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Die Zimmerin 10.2019: Damenwahl – auch im Zimmerhandwerk

Liebe Leserinnen, liebe Leser, engagierte Frauen haben bereits vieles erreicht in der Weltgeschichte. So feiern wir hier in Deutschland in diesem Jahr 100 Jahre Frauenwahlrecht.

Angela Trinkert 2018
Angela Trinkert. Bild: Balsereit

Im Januar 1919 ist es erstmals so weit: Frauen und Männer können bei den ersten demokratischen Wahlen wählen und gewählt werden – am 5. Januar 1919 zur verfassunggebenden Landesversammlung der Republik Baden, am 12. Januar 1919 zur verfassunggebenden Landesversammlung des Freien Württembergischen Volksstaats und am 19. Januar 1919 zur Deutschen Nationalversammlung. Die Wahlbeteiligung der Frauen liegt bei fast 90 Prozent, knapp zehn Prozent der gewählten Abgeordneten sind weiblich. Doch das Wahlrecht ist nicht vom Himmel gefallen. Ohne die tatkräftigen Wegbereiterinnen würden Frauen vermutlich bis heute nicht wählen können. Zu Beginn ist das Misstrauen gegenüber politischen Entscheidungen von Frauen noch sehr groß. Heute ist es selbstverständlich, dass Frauen sich passiv oder aktiv politisch einbringen, auch wenn Frauen im Bundestag trotz Bundeskanzlerin mit etwa 30 Prozent der Abgeordneten immer noch unterrepräsentiert sind.

Auf der Baustelle haben viele Männer und auch manche Frauen das Mißtrauen gegen Handwerkerinnen noch nicht abgelegt. Zu ungewöhnlich ist noch der Anblick von Zimmerinnen, Maurerinnen und Co. Im Zimmerhandwerk ändert es sich gerade ein wenig. Der Weg zum paritätischen Geschlechterverhältnis ist noch weit, aber die Zahl der weiblichen Auszubildenden steigt; immer mehr Frauen entscheiden sich dafür, eine Ausbildung zur Zimmerin zu machen.

Martin Heidelbach, Zimmermeister in Köln, meinte kürzlich zu mir, dass er, nach einem kleinen Boom Anfang der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts, wieder vermehrt Bewerbungen von interessierten Frauen oder Mädchen erhält. Und Sebastian Schmäh aus Meersburg beschäftigt sogar mehr weibliche als männliche Auszubildende, wie Sie auf Seite 6 lesen können.

Eine engagierte und tatkräftige Vorreiterin im Zimmerhandwerk ist Sieglinde Kammerl-Eibl, die bereits vor 37 Jahren ihre Prüfung zur Zimmermeisterin ablegte und dafür 2017 den goldenen Meisterbrief erhielt. Was sie jungen Frauen rät, die diesen Weg einschlagen möchten, können Sie auf Seite 42 erfahren.

Auch die Fachartikel in dieser Ausgabe, die ausnahmsweise Die Zimmerin heißt, zeigen viele Beispiele, in denen Frauen den Holzbau mitgestalten.

Also, Sie sehen, in spätestens 100 Jahren werden Frauen auf der Baustelle nichts Ungewöhnliches mehr sein.

Ich wünsche Ihnen eine nützliche Lektüre,

Ihre

Angela Trinkert
Management Programm

a.trinkert@bruderverlag.de

P.S. an die Leserinnen: Haben Sie Lust, sich mit anderen Frauen in der Umgebung stärker zu vernetzen? Unsere regionalen Netzwerktreffen bieten beste Möglichkeiten dazu. Mehr zu Programm und Anmeldung unter www.frauenzimmer.live.