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bmH bauen mit Holz 5.2019: Ist dichter besser?

Liebe Leserinnen und Leser, wenn es um den akuten Wohnungsmangel in den deutschen Metropolen geht, beginnt sofort das altbekannte Schwarzer-Peter-Spiel. Wahlweise haben es entweder die gierigen Investoren oder die korrupten Politiker verbockt, sind entweder die käferaffinen Öko-Aktivisten oder die faulen Bauamtsmitarbeiter schuld an der Misere.

Ulrich Wolf
Ulrich Wolf. Bild: Balsereit

Wenn man mit Projektentwicklern und Bauunternehmern spricht, also den Leuten, die tatsächlich bauen (wollen), ist es vor allem eine zunehmende Flut an Vorschriften, die ihnen das Entwickeln und Bauen verleidet. Jede einzelne Vorschrift für sich mag sinnvoll sein, aber wenn man als Verantwortlicher alle Anforderungen an Brandschutz, Schallschutz und Barrierefreiheit erfüllen will, ist man oft der Verzweiflung nah. In Kombination mit hohen Grundstückspreisen, höheren Bau- und Planungskosten und immer längeren Planungszeiträumen ist dann zudem auch schnell die Grenze der Rentabilität eines Projekts erreicht. Die Debatte über mögliche Enteignungen trägt ganz sicher auch nicht zu mehr Freude am Bauen bei.

Die Nachverdichtung in den Städten bietet zumindest die Chance, den hohen Bodenpreisen und den langen Erschließungsprozessen von Bauland etwas entgegenzusetzen, vor allem, wenn es um Aufstockungen auf bereits vorhandene Gebäude geht. Aber machen wir uns nichts vor:

Obwohl der Holzbau mit seiner leichten und modularen Vorfertigungsbauweise hier enormes Potenzial bietet, wird die Nachverdichtung die Städte nicht zwingend zum Besseren verändern. Grünstreifen werden verschwinden, die Gebäude werden (noch) höher und schlucken Licht, es wird noch wärmer in der Stadt, es werden noch mehr Menschen auf der gleichen Grundfläche untergebracht, nur eben übereinander. Dichter bauen heißt dann eben auch dichter wohnen. „Wie wir in Zukunft leben“ war im Übrigen auch ein hochspannendes Thema auf unserem diesjährigen Holzbauforum in Berlin (Nachbericht auf Seite 50).

Nicht, dass Sie mich missverstehen: Ich halte die Nachverdichtung in Holzbauweise für einen wichtigen Baustein, die aktuelle Wohnungsknappheit in den deutschen Großstädten mittelfristig zu mindern – aber mehr auch nicht. Langfristig müssen wir uns eher überlegen, wie wir nicht nur die Metropolen, sondern auch die ländlichen Regionen wieder lebenswerter machen.

Ulrich Wolf

Redaktion bmH bauen mit Holz
u.wolf@bruderverlag.de