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bmH bauen mit Holz 4.2020: Corona und die Folgen

Liebe Leserinnen und Leser, die Corona-Pandemie sorgt durch multiple Angebots- und Nachfrageschocks für einen historischen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um etwa neun Prozent. Der Absturz erfolgte, ausgelöst durch den bundesweiten Lockdown, schnell und heftig um zwölf Prozent im zweiten Quartal.

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Der Aufstieg wird länger dauern, da sich die Wirtschaft erst neu sortieren muss. Vorausgesetzt, es gibt keine weiteren Schocks, wird eine Erholung im dritten Quartal einsetzen und sich auf weite Teile des kommenden Jahres erstrecken.

Zur Erholung trägt der private Konsum maßgeblich bei: Er wird sich, abhängig von Pandemieverlauf, Bewegungsrestriktionen, Arbeitsmarkt- und Einkommensentwicklung sowie der Konsumlaune, schon in diesem und im nächsten Jahr normalisieren. Die Investitionen werden zur Erholung länger brauchen, sodass die nächsten sechs bis sieben Quartale eine Herausforderung werden. Erst Ende 2021 wird das Anfangsniveau von 2020 erreicht.

Die Bauwirtschaft war mit vollen Auftragsbüchern und hoher Nachfrage in das Jahr gestartet. Wegen der Pandemie musste die Umsatzprognose von + 5,5 Prozent auf –2 Prozent korrigiert werden.

Massiv eingebrochene Auftragseingänge von öffentlicher Hand und Wirtschaftsbau lassen dramatische Folgen in der zweiten Jahreshälfte befürchten. Das Statistische Bundesamt rechnet im öffentlichen Bau mit einem deutlichen Rückgang (–9,6 Prozent), denn die Steuerausfälle der Kommunen, des wichtigsten Auftraggebers in diesem Segment, sind massiv. Im Wirtschaftsbau gingen die Auftragseingänge im März um gut drei Prozent zurück (Hochbau etwa –7 Prozent). Besonders die Rückgänge in Einzelhandel, Tourismus und Dienstleistungen, den Segmenten, die den Wirtschaftsbau im vergangenen Jahr getragen haben, werden Folgen haben. Nur im Wohnungsbau legte der Auftragseingang verhalten zu (etwa drei Prozent).

Der historisch einmalige Einbruch erfordert zwingend wirtschaftspolitische Maßnahmen.

Zunächst muss der Angebotsschock aufgefangen werden: Dies geschieht durch Kreditgewährung oder Kurzarbeit. Der nächste Schritt sind Nachfragepolitik, Steuerpolitik sowie Investitionsstärkung.

Im 130 Milliarden-Euro-Konjunkturpaket sind zahlreiche Maßnahmen beschlossen, um Arbeitsplätze zu sichern und die Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen. „Das Paket ist am Klimaschutz und der Förderung von Zukunftstechnologien ausgerichtet und hat eine sozialpolitische Komponente“, so die Bundesregierung. Kernpunkte sind die Senkung der Mehrwertsteuer sowie Entlastungen für Familien, Wirtschaft und Kommunen. Außerdem enthält das Konjunkturpaket Maßnahmen für Unternehmen wie Überbrückungshilfen, verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten oder eine veränderte GuV. Das CO2-Gebäudesanierungsprogramm wird um eine Milliarde Euro auf 2,5 Milliarden Euro aufgestockt. Das Investitionsprogramm für den Ausbau von Ganztagsschulen und Ganztagesbetreuung wird beschleunigt. Um den Bereich Kindergärten, Kitas und Krippen zu fördern, wird eine Milliarde Euro zusätzlich für Ausbaumaßnahmen bereitgestellt.

Corona wird uns noch eine ganze Weile begleiten. Anders als zur Finanzkrise 2008 sind alle Branchen weltweit betroffen. Trotzdem: Die deutsche Wirtschaft ist robust. Ein starker Mittelstand, eine wettbewerbsfähige Industrie, eine hohe Beschäftigungsintensität, solide Staatsfinanzen und damit ein handlungsfähiger Staat ergeben einen sicheren Rahmen, um die Pandemie aufzufangen. Auch das Konjunkturpaket hilft; vor allem die Stärkung der Klimaschutzziele, die finanzielle Entlastung der Kommunen sowie die zusätzliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung aus dem Konjunkturprogramm sind für die Bauwirtschaft förderlich.

Laura Westerhoff
Senior Management Programm
l.westerhoff@bruderverlag.de