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BAUEN MIT HOLZ 3.2018: Riecht es oder stinkt es?

In der Diskussion über die mögliche Gesundheitsgefährdung durch flüchtige organische Verbindungen und die Tatsache, dass diese auch vom Werkstoff Holz emittiert werden, behindern Vorurteile und Wunschdenken eine ehrliche Diskussion.

Langenbach Editorial
Markus Langenbach. Bild: Radach

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer von Ihnen freute sich in seiner Schulzeit auf den Chemieunterricht? Und welches Wissen ist davon über die Jahre hängen geblieben? Ich gehe einfach mal davon aus, dass Ihnen der Unterricht genauso so viel Spaß gemacht hat wie mir. In meinem Fall waren der Spaß und das Interesse – geweckt übrigens durch einen fähigen und engagierten Lehrer – so groß, dass ich mich sogar in einem großen Teil meiner beruflichen Ausbildung mit diesem Thema beschäftigt habe.

Während meiner Tätigkeit als Fachjournalist für die Holzbaubranche gab es eigentlich wenige Gelegenheiten, auf dieses Wissen zurückzugreifen, bis ... ja, bis vor einigen Jahren die mögliche Gesundheitsgefährdung durch flüchtige organische Verbindungen (englisch abgekürzt: VOCs) in der Branche ein Thema wurde. Seitdem erlebe ich eine von einigen – nicht allen! – Branchenvertretern hitzig, emotional und aufgeregt geführte Diskussion. Was mich dabei am meisten irritiert, ist der in Unkenntnis oder lobbyistischem Kalkül unternommene Versuch, den „natürlichen“ Werkstoff Holz vor „unnatürlichen“, eben „chemischen“ Aspekten zu schützen. So sprang zum Beispiel vor Jahren bei einer Tagung des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung WKI ein Vertreter der Holzwerkstoffindustrie im Publikum auf und rief den Referenten an, was im einfalle, „unseren schönen, natürlichen Baustoff so schlecht zu machen?“. Oder, andersrum: Vertreter anderer Bereiche hängen dem Holz umfassend das Etikett „gefährlich“ an. Dazu sage ich: Alles ist Chemie. Im Guten wie im Schlechten. Alles Leben, also alles Organische – und auch alles Anorganische – lässt sich auf chemische Prozesse zurückführen. Und somit natürlich auch die Vorgänge am und im Werkstoff Holz.

Die Branche muss anerkennen, dass Vorgänge im Holz Teil der organischen Chemie sind, und offen kommunizieren, dass Holz organische Verbindungen emittiert. Aber natürlich (!) – und da komme ich zum Begriff „Vorurteil“ – ist nicht jede organische Verbindung schädlich! Sondern es muss genau differenziert werden: Buttersäure und Rosenöl sind beides organische Verbindungen; die Unterschiede dürften aber klar sein. Es gilt also wie so oft: , Fakten ermitteln, Fakten kommunizieren, die Fachwelt und den Endkunden informieren.

Lesen Sie dazu in dieser Ausgabe ab Seite 42 einen Beitrag vom Institut für Qualitätsmanagement und Umfeldhygiene mit grundlegenden Informationen. Auch der Informationsverein Holz hat sich dieses Themas angenommen und eine entsprechende Website veröffentlicht, mehr dazu auf S. 48.

Des Weiteren finden Sie in dieser Ausgabe mit einer neuen Messehalle in Stuttgart (S. 10), einem weiteren urbanen Mehrgeschosser in Berlin (S. 16) und einem Ausstellungsgebäude am Niederrhein (S. 20) einige bemerkenswerte Gebäude, die einmal mehr die Vielfältigkeit des wunderbaren Baustoffs Holz zeigen.

Ich wünsche Ihnen eine nützliche Lektüre.

Markus Langenbach

Titel BMH 3.2018