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Der Zimmermann 11.2020: Von der Vergangenheit in die Gegenwart

Liebe Leserinnen, liebe Leser, mit der Restauration von Denkmälern erhalten wir Zeugnisse unserer Vergangenheit für die kommenden Generationen. Und das ist meiner Meinung nach keine Frage des Geschmacks.

Angela Trinkert

Derzeit steht der Brutalismus im Denkmalschutz hoch im Kurs. Als Bauweise mit Sichtbeton hat er zwar mit dem Holzbau – wenn man mal von den Schalungsarbeiten, die durchaus anspruchsvoll sein können, absieht – so gar nichts zu tun, soll aber dennoch hier Erwähnung finden. Der Baustil der Moderne, der sich in der Mitte des letzten Jahrhunderts verbreitete, stand mit den sichtbaren Oberflächen und den geometrischen Formen für Klarheit und Ehrlichkeit. Die ursprüngliche Beschaffenheit sollte sichtbar bleiben, nichts hinter einer bürgerlichen Fassade versteckt werden. Brutalistische Bauwerke polarisieren. Die einen sehen sie als Verschandelung der Innenstädte, die anderen bewundern ihre Ästhetik und den skulpturalen Charakter. Doch um „schön“ oder „hässlich“ darf es in der Denkmalpflege nicht gehen, sondern um die Bewahrung von Zeugnissen aus der Geschichte. Dabei steht ein Bauwerk oder eine Bauweise nie allein für sich. Um es zu verstehen, braucht es den Kontext seiner Entstehungszeit.

In diesem Heft stellen wir Ihnen auf Seite 16 die Vollmar-Dachbauweise als ein Dokument ihrer Entstehungszeit vor. Diese Bauweise entwickelte ein Architekt kurz vor dem Zweiten Weltkrieg als Sparbauweise. Dabei war der Baustoff Holz zu der Zeit gar nicht mal so knapp. Gespart wurde, weil alle Rohstoffe rationaler eingesetzt werden mussten, um das grausame Ziel der Kriegsfähigkeit zu erreichen.

Um Denkmäler dauerhaft erhalten zu können, müssen sie regelmäßig untersucht und gegebenenfalls restauriert werden. Eine Möglichkeit, den Zustand von Konstruktionsholz zu ermitteln, ist das Bohrwiderstandsverfahren. Wie dieses Verfahren funktioniert, wie es eingesetzt werden kann, aber auch wo es seine Grenzen hat, zeigt der Artikel auf Seite 8.

Bei den Restauratoren und Restauratorinnen hat sich im letzten Jahr manches geändert, so wurde ein neuer Dachverband gegründet und die Prüfungsordnung novelliert. Über die Neuigkeiten sprach Der Zimmermann mit Sebastian Schmäh, Vorsitzender des Verbands der Restauratoren im Zimmererhandwerk e.V. Das Interview können Sie auf Seite 32 lesen.

Aktuelle Entwicklungen der Gegenwart finden selbstverständlich auch ihren Platz in diesem Heft. Das neue Gebäudeenergiegesetz trat zum November in Kraft und fasst die bisherigen Regelungen zur Energieeffizienz von Gebäuden zusammen. Ein Zweiteiler informiert Sie über die wichtigsten Regelungen, die das Zimmerhandwerk betreffen. Den ersten Teil finden Sie auf Seite 12, der zweite folgt in der Dezemberausgabe.

Ich wünsche Ihnen eine nützliche Lektüre.

Angela Trinkert
Management Programm
a.trinkert@bruderverlag.de