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bmH bauen mit Holz 3.2021: Aus Krisen lernen

Liebe Leserinnen und Leser, was da am Holzmarkt gerade abgeht, ist – mal ganz emotionslos gesehen – Marktwirtschaft pur. Produkte werden dorthin geliefert, wo sie zum höchsten Preis verkauft werden können, nationale oder gar regionale Verbundenheit der Lieferanten spielt angesichts der Gewinnmargen keine Rolle mehr.

Ulrich Wolf
Ulrich Wolf. Bild: Balsereit

Waren wir bisher gewohnt und haben wir bisher in unseren Plädoyers für den Holzbau betont, dass Holz per se eine nahezu unbegrenzte Verfügbarkeit mitbringt, so erleben wir jetzt gerade also das genaue Gegenteil.

Aber auch die aktuellen Preisturbulenzen auf dem Holzmarkt ändern im Kern nichts daran, dass Holz der Baustoff der Zukunft bleibt. Das Thema Nachhaltigkeit und ressourcenschonendes Bauen wird nach der Pandemie mit ziemlicher Wucht zurückkommen, nämlich dann, wenn der Klimawandel und seine Auswirkungen wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen rückt. Auch die derzeit noch rosigen Wahlaussichten der Grünen lassen eine noch stärkere Fokussierung auf Umweltthemen erwarten. Was wir aus der gegenwärtigen Holzkrise lernen können, ist, dass auch mit dem Holz selbst ein materialsparender Umgang dringend angeraten ist. Der Holzrahmenbau ist ein Beispiel für einen solchen Umgang, die Altholznutzung ist ein anderes: Bisher wurde Altholz aus Abbruch weit überwiegend für den Einsatz in Holzwerkstoffplatten wiederverwendet oder gleich der thermischen Verwertung zugeführt.

Aktuell läuft ein Projekt, das sich mit der Wiederverwendbarkeit von Altvollholz auch für statische Zwecke befasst. Das ist insofern interessant, als durch derart rückgewonnenes Holz beispielsweise die Mittellagen von Brettsperrholzelementen bestückt werden können und mittelfristig der Verbrauch von Frischholz merklich reduziert wird. Einen ausführlichen Beitrag über den Stand dieses Projektes können Sie noch in diesem Jahr in der bmH bauen mit Holz lesen.

Apropos lesen: In unserer Titelgeschichte auf Seite 10 zeigen wir, wie es selbst in Mehrgeschossern gelingt, mit metallfreien Holz-Holzverbindungen statisch hochbeanspruchbare Tragwerke zu bauen. Der Aspekt des sortenreinen Bauens ist nämlich die andere Seite der Recyclingmedaille, insofern ist das vorgestellte Wohnheim in Heidelberg quasi seiner Zeit voraus.

Zugegeben nicht sortenrein, aber durch einen effizienten Materialeinsatz ebenso ressourcenschonend sind die geklebten Holz-Beton-Verbundkonstruktionen. Hier geben wir Ihnen ab Seite 30 Einblick in den Stand der Forschung.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ulrich Wolf

Management Programm
u.wolf@bruderverlag.de

Titel bmH 3.2021