Holger Merkel schickte die Teilnehmenden auf eine muntere Fehlersuche. Zum Schluss löste er das Rätsel mit Hilfe der roten Pfeile auf, die aufzeigen,  wo auf dieser Baustelle bezüglich der Luftdichtheit mangelhaft gearbeitet wurde Quelle: Der Zimmermann
Holger Merkel schickte die Teilnehmenden auf eine muntere Fehlersuche. Zum Schluss löste er das Rätsel mit Hilfe der roten Pfeile auf, die aufzeigen, wo auf dieser Baustelle bezüglich der Luftdichtheit mangelhaft gearbeitet wurde Quelle: Der Zimmermann

Digitale Weiterbildung

23. September 2021 | Teilen auf:

Digitale Weiterbildung: So wird luftdicht gebaut

Gut 70 Interessierte schalteten sich am 14. September zu, um dem Seminar mit Holger Merkel zum Thema „Luftdichtheit: Hier zieht‘s beim Holzbau“ beizuwohnen. Dass das Thema im Holzbau nichts an Aktualität verloren hat, bewies der Referent mit verschiedenen Beispielen aus der Praxis

Holger Merkel begann mit dem Begriff „Barackenklima“, mit dem sich vermutlich jede und jeder aus der Holzbaubranche bereits konfrontiert sah. Die in früheren Jahren fehlende Luftdichtheitsschicht im Holzbau hat nicht unwesentlich zu dem ehemals schlechten Ruf beigetragen. Inzwischen sorgt seit über 20 Jahren die Norm „DIN 4108-7 „Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden - Teil 7: Luftdichtheit von Gebäuden“ dafür, dass geregelt ist, wie die Luftdichtheit in Gebäuden korrekt ausgeführt wird. Derzeit wird die Norm zum vierten Mal überarbeitet, wie Holger Merkel berichtete. Aber die beste Norm bringt nichts, wenn nicht nach ihr gearbeitet wird. So mangelt es bei Häusern in Holzbauweise immer mal wieder daran, dass die luftdichte Ebene und die Abläufe beim Aufrichten der Elemente nicht rechtzeitig geplant werden. Laut Merkel sind insbesondere die Anschlüsse der Wand-, Decken-, und Dachelemente untereinander, Verbindungen zu mineralischen Bauteilen, wie die Bodenplatte, oder die Verbindung der Wandelemente übereinander liegender Geschosse die kritischen Stellen.

Holzbau ist nicht gleich Holzbau

Die unterschiedlichen Holzbauweisen erfordern durchaus individuelle Herangehensweisen. Beispielsweise hängt die Luftdichtheit von Elementen aus Brettsperrholz von der Anzahl der Lagen und den Angaben des Herstellers ab. Brettstapelholz ist dagegen aufgrund der durchgehenden Fugen überhaupt nicht luftdicht. Eine zusätzliche Schicht, die innen oder außen angeordnet werden kann, wird auf jeden Fall benötigt. Beim Holzrahmenbau macht es Sinn, und ist auch durchaus üblich, mit einer Installationsebene zu arbeiten, um erforderliche Durchdringungen auf ein Minimum zu reduzieren.

In hölzernen Dachkonstruktionen finden sich immer mal wieder Klebebänder, die an Anschlüssen und Durchdringungen nicht ausreichend angedrückt wurden oder eine Folie, die unter Spannung steht. Liegt die Dämmung auf den Sparren, wird die Schalung am Ortgang oft nicht unterbrochen, um die Folie herunterzuziehen. Beim Holzskelettbau kann es aufgrund der vielen Knotenpunkte herausfordernd sein, die Luftdichtheit herzustellen. Die Luftdichtheit moderner Blockbauten ist dagegen häufig besser als ihr Ruf. Dabei erfolgt die Abdichtung über die Fugen der Elemente.

