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bmH bauen mit Holz 3.2019: Auf dem BIM-Dich-Pfad

Liebe Leserinnen und Leser, ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich von „Digitalisierungswelle“ und BIM-Strategie höre, stelle ich mir immer etwas ganz Großes, Umwälzendes vor, das alles Gewohnte und Geübte schlagartig verändert.

Ulrich Wolf
Ulrich Wolf. Bild: Balsereit

Wenn Sie dieses Heft lesen, werden Sie merken – das ist gar nicht so. Die Digitalisierung vollzieht sich permanent in vielen kleinen Schrittchen und Veränderungen in Details, oft ohne dass man es als solche wahrnimmt. Dass beim Aufmaß beispielsweise der Zollstock und das Bandmaß fast vollständig von Lasermessgeräten und mobilen Aufmaß-Apps abgelöst wurde, wie unser Beitrag auf Seite 46 eindrucksvoll zeigt, ist für mich so selbstverständlich, dass ich es schon gar nicht mehr unter Digitalisierung abhefte. Gleiches gilt schon länger für den Bereich der betriebswirtschaftlichen Kalkulation – eine projektbezogene Datenerfassung, wie ab Seite 40 erläutert, ist in den allermeisten Betrieben schon längst Realität, ohne dass die Mitarbeiter sich vor dem bösen Digital-Monster fürchten mussten.

Ein – wie ich finde, besonders gelungenes – Beispiel dafür, dass Digitalisierung Althergebrachtes nicht zwangsläufig verdrängt, sondern im Gegenteil sogar wiederbeleben kann, zeigt unser Beitrag über die schon sehr alte Zollinger-Konstruktionsweise (Seite 22). Eine interdisziplinäre Forschergruppe (FLEX) an der HTWK Leipzig ist daran gegangen, die zwar sehr ressourceneffziente, aber mit ein paar mechanisch-statischen Schwächen behaftete Konstruktion mithilfe von computergestützten Rechen- und Abbundmodellen so zu verändern, dass sie wieder ein ernstzunehmender Konkurrent auf dem Markt der gekrümmten Flächentragwerke werden kann.

„Mikroversatzknoten“ nennen die Forscher um Prof. Dr.-Ing. Alexander Stahl ihre konstruktive Lösung, die ohne die Möglichkeiten der Digitalisierung gar nicht möglich gewesen wäre.

Keine Fachveranstaltung von Bedeutung, ob die diesjährigen Knauf Werktage (Seite 45) oder natürlich auch unser Holzbauforum am 28. und 29. März in Berlin (Seite 50), kommt ohne die Themenschwerpunkte BIM und digitale Arbeitswelt aus. Ich habe in meiner noch jungen Dienstzeit bei bmH bauen mit Holz jedenfalls die Angst vor dem vermeintlich „großen“ Thema Digitalisierung verloren. Sie findet tagtäglich, oft unmerklich und wie selbstverständlich statt, sie ist weder gut noch böse – und ob wir uns von den natürlich vorhandenen Risiken bange machen lassen, ist unsere persönliche Entscheidung.

Ulrich Wolf