalb hat die B&O-Gruppe ein eigenes Holz-Hybrid-Systemhaus entwickelt, das sich durch verschiedene Standardisierungen, einer kurzen Bauzeit und überschaubaren Kosten auszeichnet. Glinka stellte hierzu verschiedene Neubau-Projekte in Berlin und Erlangen vor.

7. Regionale Holzbautag 2020, DHV
Horst Glinka, Geschäftsführer der B&O-Firmengruppe. Foto: DHV-Pressestelle

Kompetenz aus einer Hand sichert Bauqualität

Welche Vorteile es hat, wenn sich bei Großprojekten mehrere Holzbau-Unternehmen zusammenschließen, beschrieb der Geschäftsführer der 'Holzunion', Heiko Seen. 2014 gründeten fünf Einzelunternehmen aus ganz unterschiedlichen Regionen in Deutschland diesen Verbund, um die Planung und Ausführung von größeren Projekten zu gewährleisten. "Bei der Holzunion vereinen fünf Experten ihre vielschichtigen Kompetenzen zu einem gemeinsamen starken Leistungs- und Servicepaket", so Heiko Seen. Mittlerweile wurden dabei auch schon mehrere Objekte in der Holz-Hybrid-Bauweise ausgeführt, unter anderem in Offenbach und in Chemnitz.

"Doch vorneweg ein Satz zu dem Begriff 'Systembauweise'. Es wird sehr viel über die Begriffe 'Modulbauweise', 'Elementbauweise', 'Hybridbauweise' oder 'Systembauweis' geschrieben. Aus unserer Sicht ist diese Begriffswahl sehr subjektiv und somit versteht jeder Planer, Architekt oder Bauherr auch etwas anderes darunter. Einfacher dagegen ist der Begriff 'System', da er klar definiert und leicht zu erläutern oder abzugrenzen ist: Als System wird im Wesentlichen ein Gebilde oder Objekt zusammenhängender Teile bezeichnet, die durch Beziehung oder Verknüpfung ein gemeinsames Gebilde oder Objekt ergeben. Dieser Systemgedanke kann als ein struktureller, funktionaler oder zweckgebundener Zusammenhang angesehen werden. Aus dem System/Systemgedanken wird dann bezogen auf die Bauindustrie oder einem bestimmten Bauvorhaben/Auftraggeber eine Systembauweise. Die Grundidee für diese Systembauweise ist aus diversen Holzbauprojekten aus über 10 Jahren Erfahrung entstanden und die damit gewonnenen, nicht nur positiven Erkenntnisse, wie man diese Bauweise wirtschaftlicher und schneller ausführen kann."

7. Regionale Holzbautag 2020, DHV
Heiko Seen, Geschäftsführer der Holzunion. Foto: DHV-Pressestelle

Virtuelle Betriebsführung

Nach der Mittagspause stand eine Führung durch das Unternehmen Cordes auf dem (ursprünglichen) Programm des 'Regionalen Holzbautages'. Corona-bedingt konnte diese jedoch nicht stattfinden. Geschäftsführer Ulf Cordes hatte sich jedoch bestens vorbereitet und schickte Tage davor eine firmeneigene Drohne über das Betriebsgelände und sogar in die einzelnen Hallen. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Bernd Schröder führte er dann anhand dieser filmischen Aufzeichnungen durch die Firma Cordes Holzbau GmbH & Co. KG und erläuterte einzelne Tätigkeitsfelder und Betriebsabläufe.

7-Geschosser in Berlin

Mit dem Referenten Marc Dufour-Feronce hatte der Deutsche Holzfertigbau-Verband für diese Veranstaltung auch einen Architekten in's Boot geholt. Dufour-Feronce ist – neben dem Partner Andreas Reeg – Gründer des Berliner Architekturbüros 'rundzwei'. Der junge Architekt kommentierte überzeugend, dass sein Büro nicht nur sehr gerne in Holz plant und baut, sondern auch viel lieber mit diesem Material umgeht, allein schon aus nachhaltigen Kriterien. Doch nicht immer gelingt es, den Auftraggeber dafür zu gewinnen …

Marc Dufour-Feronce stellte ein siebengeschossiges Mehrfamilienhaus in dem Berliner Stadtteil Moabit vor, für das gerade mal 100 m2 Grundfläche in einer sehr schmalen Baulücke zur Verfügung stand. Das Niedrigenergiehaus ist in Holz-Hybrid-Bauweise geplant und im letzten Jahre ausgeführt worden.

Das als 'Eisberg' benannte Gebäude ist als Holzskelettbau mit ragenden Vollholzdecken, Fassadenelementen in Holztafelbausweise, Kalksandstein- und Stahlbetonwänden sowie Stahl- und Holzstützen realisiert. Soweit wie möglich wurden Holzfertigteile eingesetzt, um den Bauablauf zu beschleunigen und die Ausbauarbeiten so gering wie möglich zu halten. Durch die statischen Aufbauten der Wände und Dächer erreicht das Gebäude den Niedrigenergie-Standard KfW 55.

7. Regionale Holzbautag 2020, DHV
Frank Steffens - Geschäftsführer der Brüninghoff-Gruppe. Foto: DHV-Pressestelle

BIM als digitaler Planungsprozess bei Holz-Hybrid-Bauten

Zum Schluss der Veranstaltung referierte Frank Steffens zu dem Thema 'BIM im Zusammenhang mit Holz-Hybrid-Bauprojekten'. Steffens ist einer von drei Geschäftsführern der Brüninghoff-Gruppe, die sich in den letzten Jahren immer mehr der digitalen Planungsprozesse verschrieben hat. Building Information Modeling – kurz BIM – wird zunehmend zum Standard bei der Umsetzung von Bauvorhaben. Die Methode trägt wesentlich zu einer effizienten Planung, Ausführung und späteren Bewirtschaftung von Gebäuden bei. Die Basis von BIM bildet das digitale 3D-Modell, in dem sämtliche, relevante Bauwerksinformationen transparent für alle Beteiligten hinterlegt sind. Die Arbeit an dieser gemeinsamen Datenbasis sorgt für einen optimierten Arbeitsprozess und eine effiziente Projektabwicklung.

DHV-Präsident Erwin Taglieber: 'Besser bauen!'

"Das hybride Bauen kombiniert die jeweiligen Vorteile von unterschiedlichen Baustoffen: eigentlich lässt sich besser nicht bauen", fasste DHV-Präsident Erwin Taglieber am Ende der Tagung zusammen. Zuvor ging der Präsident auch noch auf die Vorteile der Mitgliedschaft im DHV ein. "Mit rund 230 Mitgliedern sind wir bundesweit das Sprachrohr für den handwerklichen Holzfertigbau. Denn auch der DHV kombiniert verschiedene Stärken: die Mitgliederstruktur setzt sich aus Holzbau-Unternehmern, Architekten und Planern sowie aus Partnern der Zulieferindustrie zusammen. Jeder bringt sein individuelles Fachwissen in die Gemeinschaft mit ein – zum Wohle des Holzbaus. Und nur so klappt's!"