zurück

bmH bauen mit Holz 11.2019: Paradigmenwechsel im Objektbau

Der öffentliche Raum wird nicht zuletzt von Alltagsarchitektur geprägt. In Rüsselsheim belegt das erste Holzparkhaus Deutschlands, welches städtebauliche Potenzial in diesen vermeintlich profanen Zweckbauten liegen kann.

bmH 11.20196 Titelstory Parkhaus
Inmitten der Satellitensiedlung „Dicker Busch“ steht das erste Parkhaus Deutschlands in Holzbauweise. Sowohl die Parkebenen als auch die Deckenträger und die Kubatur des neuen Parkhauses bestehen aus Holz, nur die Außenstützen und deren Unterkonstruktion wurden in Stahl ausgeführt. Bild: Derix Gruppe Wiese

Kaum ein Gebäude erfährt in der Bauwelt wie bei den Nutzern weniger Aufmerksamkeit und Wertschätzung als ein Parkhaus – bis jetzt. Parkhäuser sind in der Regel Orte geringer Aufenthaltsqualität mit negativem Image, Gebäude, die man ungern aufsucht und die man schnell wieder verlassen möchte. Häufig sind Parkhäuser unterirdisch, mit dunklen Ecken, stickiger Luft und schlechten Gerüchen.

Die Ausweisung von Frauenparkplätzen nahe am Ausgang, die sich in diesen unwirtlichen Gebilden sogar fürchten, bezeugt dieses Dilemma. Doch auch ihre oberirdische Präsenz ist selten mehr als ein einziges visuelles Ärgernis. Die wenigen Ausnahmen können die gebaute Gleichgültigkeit dieser reinen Zweckbauten nicht kaschieren – im Gegenteil.

Wenn gerade nicht, wie fast immer, massenhaft grauer Sichtbeton in Kombination mit kaltem Stahl zustande gebracht wurde, dann sind es Leuchttürme ihrer selbst, mit immensem Ressourcenverbrauch, miserabler Ökobilanz und randvoll mit grauer Energie. Manchmal wird sogar Greenwashing in Reinform betrieben – wenn die Massen an Beton mit Holzfassaden bekleidet werden, die aus der Dritten Welt stammen.

Einzig in der heute als grober Irrtum widerlegten Nachkriegsgeschichte des uneingeschränkten Pkw-Individualverkehrs galten Parkhäuser mal als urbane Monumente zukunftsweisender Mobilität. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Titel bmH 11.2019

Kubistische Holzbaukultur

Das Düsseldorfer Büro der kg5 architekten mochte sich mit diesen scheinbaren Realitäten nicht abfinden. Ein Parkhaus ohne gestalterischen Anspruch, einfach nur gebaut, um sein Auto für eine Zeit darin abzustellen, dabei einzig dem höchstmöglichen Investorennutzen bei optimaler Kosteneffizienz verpflichtet – das musste sich auch anders realisieren lassen. In dem kommunalen Wohnungsbauunternehmen Gewobau, dem größten Wohndienstleister in Rüsselsheim, fanden sie die Bauherrschaft, die einen neuen Parkhausweg mitgehen mochte. Inmitten der Satellitensiedlung „Dicker Busch“ stand eines dieser alten Stahlbetonparkhäuser aus den 1970er-Jahren, das baufällig vor sich hin moderte. Ein feuchter Schandfleck in einer trostlosen Umgebung, wie man ihn in Deutschland leider allerorten vorfindet. Auf dessen Baugrund hat sich nun ein wahrer Paradigmenwechsel vollzogen, der sich zuvorderst dem Holz verdankt.

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in bmH bauen mit Holz 11.2019.

Autor: Marc Wilhelm Lennartz