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bmH bauen mit Holz 2.2019: Ein Zimmermann fiel vom Dach

Liebe Leserinnen und Leser, ein Zimmermann verletzte sich gestern schwer, als er durch das Dach eines Hauses brach und in die Tiefe stürzte. Der Mann wollte am First eines Hauses Arbeiten ausführen. Nach dem Sturz über mehrere Meter schlug er auf einem gepflasterten Terrassenboden auf. Der 53-Jährige wurde notärztlich versorgt und mit dem Rettungshubschrauber in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht.

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Nirgends ist das Handwerk gefährlicher als im Zimmerergewerk. Besonders schlimm sind die Folgen von Stürzen und Abstürzen. Zimmerinnen und Zimmerer verletzten sich, weil sie von Gerüsten, von Dächern, durch Lichtkuppeln oder von Leitern abstürzten – oder auch nur, weil sie über ein Hindernis am Boden fielen. Die Absturzhöhe ist nämlich nicht entscheidend für die Schwere der Verletzungen. Bei fast 18 Prozent der tödlichen Absturzunfälle fielen die Betroffenen aus weniger als drei Metern Höhe. Und nicht alle Unfälle haben spektakuläre Auslöser: Auch Unordnung und Unachtsamkeit sind typische Unfallquellen, genauso wie Stress, Hektik, Übermüdung, Ablenkung, Bequemlichkeit, herumliegende Kabel und Schläuche oder ungeeignete Arbeitskleidung und -ausrüstung.

Die Unfallrate im Zimmererhandwerk ist so erschreckend hoch, dass die BG Bau Anfang 2018 einen eigenen Gefahrtarif eingeführt hat, um die Höhe der Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung zwischen den Gewerken gerechter zu verteilen. Das Unfallrisiko lag im Zimmerergewerk zweieinhalb Mal über dem Durchschnittsrisiko der übrigen Baugewerke. Konkret bedeutet dies, dass 145 von 1.000 Zimmerern einen Unfall hatten.

Die Zahl der schweren Unfälle ist 2018 leicht gestiegen. Und das, obwohl Verbände, BG BAU und einzelne Unternehmer große Anstrengungen unternehmen, um Zimmerinnen und Zimmerer stärker für das wichtige Thema Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit zu sensibilisieren: Der runde Tisch „Sichere Bauprozesse im Zimmererhandwerk“ erarbeitet Praxislösungen. Auch Tagesseminare der BG Bau in Kooperation mit Holzbau Deutschland vermitteln konkrete und praxisnahe Maßnahmen. Und die Initiative „Wir zimmern sicher“ präsentiert fünf, teilweise geförderte, Sofortmaßnahmen, die die Gefahr eines Absturzunfalls minimieren.

Der beste Schutz gegen Unfälle bleiben eine sorgfältige Gefährdungsbeurteilung, geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen, ein kritischer Blick auf das Arbeitsumfeld, das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung sowie die eigene Sensibilisierung für Gefahren. Denn: Ein sehr hoher Anteil der Arbeitsunfälle wird durch mangelnde Sicherungsmaßnahmen und eigene Verhaltensfehler ausgelöst. Alle Handwerker sind weiterhin gefordert, ihre Arbeitsplätze sicher zu gestalten und in den eigenen Arbeitsschutz zu investieren. Jeder Einzelne ist für sich, seine Sicherheit und seine Gesundheit verantwortlich. „Du hast nur 1 Leben. Pass drauf auf“, fast die BG Bau-Kampagne treffend zusammen.

Immer ist ein Unfall mit enormem Leid für Betroffene und deren Angehörige, Kollegen und Freunde verbunden. Dem verunglückten Zimmermann wünsche ich von ganzem Herzen gute Besserung sowie schnelle und vor allem vollständige Genesung.

Laura Westerhoff

Redaktion bmH bauen mit Holz

Titel bmH 2.2019