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bmH bauen mit Holz 10.2019: Patient deutscher Wald

Liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie diese Ausgabe in Händen halten, hat der Herbst endgültig Einzug gehalten. Die einen fürchten die dunkle und nasse Jahreszeit; die anderen haben bunte Blätter und Spaziergänge durch den Wald vor Augen. Apropos Wald: Wie steht es eigentlich um den deutschen Wald?

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Nicole Hansen. Bild: Radach

In letzter Zeit zeigt sich da ein eher gespaltenes Bild. Einerseits hat die Waldfläche in Deutschland zugenommen und die Bäume wachsen rasch wie nie. Schlecht bestellt ist es allerdings um die Gesundheit des Waldes.

Vor über 30 Jahren wurde leidenschaftlich über das Waldsterben diskutiert: Der Regen war sauer und der Wald starb daran. Das Schicksal des deutschen Waldes schien besiegelt, die Angst vor dem Tod der Bäume trieb 1981 zehntausende Menschen auf die Straße und ebnete den Grünen den Weg ins Parlament. Doch das Waldsterben blieb dank Gegenmaßnahmen aus der Politik aus – vorerst. Denn während der saure Regen zwar immer noch Fakt, aber wohl nicht mehr publikumsträchtig ist, sieht sich der deutsche Wald von einer Vielzahl anderer Risiken bedroht.

Über 90 Milliarden Bäume stehen in den deutschen Wäldern. Jedes Jahr wächst mehr nach, als eingeschlagen wird. Knapp 1,2 Millarden Tonnen Kohlenstoff sind gegenwärtig im Wald gebunden. Doch ausgerechnet jetzt, wo der Wald als Klimaschützer mehr denn je gebraucht wird, geht es ihm schlecht. Ein Mix aus vielerlei Faktoren ist dafür verantwortlich: Extreme Hitze- und Dürreperioden wechseln sich mit Starkregenfällen ab; der sich explosionsartige vermehrende Borkenkäfer tut sein Übriges. Der Klimawandel lässt grüßen.

Gegen das Bauen mit Holz spricht das alles nicht; im Gegenteil: Fakt ist, Waldbewirtschaftung und Holzverwendung sind für den Klimaschutz unverzichtbar. Sie entlasten die Atmosphäre jährlich um etwa 127 Millionen Tonnen CO2 und damit um rund 14 Prozent der gesamten CO2-Emissionen Deutschlands.

Holzbau ist demnach aktiver Klimaschutz. „Wer mit Holz baut, baut für die Zukunft“, sagte Prof. Dr. Thomas Uibel von der FH Aachen anlässlich der dortigen Holzbautagung Mitte September (lesen Sie dazu auch den Nachbericht auf S. 49). Die Plattform Forst & Holz fordert, neben einer wirksamen Klimaschutzpolitik die Wälder durch eine nachhaltige und aktive Waldbewirtschaftung weiter an den Klimawandel anzupassen und in resiliente Mischwälder zu überführen sowie die Nutzung von Holz weiter voranzutreiben. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will verstärkt auf Holzhäuser setzen; diverse Bundesländer wie NRW und Baden-Württemberg fördern inzwischen den Holzbau.

Wenn ich mir die Objekte ansehe, die mittlerweile in Holz und in steigender Zahl realisiert werden, sind wir auf einem guten Weg. Oder um es mit den Worten des Schweizer Holzbaupioniers Hermann Blumer in seinem Vortrag bei der Aachener Holzbautagung zu sagen: Geeint werden wir Holzbauer in Kürze die Klassenbesten. Zu wünschen wäre es dem deutschen Wald.

Nicole Hansen
Management Programm

n.hansen@bruderverlag.de

Titel bmH bauen mit Holz 10.2019