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Architekturpreis: Stadt Leipzig zeichnet Holzhaus aus

Der Architekturpreis der Stadt Leipzig zur Förderung der Baukultur 2019 ist vergeben. Die Jury prämierte das 2018 entstandene Massivholz-Holzhaus in Leipzig-Lindenau der Baugemeinschaft Z8 GbR Leipzig, das nach einem Entwurf vom Leipziger ASUNA, atelier für strategische und nachhaltige architektur gestaltet wurde.

Architekturpreis 2019 Leipzig Holzhaus Leipzig-Lindenau
Foto: Peter Eichler-Leipzig

Die Preisrichter lobten die Qualität des Entwurfs vor allem in Anbetracht gravierender Standortnachteile wie der hohen Lärmbelastung vor Ort sowie der spitzwinkeligen Grundstücksform: „Angesichts des Durchschnittsniveaus aktueller Neubauten war es noch unwahrscheinlicher, dass an dieser Stelle gute Architektur entstehen könnte, die dem bisher als etwas unwirtlich und amorph empfundenen Ort zu urbaner Qualität verhilft. Genau dies ist mit dem von Dirk Stenzel für eine Baugemeinschaft entworfenen Holzhaus gelungen.“ Und weiter heißt es: „Durch Bezüge in Höhen und Gliederungen kommuniziert das Haus mit seinen Nachbarbauten. Mit seinem in Leipzig bisher selten verwendeten Baumaterial und der dynamischen Eckrundung, mit der sich der Baukörper auf die Straßenkreuzung zu schieben scheint, setzt es aber zugleich einen markanten Akzent.“

Ein ausführlicher Bericht über das Gebäude in bmH bauen mit Holz 10.2019

Das „Z8“ ist Sachsens erstes fünfgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus in Holzmassivbauweise. Das Brandschutzkonzept ermöglichte es, die Holzbauteile sichtbar zu belassen. Herausgekommen ist ein architektonisches Schmuckstück – innen wie außen. Eine private Baugemeinschaft hat das Wohn- und Geschäftshaus im Stadtteil Lindenau errichtet. Es passt sich entsprechend der Form des spitz zulaufenden Eckgrundstücks wie ein Tortenstück darauf ein und bietet mit seiner außergewöhnlichen Erscheinung einen Blickfang. Das Z8 – so der Name des Mehrgeschossers, der sich aus der Adresse „Zschochersche Straße 8“ ableitet – erinnert in seiner Keilform ein wenig an das „Flatiron“-Gebäude in Manhattan (New York City, USA), das seinen Namen der Ähnlichkeit mit einem „flachen Bügeleisen“ (flat iron) zu verdanken hat.

Eine private Baugemeinschaft hat das Wohn- und Geschäftshaus im Stadtteil Lindenau errichtet. Es passt sich entsprechend der Form des spitz zulaufenden Eckgrundstücks wie ein Tortenstück darauf ein und bietet mit seiner außergewöhnlichen Erscheinung einen Blickfang. Das Z8 – so der Name des Mehrgeschossers, der sich aus der Adresse „Zschochersche Straße 8“ ableitet – erinnert in seiner Keilform ein wenig an das „Flatiron“-Gebäude in Manhattan (New York City, USA), das seinen Namen der Ähnlichkeit mit einem „flachen Bügeleisen“ (flat iron) zu verdanken hat.

bmH bauen mit Holz 10.2019: Das Flatiron von Leipzig


Architekturpreis 2019 Leipzig Holzhaus Leipzig-Lindenau
Foto: Peter Eichler Leipzig

Der vom Auslober unabhängigen Jury gehörten als Fachjuroren an: der Münchener Architekt Amandus Samsøe Sattler (Vorsitzender); die Berliner Architekten Prof. Gesine Weinmiller und Prof. Xaver Egger, der Darmstädter Architekt Dr. Matthias Fuchs und der Dresdener Landschaftsarchitekt Till Rehwaldt. Sachjuroren waren die Leipziger Professorin für Baugeschichte und Baukultur Prof. Dr.-Ing. Annette Menting und der Leipziger Kunsthistoriker Prof. Dr. Arnold Bartetzky.

Architekturpreis 2019 Leipzig Holzhaus Leipzig-Lindenau
Foto: Claus Morgenstern-Berlin

Massivholzbau mit Brettsperrholz und Brettschichtholz

Das Gebäude wurde als Effizienshaus im KfW 55 Standard erstellt. Ausschließlich der Treppenhauskern und die Gründung wurden als Stahlbetonkonstruktion ausgeführt. Durch die Massivholzbauweise mit Brettsperrholzelementen der Außenwand- und Deckenkonstruktionen und Brettschichtholz der Stützen-Riegel-Konstruktion wurden in dem Gebäude insgesamt etwa 520 m³ Holz verbaut, welche etwa 520 Tonnen CO² für nächsten Jahrzehnte fest im Gebäude binden. Mit der inneren Stützen-Riegel-Konstruktion und dem hochflexiblen Fassadenprinzip wurde eine Hülle geschaffen, welche eine etwa 430 m² Gewerbeeinheit im EG/1.OG und 4 Wohneinheiten (120-195 m²) im 2.4.OG aufnehmen konnte und gleichsam eine extrem große innere und äußere Gestaltungsfreiheit der einzelnen Bauherren ermöglichte.

