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Hintergrund: Woher kommen die steigenden Holzpreise?

Seit Anfang 2021 sind drastisch steigende Holzpreise zu beobachten, begleitet von langen Lieferfristen. Immer mehr Handwerksbetriebe berichten, gar kein Holz mehr zu erhalten. Laut Recherchen des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks ZVDH ist die Holzkrise auf viele verschiedene Faktoren zurückzuführen.

Holz
Foto: bmH bauen mit Holz

Vor allem Dachlatten zum Aufbau von Dachstühlen sind betroffen, aber auch Schalholz. Umfragen unter 7.000 Dachdecker-Innungsbetrieben (mit über 1.100 Rückmeldungen) belegen das ganz konkret: Beim Lattholz meldeten rund 60 % der Betriebe eine Preissteigerung von mehr als 50 %, vereinzelt wurde sogar eine Verdreifachung des Preises beobachtet. Rund 30 % gaben Preissteigerungen im Rahmen von 30- 50 % an.

Beim Schalholz meldeten 45 % der Betriebe eine Preissteigerung bis zu 50 %. Ein Fünftel der Betriebe beklagten Preissteigerungen von über 50 %. Primär geht es um Fichtenholz, das überwiegend für den Aufbau von Dachstühlen verwendet wird. Hierfür kann in der Regel kein Kalamitätenholz verwendet werden. Für den nicht-sichtbaren Bereich kann das geschädigte Holz allerdings durchaus Verwendung finden.

Ergebnisse der ZVDH-Umfrage April 2021
Grafik 1: Ergebnisse der ZVDH-Umfrage April 2021 Beim Lattholz meldeten rund 60 % der Betriebe eine Preissteigerung von mehr als 50%, vereinzelt wurde sogar eine Verdreifachung des Preises beobachtet. 45 % Lieferanten hielten sich für einen Tag an das Angebot und rund 44% hielten ihr Angebot für eine Woche
Grafik 1: Welche Auswirkungen haben Lieferengpässe bei Lattholz auf Ihre Bauvorhaben? Quelle: ZVDH-Umfragen, April 2021
Grafik 1: Welche Auswirkungen haben Lieferengpässe bei Lattholz auf Ihre Bauvorhaben? Quelle: ZVDH-Umfragen, April 2021

Das Faktenblatt ist eine Momentaufnahme - Teilweise widersprüchliche Aussagen


Wichtig ist, dass dieses Faktenblatt nur eine Momentaufnahme sein kann. Vor allem ist zu berücksichtigen, dass es zum einen regionale Unterschiede gibt, aber auch, dass zahlreiche der beteiligten Akteure ganz unterschiedliche Positionen einnehmen. Dies alles erschwert eine abschließende Bewertung.

So agieren kleine familiengeführt Sägewerke anders als große, so ist bei den Besitzverhältnissen des Waldes zu unterscheiden, ob es sich um Privatbesitz oder Staatseigentum handelt.

Das bedeutet aber auch, dass es teilweise zu widersprüchlichen Aussagen kommen kann. Und auch, dass es keine einfache Lösung gibt. Unser Faktenblatt will helfen, eine sachliche und faktenbasierte Diskussion zu führen

Laut Recherchen des ZVDH ist die Holzkrise auf viele verschiedene Faktoren zurückzuführen

1. Hohe Nachfrage nach Holz

Diese erfolgt vor allem aus Nordamerika.

2. Starker Wintereinbruch in den USA

Es wurde, aufgrund eines starken Wintreinbruchs, weniger Holz in den USA geschlagen.

3. Geschlossene Sägewerke

Pandemiebedingt hatten einige US-amerikanische Sägewerke geschlossen. Es kam zu einem Rückgang der Holzverarbeitung.

Holz
Foto: bmH bauen mit Holz

4. Schädlinge in Kanada

In Kanadas Fichtenwälder haben Schädlinge große Mengen vernichet. Seit 5 Jahren geht dort die Holzernte radikal zurück. Dieser große Holzlieferant fällt weitgehend aus. Die USA bezieht statt 15 % nur noch 10 % Holz aus Kanada.

5. Handelsbeschärnkungen

Noch nicht komplett aufgelöste Handelsbeschränkungen zwischen USA und Kanada behindert den freien Holzhandel zwischen den Ländern.

6. Weltweiter Bau- und Renovierunbsboom

Es herrscht eine hohe inländische Holznachfrage durch Bauboom, niedrige Zinsen, attraktive Fördermittel, aber auch durch Forcieren des Bauens mit dem nachhaltigen Baustoff Holz. Außerdem steigt die Nachfrage nach energetischen Gebäude-Sanierungen bei privaten Bauherren.

