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bmH bauen mit Holz 7-8.2019: Neue Möglichkeiten für Holz

Liebe Leserinnen und Leser, die Stadt Köln will bei Neubauten ab sofort auf Holz setzen. Wenn möglich, soll die Gebäudewirtschaft sogar komplette Holzhäuser errichten. Die Stadt denkt dabei in erster Linie an Schulen und Kindertagesstätten.

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Laura Westerhoff. Bild: Balsereit

„In den letzten Jahren ist Holz als Baustoff neu entdeckt worden und gewinnt wieder an Bedeutung, da es sich um einen klimafreundlichen und nachwachsenden Rohstoff handelt“, lautet die Begründung im gemeinsamen Antrag der Fraktionen von CDU, Bündnis90/Die Grünen, FDP sowie der Ratsgruppe Gut. „Während bei der Herstellung von Beton massive Mengen an Treibhausgas erzeugt werden, wird durch die Holzbauweise in den Gebäuden langfristig CO2 gebunden,“ argumentieren die Fraktionen weiter. Damit folgt auch Köln dem Trend „Zurück zum Holz“. Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen lockerten ihre Landesbauordnungen bereits zugunsten des Holzbaus und senkten damit die juristischen Hürden für unsere umweltfreundliche Bauart. Die Stadt Freiburg oder der Bund Deutscher Architekten Berlin sprechen sich ebenso eindeutig für den Holzbau aus. Auch in den Bauämtern wächst das Wissen über die Möglichkeiten des Holzbaus im urbanen Umfeld, bei der Nachverdichtung oder beim Bauen im Bestand. Statik und Brandschutz im Holzbau sind keine unbekannten Größen für die Ämter mehr.

Dieser Trend ist sehr erfreulich und könnte für die Holzbauunternehmen neue Möglichkeiten eröffnen. Die öffentlichen Auftraggeber spielen mit zehn Prozent Auftragsvolumen aktuell eine untergeordnete Rolle.

Derzeit beauftragen überwiegend private und gewerbliche Bauherren die Arbeiten im Holzbau. Es stellt sich allerdings die Frage, ob das Gewerbe auf diese neuen Möglichkeiten vorbereitet ist. Das Handwerk ist fast voll ausgelastet. Bereits jetzt müssen Aufträge abgelehnt werden. Der Auftragsbestand beträgt derzeit durchschnittlich 15 Wochen, mit dem Bauen im Bestand als am stärksten nachgefragter Bauleistung.

In den letzten 30 Jahren hat sich das Zimmerer- und Holzbaugewerbe zwar entwickelt und sein Leistungsspektrum stark erweitert: Die Instandsetzung und Modernisierung bestehender Hochbauten, der handwerkliche Neubau von Gebäudeteilen oder der Bau ganzen Gebäuden in Fertigbauweise wird angeboten. Die Betriebsgröße der Familienbetriebe ist aber durchschnittlich bei 5,9 tätigen Personen – Unternehmer, Unternehmerin in Teilzeit, vier Facharbeiter und ein halber Auszubildender – verblieben. Der bereits jetzt herrschende Fachkräftemangel wird überwiegend durch Mehrarbeit und die Beauftragung von Nachunternehmern ausgeglichen. Es sind wenig bis gar keine Kapazitäten in den Unternehmen vorhanden. Eine Lösung wäre Kooperationen oder Arbeitsgemeinschaften: An die Form der Zusammenarbeit trauen sich leider nur wenige Betriebe heran. Hoher Koordinationsaufwand, Unvollständigkeit der Planung und Haftungsfragen werden als Gründe genannt.

Laura Westerhoff
Senior Management Programm
l.westerhoff@bruderverlag.de