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Der Zimmermann 11.2018: Der Klimawandel zeigt sein Gesicht

Liebe Leserin, lieber Leser, Die Verwendung von Stroh als Dämmstoff ist hier in Deutschland eine relativ junge Anwendung. Ende des 19. Jahrhunderts wurden in den USA erstmals Strohballen zum Bau von Häusern verwendet. Auch wenn in Übersee so mancher denkt, dass der Klimawandel nur eine Erfindung der Chinesen sei, die dort entwickelte Bauweise eignet sich perfekt als Klimaschützerin.

Angela Trinkert 2018
Angela Trinkert. Bild: Balsereit

Strohballen können mit geringem energetischem Aufwand hergestellt werden und das Stroh wächst nach. Deshalb startet Der Zimmermann in diesem Heft mit einer mehrteiligen Serie zum Thema Strohballenbau (Seite 8), die von der Expertin Adina Lange, Vorstandsmitglied des Fachverbands Strohballenbau Deutschland e.V. (FASBA e.V.), verfasst wird. Stroh ist quasi ein Abfallprodukt der Landwirtschaft, selbst wenn in diesem Jahr, das aufgrund des sehr trockenen Sommers nur geringe Erträge von Heu und Futterpflanzen bescherte, Getreidestroh als Tierfutter, beispielsweise für Pferde, wiederentdeckt wurde. Dieser Sommer, so sehr man die Hitze auf der Baustelle verflucht und am See genossen haben mag, ist eine Folge des Klimawandels, genauso wie die sich häufenden Hochwasserereignisse, weshalb der 21. Bauschadenstag die daraus resultierenden Schäden an Gebäuden thematisieren wird (Seite 7).

Der Holzbau leistet auf jeden Fall als nachhaltige und ressourcenschonende Bauweise einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Leider scheint diese Tatsache in der Baufachwelt keinen Konsens zu finden. So versucht das Beratungsinstitut LCEE aus Darmstadt in einer wissenschaftlichen Studie nachzuweisen, dass die Klimaschutzleistung von Holzgebäuden schlechter sei als die von Gebäuden aus Mauerwerk. Diese Studie wurde übrigens von der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau e.V. in Auftrag gegeben. Was die Fachversammlung von Holzbau Deutschland dazu denkt, können Sie auf Seite 6 lesen. Dabei müssten die Lobbyisten der Massivbauweise derzeit eigentlich ganz andere Probleme haben, als sich am Baustoff Holz abzuarbeiten. Denn wie die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bereits Anfang des Jahres berichtete, drohen bei wichtigen Baurohstoffen, wie Sand oder Kies, erhebliche Versorgungsengpässe, da die Gewinnung in Deutschland zunehmend schwierig wird. Sand ist in Wasser-, Natur- und Landschaftsschutzgebieten oder überbauten Flächen nicht abbaubar, zudem stellen immer weniger Landwirte ihre Flächen für einen Rohstoffabbau zur Verfügung.

Dagegen wird das Fichtenholz aufgrund des starken Borkenkäferbefalls – auch eine Folge des Klimawandels und der mit ihm einhergehenden sommerlichen Dürre – derzeit massiv abgeerntet, was die Preise purzeln lässt. Laut einer frisch veröffentlichten Meldung des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. kann befallenes Holz aber durchaus als Bauholz eingesetzt werden, wenn einige normative Bedingungen eingehalten werden. Darüber wird Der Zimmermann in einer der nächsten Ausgaben berichten.

Für die aktuelle Ausgabe wünsche ich Ihnen eine nützliche Lektüre.

Ihre

Angela Trinkert