7. Deutsche Wälder sind stark geschädigt

Im Jahr 2020 wurden in den deutschen Wäldern 80,4 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen. Damit erreichte der Holzeinschlag einen neuen Rekordwert: Nie zuvor seit der deutschen Vereinigung ist in Deutschland mehr Holz geschlagen worden als 2020. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, stieg der Holzeinschlag damit noch einmal um 16,8 % gegenüber dem bisherigen Höchstwert von 68,9 Millionen Kubikmetern im Jahr 2019.

Aber: Deutsche Wälder sind stark geschädigt. Die Menge des aufgrund von Waldschäden eingeschlagenen Holzes ist deutlich gestiegen: Von 46,2 Millionen Kubikmetern Schadholz (2019) auf 60,1 Millionen Kubikmeter (2020), das sind 30 % mehr. Damit hat sich der Schadholzeinschlag seit 2017 fast verfünffacht. Die Holzartengruppe „Fichte, Tanne, Douglasie und sonstiges Nadelholz“ hat am gesamten Schadholzeinschlag einen Anteil von 88,9 %. Schäden durch Insekten waren 2020 für den Einschlag von 43,3 Millionen Kubikmetern und damit 72,0 % des Schadholzeinschlages verantwortlich, weitere 16,9 % entstanden durch Wind- und Sturmschäden. Die enormen Einschlagsmengen und das erhöhte durch Insekten verursachte Schadholzaufkommen unterstreichen eine in den letzten Jahren häufig thematisierte problematische Entwicklung: Der Borkenkäfer verbreitet sich rasant in heimischen Wäldern und befällt dabei vorrangig Fichten.

Holzeinschlag 2020: Rekordwert dank Waldschäden

Holzeinschlag insgesamt, Schadholzeinschlag und durch insekten verursachtes Schadholz
Holzeinschlag insgesamt, Schadholzeinschlag und durch insekten verursachtes Schadholz. Foto: Statistisches Bundesamt, Destatis, 2021

8. Absturz des Fichtenholzpreises in den Jahren 2019/2020 durch Schadholzanfall

Der Markt wurde ab 2018 mit Fichtenholz überschwemmt. Die Absatzmöglichkeiten, zum Teil auch der Corona-Krise geschuldet, waren eingeschränkt, so dass Fichtenholz weniger nachgefragt wurde. Einige Firmen haben sich auf Exportholz spezialisiert, das in Containerlängen aufgearbeitet und zum Beispiel nach Ostasien verschifft wurde. 2020 zeigte sich eine große Nachfrage aus China, die aber bereits Ende 2020 wieder abgeflaut ist. Von Januar bis Juni 2020 exportierte Deutschland 4,2 Mio. Fm Nadelsägerundholz, meldet das Statistische Bundesamt. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2019 bedeutet dies eine Steigerung um 43 %. Die hohen Ausfuhren waren vor allem der hohen Schadholzmenge in Deutschland geschuldet.

Wald
Foto: bmH bauen mit Holz

9. Verstärkte Inlandsnachfrage im 2. Quartal 2021

Hohe Auftragsvorläufe aufgrund witterungsbedingter Einschränkungen im 1. Quartal 2021, der beginnende Frühling und die beginnende Baumarkt-Saison (DIY-Bereich) verstärken die Inlandsnachfrage.

10. Hohe Auslastung der Sägewerke

Coronabedingt haben 2020 einige Sägewerke in Deutschland aufgeben müssen, was die ohnehin hohe Konzentration der deutschen Sägeindustrie noch verschärft hat. Hohe Auslastung der Sägewerke (es steht genügend Rundholz zur Verfügung), die jedoch nicht reicht, dem sprunghaft gewachsenen Nachfrageanstieg hinterherzukommen.

11. Veredelung von Bauschnittholz

Die über die DIN 4074 hinausgehende „Veredelung“ von Bauschnittholz (Stichwort Konstruktionsvollholz) wirkt einschränkend. So hat die Verbände-Vereinbarung über Dachlatten aus Nadelholz mit CE Zeichen aus dem Jahr 2015 bestimmte Qualitäts-Anforderungen an Dachlatten festgelegt, zum Beispiel, was die Lieferfeuchte angeht.

12. Bevorratung

Zunehmende Bevorratung bei Hölzern jeglicher Art durch unterschiedliche Akteure (Spekulanten, Waldbesitzer, holzverarbeitende Betriebe) heizen die Nachfrage noch mehr an.

13. Forstschäden-Ausgleichsgesetz

Der Fichteneinschlag (Kein Schadholz) wird im Forstwirtschaftsjahr 2021 auf 85 % des Durchschnitts der Jahre 2013 bis 2017 begrenzt. Die Einschlagsbeschränkung gilt rückwirkend ab dem 1. Oktober 2020 bis zum 30. September 2021. Damit sind steuerliche Vergünstigungen für Waldbesitzer verbunden.

Weitere Infos

Holzmangel: ZVDH für regionale Runde Tische

Gegenmaßnahmen zum Holzmangel: Exportverbot, Sägestreik oder mehr Holz ernten?