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Arbeitssicherheit: Anschlageinrichtungen digital dokumentiert

Die Dokumentation der Montage und der Wartung von Anschlageinrichtungen ist Pflicht. Jede Person, die sich daran sichern möchte, muss nachverfolgen können, wie, von wem und wann der Anschlagpunkt eingebaut und wann er das letzte Mal überprüft wurde. Digitale Möglich­keiten können die Erfassung der notwendigen Daten vereinfachen.

ABS Safety
Ob für die Pflege von Dachbegrünungen, die Wartung von Photovoltaikanlagen oder die Reinigung von Schornsteinen: viele Gewerke nutzen eingebaute Absturzsicherungen und müssen vorab wissen, dass sie sich auf deren Funktionsfähigkeit verlassen können. Foto: ABS Safety

Für viele Zimmereien gehört die Montage von Anschlageinrichtungen zur Prävention von Abstürzen heute fest zum Leistungsspektrum. Werden andere Lösungen als der klassische Dachhaken mit Leiteraufhängung verbaut, ist in der Regel auf die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) der jeweiligen Sicherungslösung zu achten. Die vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) erteilte Zulassung gilt dabei nicht pauschal, sondern enthält produktspezifisch sehr genaue Vorgaben zur Befestigung auf dem Holzuntergrund. Als Nachweis für den Auftraggebenden und das Bauamt dient die verpflichtende Montagedokumentation. Die muss heute zum Glück aber nicht mehr mit Papier und Stift erstellt werden. Dank der voranschreitenden Digitalisierung der Betriebsprozesse – vor allem im Büro – bleibt Unternehmen im Handwerk heute eine Menge Schreibarbeit erspart. Doch auch auf dem Dach wird vieles einfacher.


Die Montage- und Wartungsdokumentation von fest verbauten ­Absturzsicherungen ist dafür ein gutes Beispiel. Sie enthält neben detaillierten technischen Angaben zu den installierten Bauteilen auch Informationen zum Unternehmen, das die Bauteile hergestellt hat, und zu dem, das sie montiert hat, sowie Skizzen, aus denen die Position der einzelnen Anschlageinrichtungen auf dem Dach hervorgeht. Auch die Fotodokumentation der Einbausituation ist verpflichtend, denn nach der Eindichtung ist sie nicht mehr einsehbar.

Smartphone für die Dokumentation nutzen

Hersteller wie das niederrheinische Unternehmen ABS Safety bieten digitale Lösungen an, mit denen die Dokumentation vollständig mit dem Smartphone oder Tablet erstellt wird. Die App ABS-Lock Book bietet eine unkomplizierte Menüführung, die technischen Daten eigener Produkte, aber auch gängige ­Systeme ­anderer Produzenten sind bereits im System hinterlegt, sodass die Eingabe der wichtigen Kennzahlen wie etwa der Maximalzahl der Personen, die einen Anschlagpunkt nutzen dürfen, entfällt. ­Zusätzlich werden alle Montagefotos direkt aus der App heraus erstellt und unmittelbar der richtigen Position in der Dokumentation zugewiesen.


Die Software soll nicht nur einfach zu bedienen sein, sondern ist kostenfrei von jedem Betrieb frei nutzbar. Noch nicht erfasste Produkte jedes Typs und jeder Firma werden nachgepflegt und um spezifische Fragen zur Montage, Wartung oder zu Prüfverfahren ergänzt. Das Programm kann ohne weiteres auch im Kontext der regelmäßigen Wartung von PV-Modulen eingesetzt werden. Entwickelt wurde es aber speziell für Absturzsicherungen: Das Tool führt die Nutzenden über einen einfachen Fragenkatalog zur vollständigen Dokumentation. Dadurch wird das Dokument lückenlos und laut Hersteller auch rechtssicher. „Die DGUV macht sehr genaue Angaben zu den Informationen, die eine korrekte Dokumentation von Anschlageinrichtungen enthalten muss. Diese Daten werden von der App abgefragt und können nicht übersprungen und übersehen werden“, erklärt Stefan Beckers, Leiter der Produktentwicklung im niederrheinischen Familienbetrieb und Sohn des Unternehmensgründers Ludwig Beckers.

ABS Safety
Mit der App wird der Anschlagpunkt einfach in die Dokumentation übernommen. Foto: ABS Safety

Dokumentation erfolgt netzunabhängig

Nach der kostenfreien Registrierung können Zimmereien und Dachbaubetriebe die App uneingeschränkt nutzen. Das anzulegende Kundenkonto dient dem Datenmanagement des Betriebs: Vom Büro aus können alle Dokumentationen eingehend geprüft und als druckfähige PDF-Datei weitergegeben werden. Die Daten liegen umgehend vor, sobald die Dokumentation vor Ort mit dem Smartphone abgeschlossen wurde – sofern die Zimmerleute auf dem Dach eine Internetverbindung aufbauen können. Denn gerade in ländlichen Gegenden finden sich häufig Funklöcher, oder die Datenverbindung funktioniert verlangsamt. Die neue App benötigt eine Internetverbindung nur noch zum Datenabgleich mit dem Server. Die eigentliche Dokumentation kann netzunabhängig erstellt und abgeschlossen werden, das Mobiltelefon gleicht die Daten dann automatisch ab, sobald eine Verbindung verfügbar ist. Der Vorteil der Datenspeicherung zeigt sich aber nicht nur in der Montageabwicklung, sondern besonders bei den regelmäßig folgenden Wartungen. Alle planerischen und technischen Daten der Absturzsicherung, die im Rahmen der Montage aufgenommen wurden, liegen dann für die einmal pro Jahr vorgeschriebene Überprüfung bereits vor. Der Prozess wird dadurch um ein Vielfaches einfacher und verläuft schneller. Für die Zimmerleute, die sich damit verstärkt ihrem eigentlichen Handwerk widmen können, kann das eine echte Entlastung sein.

Michael Podschadel ist freier Autor und auf Arbeitssicherheit spezialisiert.