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Der Zimmermann 10.2018: Nie so produktiv wie heute

Liebe Leserinnen, lieber Leser, Holzbau Deutschland veröffentlichte vor Kurzem den Lagebericht Zimmerer/Holzbau 2018. Eine Pressemitteilung mit den wichtigsten Informationen dazu können Sie auf Seite 5 lesen. Es lohnt sich aber auch, den Lagebericht vollständig zu lesen, der einige interessante Entwicklungen im Holzbau darstellt.

Angela Trinkert 2018
Angela Trinkert. Bild: Balsereit

So ist beispielsweise der Umsatz je Beschäftigten enorm gestiegen. Lag er 1997 mit insgesamt 80.405 Beschäftigten bei 66.288 Euro pro Beschäftigen, stieg er in den Zeiten der schwierigen Baujahre 2006 bei nur 58.868 Beschäftigten um 12.498 Euro auf 78.786 Euro, um dann 2017 bei 66.631 Beschäftigten um 24.934 Euro auf 103.720 Euro zu wachsen. Selbst wenn man den Umsatz um Inflation, Eurowechsel, steigende Lohnkosten etc. bereinigt, ist das ein stolzes Ergebnis. Die Produktivität ist deutlich verbessert worden. Was zeigt uns das? Dass die Betriebe kein Fachpersonal finden – nach wie vor ist es nicht leicht, geeignete Bewerber zu finden – oder, trotz der guten Konjunktur, sich nicht so recht trauen, Personal einzustellen – denn nichts ist so unbeständig wie die Baukonjunktur – der einzelne Angestellte also mehr arbeitet? Dass aufgrund der sehr guten Auftragslagen und des inzwischen häufig warmen Wetters die Winterpausen kurz werden, also mehr Zeit zum Arbeiten zur Verfügung steht? Oder dass Digitalisierung und zunehmende maschinelle Vorfertigung im Holzbau die Produktivität pro Beschäftigten erhöhen? Laut Lagebericht gehen die Zimmerleute mit dem Umsatzzuwachs behutsam um. Man setzt auf Stammpersonal und Nachwuchs aus den eigenen Reihen, versucht mit internen Möglichkeiten die Produktivität zu verbessern und nutzt eher das betriebliche Umfeld für Kooperationen.

Aber auch der hohe Anteil an Solo-Beschäftigten bestimmt die Preise für Bauleistungen mit. Denn auch im Zimmererhandwerk üben inzwischen viele Zimmermeister und -meisterinnen eine selbstständige Tätigkeit ohne Angestellte aus. Für größere Bauvorhaben schließt man sich mit anderen Solo-Selbstständigen zu Arbeitsgemeinschaften zusammen. Beiträge zur Sozialversicherung und viele Formalien fallen dadurch weg, Solo-Selbstständige können ganz anders kalkulieren, erläutert der Lagebericht. Da stellt sich dann die Frage an die Politik: Wie kann eine nach dem Prinzip der Solidargemeinschaft organisierte gesetzliche Sozialversicherung bei zunehmenden Solo-Selbstständigen, und das nicht nur im Zimmererhandwerk, weiterhin funktionieren?

Dafür ist die Ausbildungsbereitschaft, bundesweit gesehen, unverändert hoch. Von den 7.280 Azubis 2017 waren immerhin 169 Frauen, 2013 waren es bei 6.903 Auszubildenden nur 76 Frauen, eine Steigerung von 1,1 auf 2,3 Prozent. Eine erfreuliche Entwicklung.

Ihre

Angela Trinkert