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Absturzsicherheit: Ganzheitliche Planung notwendig

Allein im Jahr 2016 ereigneten sich über 8.000 Absturzunfälle mit 29 Todesopfern. Arbeiten auf hoch gelegenen Arbeitsplätzen müssen auf allen Baustellen vernünftig geplant und geeignete Schutzmaßnahmen gegen Absturzunfälle festgelegt und umgesetzt werden.

Absturzsicherheit
Um Abstürze zu vermeiden, müssen Sicherheitsmaßnahmen müssen rechtzeitig geplant werden. Foto: Mirko Bartels / bpr

Dies betont Klaus-Richard Bergmann, Hauptgeschäftsführer der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) auf dem Fachkongress für Absturzsicherheit im November 2017 in der BMW Welt München mit Nachdruck.

Die meisten Abstürze ereignen sich von Leitern, Dächern und Gerüsten, viele auch von Treppen und durch Bodenöffnungen. Betroffen sind Beschäftigte aller Gewerbezweige. Wie Bergmann ausführte „hängt die Art, wie Beschäftigte gegen Abstürze zu sichern sind, vom Einzelfall ab. Deshalb müssen Gefährdungsbeurteilungen bereits vor Beginn der Arbeiten durchgeführt werden und alle möglichen Risiken erfassen.

Eine wichtige Rolle beim Arbeitsschutz spielt dabei eine ganzheitliche Prävention, die auch die persönliche Einstellung und das Verhalten der Beschäftigten in den Blick nimmt“, sagte der Hauptgeschäftsführer. Die Kernbotschaft des neuen Präventionsprogramms „BAU AUF SICHERHEIT. BAU AUF DICH.“ der BG BAU lautet daher: „Sicheres Verhalten lohnt sich für jeden Berufstätigen, seine Familie und die Kollegen.“ Deshalb regt die BG BAU an, dass Unternehmen der Bauwirtschaft „Betriebliche Erklärungen“ vereinbaren, mit denen sich die Beschäftigten und die Betriebsleitungen gemeinsam dazu verpflichten, die lebenswichtigen Regeln einzuhalten. Dazu gehören auch mögliche Ursachen von Absturzunfällen.

Das Arbeitsschutzgesetz, die Arbeitsstättenverordnung und die Betriebssicherheitsverordnung stellen die Anforderungen an die Rangfolge der erforderlichen Schutzmaßnahmen“. Dabei haben kollektive, also für alle Beschäftigten wirkende Maßnahmen, wie Absperrungen und Abdeckungen, Arbeitsgerüste, Schutznetze und Hubarbeitsbühnen Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung (PSA). Außerdem sei es notwendig, die Entwicklung von Absturz-Schutzsystemen für Absturzhöhen unter fünf Metern voranzutreiben. Denn viele schwere Absturzunfälle ereigneten sich aus geringen Höhen.

92.500 Absturzunfälle in zehn Jahren

92.500 Absturzunfälle registrierte die BG BAU in den zehn Jahren zwischen 2007 und 2016. Davon endeten 341 tödlich. Im Jahr 2016 waren 40 Prozent aller tödlichen Unfälle im Baugewerbe Abstürzen geschuldet. Selbst wenn Abstürze nicht tödlich enden, verletzen sich die Leidtragenden fast immer schwer, werden erwerbsunfähig oder sind an den Rollstuhl gebunden. Bergmann: „Das ist eine Tragödie für die Betroffenen, ihre Familie und Freunde“. Dazu kommen hohe Kosten, die von der Gemeinschaft der Mitgliedsunternehmen zu tragen sind. So zahlte die BG BAU im Jahr 2016 für Opfer von Absturzunfällen fast 127 Millionen Euro für Heilbehandlungen, Verletztengeld, Reha, Rente sowie Leistungen an Hinterbliebene.