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Campus im Olympiapark der TU München: Licht, Frische und Großzügigkeit

„Licht, Frische und Großzügigkeit“: der Slogan der Olympischen Spiele München 1972 galt auch für den Entwurf des neuen Universitäts-Sportcampus im denkmalgeschützten Olympiapark der bayerischen Hauptstadt. Der Neubau muss zudem nach Anforderung des Bauherrn vom Baustoff bis zum Betrieb ressourcenschonend und energiesparend sein.

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Foto: Dietrich | Untertrifaller Architekten ZT

Zu 80 Prozent wird der neue Campus deshalb aus Holz gebaut, das „in der schönsten Fabrik der Welt entsteht, im Ökosystem Wald“, so Ministerialdirektorin Brigitta Brunner aus dem Bayerischen Bauministerium in ihrer Ansprache zum Richtfest. „Dieses Haus ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Holz ein Baustoff mit langer Tradition und zugleich hochmodern ist. Der Freistaat Bayern, der über den größten Holzvorrat pro Hektar in Europa verfügt, baut daher immer öfter mit Holz.“

Rubner Holzbau Campus Olympiapark München
Foto: Rubner Holzbau

Schon jetzt kragt das stattliche, auf Pendelstützen gelagerte Vordach-Süd in Holzbauweise und „größte Hingucker des Projekts“ (Brigitta Brunner) beeindruckende 18,3 m weit aus. Das Tragsystem der nicht alltäglichen Konstruktion besteht aus 40 Hohlkastenelementen und überdacht auf einer Länge von rund 150 m großzügig die 100-Meter-Laufbahn. Die Dachelemente mit 28 m Länge, 3,75 m Breite, 1,6 m Höhe und einem Gewicht von jeweils 19 t werden im Werk Ober-Grafendorf vorgefertigt und montagebereit sowie just-in-time an der Baustelle angeliefert.

Mengen und Massen Holzbau
  • Dachfläche: 14.800 m²
  • Vordachelemente als Hohlkastenkonstruktion: 4.183 m², 40 Stück, ca. 3,75 m x 28 m, 1,6 m hoch, je 19 t schwer, freie Auskragung 18,3 m
  • Dach-/Deckenelemente: 11.690 m², 1.167 Stück
  • Holz-Beton-Verbunddecke: 610 m²
  • Wandelemente: 7.427 m², 587 Stück
  • Brettsperrholzbauteile: 332 m3
  • Stahl: 61 t Stahl

Kaum ein Ort in Deutschland steht so symbolisch für den Sport wie der Olympiapark in München. Nach ihrer Nutzung als Pressezentrum während der Olympischen Spiele 1972 wurden die bisherigen Bauten ihrer jetzigen Nutzung zugeführt. Seit damals nutzen die Fakultät der Sport- und Gesundheitswissenschaften der Technischen Universität München (TUM) und der Zentrale Hochschulsport (ZHS) das Gelände des TUM Campus im Olympiapark sowie dessen Gebäude im nördlichen Bereich des Parks. Mit zunehmender Lebensdauer traten bei den Bestandsbauten immer größere baukonstruktive und statische Mängel auf. Auch im Bereich des Brandschutzes gab es gravierende Schwachpunkte. Ein Rück- und Neubau der Anlage wurde dadurch unumgänglich.

Rubner Holzbau Campus Olympiapark München
Foto: Buck Fotodesign

Die Architekten Dietrich I Untertrifaller überzeugten mit der Idee eines klar strukturierten Gebäudekomplexes vornehmlich aus Holz und Glas, gegliedert in je zwei Hallen- und Bürocluster, aufgebaut auf dem Fußabdruck der zu ersetzenden Bestandsbauten von 1972, der sich präzise in die ihn umgebenden Sportflächen einfügt und nach und nach die Bestandsbauten ersetzen wird. Das Motto der Fakultät „Integration von Forschung und Lehre in einer Einheit“ wird am Ende der Realisierung auch am baulichen Ensemble im Einklang mit dem denkmalgeschützten Olympiapark ablesbar sein.

Auf einer Bruttogrundfläche von mehr als 42.000 m², zwei Stockwerken und fast 19.000 m2 Nutzfläche werden 14 Sporthallen, 15 Fußballplätze, sieben Beachvolleyballfelder, 22 Tennisplätze, jeweils eine Hockey- und Golfanlage, 12 Hörsäle, 15 Labore, fünf Werkstätten, 300 Büros sowie eine Cafeteria und die Bibliothek Platz finden. Die Realisierung des europaweit einzigartigen Gebäudekomplexes mit sechs Innenhöfen erfolgt in zwei Bauabschnitten (BA2 und BA3) bei laufendem Betrieb. Nach dem Bezug der neuen Gebäudeteile werden im BA3 die großen Bestandshallen abgebrochen, die Institutscluster errichtet und die Außenanlagen hergestellt.

Rubner Holzbau Campus Olympiapark München
Foto: Rubner Holzbau

Unter der Leitung von Rubner Holzbau Augsburg wurden für die Sporthallen, Institutsbereiche und die komplette Dachkonstruktion in Holzbauweise insgesamt 11.690 m² Dach- und Deckenelemente, 7.430 m² Wandelemente, 610 m² Holz-Beton-Verbunddecken sowie rund 1.000 m3 Brettschichtholz und 330 m3 Brettsperrholz produziert, vorgefertigt und in kurzer Zeit montiert.



Nach der Fertigstellung werden 2.400 TUM- und LMU-Studierende sowie etwa 17.000 Sportaktive pro Semester aller Münchner Universitäten und Hochschulen die neuen Anlagen auf einer Fläche von 34 Hektar nutzen. Zudem haben 125.000 Studierende und 30.000 Angestellte Zugang zum ZHS.

Projekt:
Campus im Olympiapark der Technischen Universität München (TUM)
Rück- und Neubau für die Fakultät der Sport- und Gesundheitswissenschaften und den Zentralen Hochschulsport
Connollystraße 32, 80809 München

Auftraggeber:
Freistaat Bayern vertreten durch Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst vertreten durch Staatliches Bauamt München 2

Architektur: Dietrich | Untertrifaller, Bregenz)
Tragwerksplanung: merz kley partner ZT, Dornbirn
Bauleitung: Ernst2 Architekten, Stuttgart
Holzbau: Rubner Holzbau, Augsburg

Baubeginn: 2017, Grundstein 05/2018
Fertigstellung Holzbau „BA2“: 07/2019
Bezug Bauabschnitt 2: 2020
Fertigstellung gesamt: 2022