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bmH bauen mit Holz 11.2019: Vom NIMBY zum OWIMBY

Liebe Leserinnen und Leser, sagt Ihnen der Begriff NIMBY etwas? Genau genommen ist es kein Begriff, sondern ein Akronym, ein Kurzwort aus den Anfangsbuchstaben von „not in my backyard“, also „nicht in meinem Hinterhof“.

Ulrich Wolf
Ulrich Wolf. Bild: Balsereit

Der Begriff existiert schon seit den frühen 80er-Jahren und bezog sich ursprünglich meist auf konkrete, lokal geplante Einrichtungen, die Menschen zwar an sich befürworten, aber eben bitte nicht in ihrer Sichtweite. Dazu zählten (und zählen) zum Beispiel Strommasten, Windräder, Unterkünfte für Obdachlose oder Asylbewerber, aber mittlerweile auch die unter dem Begriff Nachverdichtung errichteten Gebäude und Aufstockungen in Ballungszentren. In München formiert sich seit einigen Monaten ein Bündnis aus Parteien und Initiativen gegen eine „maßlose Nachverdichtung“. Ziel dieses Bündnisses ist es, die städtischen Grünflächen, Lüftungsschneisen und Naherholungsgebiete zu erhalten und nicht durch neue Wohngebäude zuzubauen. Das ist die offizielle Begründung. Inoffiziell kann man davon ausgehen, dass es den beteiligten Mietern und Eigentümern vor allem darum geht, die eigene Wohnstruktur zu erhalten und die eigene tolle Aussicht oder die bequem zu erreichende Grünfläche nebenan nicht zu verlieren. Sollen die anderen doch sehen, wo sie wohnen, aber bitte NIMBY.

Man kann über derlei Proteste denken, was man will, aber sie sind nun einmal da, und Kommunen, Planer und Bauunternehmen müssen damit umgehen. Ich persönlich finde das NIMBY-Prinzip bigott, bin aber der Ansicht, dass man die Skeptiker mit klugen Konzepten zur dringend nötigen Nachverdichtung in den Städten durchaus „mitnehmen“ kann. Der Holzbau bietet dafür alle Voraussetzungen: Neben den oft zitierten Vorteilen wie Ökobilanz, Vorfertigung und kurze Bauzeiten ist es für mich vor allem auch die Optik von Holzfassaden und sichtbaren Elementen, die auf die bebaute Umgebung einen überaus positiven Einfluss hat. Bestes Beispiel ist das erste Parkhaus Deutschlands in Holzbauweise (Seite 10), das in Rüsselsheim eine zuvor eher triste Wohnsiedlung enorm aufwertet. Dort in Holz zu bauen war nicht nur klug, sondern vor allem mutig.

Also: Lassen wir uns von den NIMBYS nicht verschrecken, machen wir sie zu OWIMBYS: only wood in my backyard!

Ulrich Wolf
Management Programm

u.wolf@bruderverlag.de