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DER ZIMMERMANN 7.2017: Hamburg macht es möglich

Es bewegt sich was in Deutschland. In Hamburg dürfen laut Landesbauordnung jetzt Gebäude bis zu einer Höhe von 22 m aus Holz gebaut werden (Seite 7).

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Angela Trinkert. Bild: Radach

Damit ist es nach Baden-Württemberg das zweite Bundesland, das Holzbauten der Gebäudeklasse 5 erlaubt. Hamburg liegt laut einer Pressemitteilung des Deutschen Holzwirtschaftsrats derzeit mit einer Holzbauquote bei Wohngebäuden von nur 4,4 Prozent (Stand 2016) zwar noch deutlich hinter Spitzenreiter Baden-Württemberg (27,6 Prozent), aber die neue Landesbauordnung bietet nun die Chancen, aufzuholen. Gerade für Ballungsgebiete bietet sich der Holzbau an, um durch Aufstockungen neuen Wohnraum zu schaffen (mehr dazu auf Seite 16).

Auch in Nordrhein-Westfalen wird eine novellierte Landesbauordnung demnächst in Kraft treten. So mutig wie die Hamburger sind die Behörden in dem dicht besiedelten Bundesland zwar nicht, aber immerhin werden ab Januar 2018 Gebäude in der Gebäudeklasse 4 (bis zu fünf Geschosse) bei entsprechenden Brandschutzanforderungen möglich sein. Damit ist Nordrhein-Westfalen immerhin kein Schlusslicht mehr, was veraltete Landesbauordnungen betrifft. Denn in den meisten anderen Bundesländern ist die Musterbauordnung von 2002, die den Holzbau für mehrgeschossige Bauten erlaubt, schon lange umgesetzt worden.

Das lässt hoffen, dass in den Ballungsgebieten neuer bezahlbarer Wohnraum in Holzbauweise entsteht. Denn dieser wird dringend benötigt.

Aber es braucht auch mutige Bauherren – Wohnbaugenossenschaften oder –, gesellschaften – die diese Chance nutzen und bestehende Bauten mit Holzbauweise nachverdichten. Häufig haben die Bauherren, die sich darauf einlassen, eine Affinität zum Holzbau. Die, die das (noch) nicht haben, müssen überzeugt werden. Oft ist es aber aufgrund des vorhandenen Tragwerks, viele Mehrfamilienhäuser sind Nachkriegsbauten, gar nicht anders möglich, als in Holzbauweise aufzustocken. Ein Vorteil der Aufstockung ist, dass dabei keine neue Fläche versiegelt wird und die oft großzügig geplanten Wohnsiedlungen ihre Grünflächen behalten. Das ist in urbanen Neubaugebieten leider nicht mehr so. In ihnen klebt häufig Wohnungsbau neben Wohnungsbau, um möglichst viel Fläche auszunutzen. Dass aber auch Freiflächen für ein intaktes Stadtleben notwendig sind, wird vergessen. Leider sind auch viele Behörden noch nicht auf den Holzbau eingestellt und machen die Genehmigung nicht einfach. Auch da muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, damit der Holzbau als gleichberechtigte Bauweise anerkannt wird.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre

Angela Trinkert

PS: Kurz vor Drucklegung erreichte uns noch die Nachricht, dass die neue Landesregierung NRW die geplante Novellierung der Landesbauordnung mit einem Moratorium aussetzen möchte. Mit inhaltlichen Änderungen u.a. zu Abstandsflächen und einer stärkeren Angleichung an die Musterbauordnung (MBO) soll eine weitere Neufassung dann „schnellstmöglich in Kraft“ gesetzt werden. DER ZIMMERMANN wird die Entwicklung im Auge behalten und berichten.