Die im Inneren sichtbar bleibenden glatten Deckenuntersichten aus Holz und die Mittels verdeckter Verbindungsmitteln mit Sherpa-Verbindern erstellte Stützen-Riegel-konstruktion aus Brettschichtholz bilden die Grundlage von den individuellen und zeitgemäßen Raumgefügen der Wohnungen und der Gewerbeeinheit.

Das hochflexible Fassadenprinzip aus Aluminiumbändern, welche gleichsam die Brandschotten der hinterlüfteten Fassade aufnehmen und der vorvergrauten Lärchenholzverkleidung bildet die Grundlage für das Spiel mit den unterschiedlichen Fensterformaten und den davor laufenden gelaserten Aluminium-Schiebeläden. Dadurch wird ein sich nach Jahres- und Tageszeiten änderndes Erscheinungsbild des Gebäudes erzeugt. Die individuelle Laserung der Schiebeläden ist auf die Anforderungen des sommerlichen Wärmeschutzes ausgelegt und bildet mit seinem Schattenspiel nach Innen und dem durchscheinen nach Außen ein lebendiges und emotionales Element.

Gemäß des Energiekonzeptes wird das Gebäude über eine Wärmepumpenanlage (Luft / Erdwärme), welche durch eine 20 m² Solarkollektoranlage und wassergeführte Kamine in den Wohneinheiten unterstützt wird, mit Wärme für Heizung und Warmwasser, sowie mit passiver und aktiver Kälte versorgt. Das Gebäude ist mit einer Regenwassernutzungsanlage ausgestattet, welche alle WC`s mit Brauchwasser versorgt.



20 Jahre Architekturpreis Leipzig

Mit der Auslobung in diesem Jahr wurde der vor 20 Jahren ins Leben gerufene Preis zum elften Mal ausgeschrieben. Es konnten Bauwerke und Freiraumgestaltungen aller Art und Nutzung eingereicht werden, die in den Jahren 2016 bis 2019 im Stadtgebiet fertig gestellt worden sind, auch Umbauten waren zugelassen. Oberbürgermeister Burkhard Jung betont im Jubiläumsjahr der Auszeichnung: „Der Architekturpreis ist eine Erfolgsgeschichte. Dabei denke ich sowohl an die großen Beispiele, etwa den BMW-Neubau von Zaha Hadid, aber auch an die kleinen – wie das noch in die Baulücke gezwängte Stadthaus, das trotzdem von enormer Wirkung ist. In dieser Vielfalt und Bandbreite haben wir in den letzten 20 Jahren Werke ausgezeichnet, die architektonisch über ihre Zeit hinausweisen.“

Architekturpreis 2019 Leipzig Holzhaus Leipzig-Lindenau
Foto: Martin Jehnichen Leipzig


Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau beschreibt den Wandel, den die städtebauliche Entwicklung in dieser Zeit durchlaufen hat: „Im Gründungsjahr 1999 lag der Fokus des Architekturpreises darauf, innovative Bauten auszuzeichnen, die als Zeichen des Neuanfangs und der Leuchtturmprojekte einer von Verfall, Verkauf und Abbruch geprägten städtebaulichen Entwicklung positive Signale entgegensetzten. Zwei Jahrzehnte später geht es nicht mehr darum, der Schrumpfung entgegenzuwirken, sondern, im Gegenteil, trotz anhaltend hoher Bautätigkeit städtebauliche Qualität zu forcieren und zu sichern.“

Architekturpreis 2019 Leipzig Holzhaus Leipzig-Lindenau
Foto: Claus Morgenstern-Berlin

Oberbürgermeister Burkhard Jung und Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau haben einen Hauptpreis und zwei lobende Erwähnungen überreicht, die zuvor von einer unabhängigen Jury aus 18 eingereichten Beiträgen ausgewählt wurden. Der Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses in Holzbauweise in Leipzig Lindenau erhält die höchste Auszeichnung, lobende Erwähnungen gab es für den Umbau des Portals und des Kundencenters im Finanzamt Leipzig I am Wilhelm-Liebknecht-Platz sowie den Kita-Neubau „Breitenfelder Strolche“.

Architekturpreis 2019 Leipzig Holzhaus Leipzig-Lindenau
Foto: Peter Eichler-Leipzig


Datenblatt

Brandschutzkonzept:
Brandschutz Consult Ingenieurgesellschaft mbH Leipzig, Leipzig

Wärmeschutz / Energiekonzept:
M.Sc., Dipl.Ing. (FH) Stefanie Koepsell IEBW - Ingenieurbüro für Energieeffizientes Bauen und Wohnen, Leipzig

Tragwerksplanung:
Hüls Ingenieure Tragwerke aus Holz, Blankenfelde-Mahlow

Rohbau Holz / Fassade:
Zimmerei Hirmer, Torgau

Dachdecker:
Hans Hobeck u. Söhne Dachbau GmbH Innungsbetrieb, Belgern


Bruttorauminhalt: 5.653,90 m³

Nutzfläche: 1.176,59 m²

Bauzeit: etwa 18 Monate

Besondere Schwierigkeiten: Abweichung von der Bauordnung Holzbau (sächsBO)

Besonderheiten des Baus: baugemeinschaft/holzbau/regenerative energieversorgung

Im Gebäude sind etwa 540 m³ Holz verbaut (Rohbau/Fassade)