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BAUEN MIT HOLZ 12.2017: Digitalisierung geht uns alle an

Editorial - Die fortschreitende Digitalisierung wird auch die Arbeitswelt nachhaltig verändern. Das Arbeiten wird zukünftig vernetzter und digitaler, Arbeitsort und -zeit werden flexibler. Ein zunehmender Teil der derzeit von Menschen durchgeführten Tätigkeiten wird automatisiert. Gleichzeitig werden neue Tätigkeiten innerhalb bestehender Berufe entstehen und sich völlig neue Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnen.

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Laura Westerhoff. Bild: Balsereit

Liebe Leserin, lieber Leser,

Experten rechnen damit, dass sich das Tempo des Strukturwandels in den kommenden Jahren beschleunigen wird. Zum einen geht die Digitalisierung mit einer Transformation von Produktionsprozessen, Arbeitsbeziehungen und Wertschöpfungsketten einher. Zum anderen hat Deutschland den Höhepunkt des demografischen Wandels mit seinen negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt noch nicht erreicht.

Für die Menschen bedeutet Digitalisierung, dass sie sich neue Kompetenzen aneignen und neue Tätigkeiten erlernen müssen. Das klingt für einige bedrohlich und schürt Berührungsängste gegenüber der neuen Technologie. Seit Beginn der Industrialisierung besteht die Befürchtung, dass menschliche Arbeit durch Maschinen ersetzt wird. Diese Ängste lassen die Chancen, insbesondere die neuen Beschäftigungschancen, außer Acht. So kann eine stärkere Zusammenarbeit von Mensch und Maschine am Arbeitsplatz, beispielsweise in Form eines Assistenzsystems, körperliche Einschränkungen überwinden. Arbeitskräftepotenziale, zum Beispiel von Älteren, können dann besser ausgeschöpft werden.

Für die Digitalisierung brauchen wir geänderte Rahmenbedingungen: Mit entsprechenden Bildungsangeboten müssen die Fachkräfte besser auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet werden. In einer angepassten schulischen und akademischen Bildung sowie mit Weiterbildungsangeboten muss Wissen über die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien sowie den Umgang mit dem Internet als beruflichem Medium vermittelt werden.

Es geht aber um weit mehr als spezielles Fachwissen. Auch die Anforderungen an die sozialen Kompetenzen der Beschäftigten steigen. Das arbeiten in agilen Arbeitsorganisationen, virtuellen Teams und dezentrale Entscheidungsstrukturen erfordern eine hohe Kooperationsbereitschaft, ausgeprägte Kommunikationsstärke sowie die Fähigkeit und die Bereitschaft, sich und die eigene Arbeit eigenständig und eigenverantwortlich zu organisieren.

Zum erfolgreichen digitalen Wandel sind weitere Maßnahmen nötig: Laut Jahresgutachten 2017/18 des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist Deutschland in vielen Bereichen, die für die erfolgreiche Umsetzung einer digitalen Arbeitswelt wichtig sind, Mittelmaß. Laut den Ökonomen werden veränderte regulatorische Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt benötigt, beispielsweise eine Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes. Zudem muss die digitale Infrastruktur weiter ausgebaut werden. Nach Aussage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) sind 84 Prozent der Internetanschlüsse im ländlichen Raum nicht zukunftsfähig. Zudem sind höhere Investitionen in Informations- und Kommunikationstechnologien erforderlich, um zum Beispiel die Datensicherheit zu stärken. Auch darf der Strukturwandel nicht durch übermäßige regulatorische sowie industrie- und regionalpolitische Eingriffe gehemmt werden.

Laura Westerhoff