Digitale Weiterbildung: Im November geht es weiter

Der Bruderverlag bietet vielfältige Möglichkeiten, sich verlässlich im Holzbau zu informieren und weiterzubilden. Somit setzen wir die Reihe der Onlineseminare, die ein Bestandteil des bmH bauen mit Holz-Abonnements sind, im November fort. Auch für dieses Onlineseminar konnten wir wieder einen ausgewiesenen Fachmann aus der Branche gewinnen

Dienstag, den 16. November 2021, 17 bis 18 Uhr

„Holzbaugerechter Planungsprozess: Gut geplant ist halb gebaut“ mit Gerd Prause

Der Holzbau braucht einen anderen Planungsprozess, denn aufgrund der Vorfertigung müssen wesentliche Entscheidungen zu einem früheren Zeitpunkt getroffen werden. Dafür benötigen alle Planungsbeteiligten Holzbaukompetenzen, die sie in die Lage versetzen, den Planungsprozess holzbaugerecht durchzuführen. Nur dann ist es möglich, dass die Planung zu Beginn der Entwurfsphase abgestimmt, festgelegt, freigegeben und nicht mehr geändert wird. Gerd Prause wird präzisieren, wie ein holzbaugerechter Planungsprozess aussieht, welche Kompetenzen die Planungsbeteiligten dabei benötigen und wie BIM und agile Methoden helfen können.

Referent

Gerd Prause führt seit 1993 die Geschäfte von Prause Holzbauplanung GmbH & Co. KG in Lindlar und ist Experte für Arbeitsvorbereitung, digitale Planung und BIM im Holzbau. Zudem engagiert er sich als Vorstandsmitglied beim Deutschen Holzfertigbau Verband und beim Informationsverein Holz, als Moderator verschiedener ErfaGruppen der 81fünf high-tech & holzbau AG, als Praxispartner der Forschungsprojekte BIM & Holzbau und BIMwood der TU München und als Initiator und Sprecher der Fachgruppe BIM & Holzbau, Building Smart

Preise und Anmeldung

Das Seminar kostet einzeln 79,– €. Abonnent*innen der Zeitschrift bmH bauen mit Holz können an dem Onlineseminar im Rahmen ihres Abonnements kostenlos teilnehmen. Für Abonnent*innen von Der Zimmermann wird ein Rabatt von 20 Prozent gewährt.

Bei der Anmeldung geben Abonnent*innen der Zeitschrift bmH bauen mit Holz bitte den Gutscheincode bmh2021 und Abonnent*innen von Der Zimmermann den Gutscheincode dzi20%! ein, damit die Rabatte entsprechend berücksichtigt werden.

Anmeldung und weitere Informationen unter www.bauenmitholz.de/herbstseminare

Kleine Leckage mit großen Folgen

Als nächstes folgte ein kurzer Exkurs in die Druckverhältnisse eines Gebäudes. Dort, wo Innen- und Außendruck gleich groß sind, liegt die druckneutrale Ebene, meist etwa auf halber Gebäudehöhe. Darunter herrscht Unterdruck, darüber Überdruck. Die Luft strömt, um Druckausgleich bemüht, von unten nach oben. Deshalb sind Leckagen im oberen Bereich des Gebäudes gefährlich. Egal wie klein sie sind, sie können große Schäden anrichten, wie Holger Merkel anschaulich anhand eines Attikaschadens demonstrierte. Weitere Lieblingsstellen der Blower-Door-Zunft seien Dachflächenfenster, Durchdringungen, Pfettenauflager und immer auch wieder Innenwände im Dachgeschoss.

Auf einem der Baustellenfotos durften die Teilnehmenden auf Fehlersuche in der Luftdichtheitsebene gehen. Ob sie mit den zahlreich genannten Mängeln richtig lagen, erfuhren sie nach der Auflösung des Ratespiels durch Holger Merkel. Weiterhin ging er mit Hilfe einiger Beispiele darauf ein, wie Luftdichtheit im Gebäudebestand sauber ausgeführt werden kann. Das Argument „Im Altbau sind 100 Prozent nicht machbar“ zählt für Holger Merkel nicht. Übersetzt bedeutet das für ihn „Ich mache meine Arbeit nicht zu 100 Prozent“. Denn wer definiert, wieviel Prozent noch in Ordnung sind?

Rundum war das Onlineseminar sehr gelungen und die Teilnehmenden interessiert. Zum Schluss bot Holger Merkel an, Fragen, die er nicht beantworten konnte, ohne die genauen Details zu kennen, im Nachgang zu besprechen, wenn ihm entsprechende Skizzen zugeschickt werden. Dieses Angebot wurde gerne angenommen. ■

Autorin: Angela Trinkert