zurück Holzbauforum 2018 Berlin: „BIM muss man machen“

Ende März luden die DIN Akademie und der Bruderverlag nach Berlin zur DIN-Tagung: 17. Holzbauforum mit dem Themenschwerpunkt Building Information Modeling (BIM). In zehn Vorträgen beleuchteten die Vortragenden das Thema von planerischer, juristischer und ausführender Seite.

Holzbauforum 2018 Berlin
Das erfolgreiche Format "DIN-Tagung: Holzbauforum 2018" des Bruderverlags und des Beuth Verlags veranstaltete im März 2018 das 17. Holzbauforum zum Thema „Digitalisierung im Holzbau - Building Information Modeling“.

"Herzlich willkommen beim Holzbauforum. Eine besondere Veranstaltung; denn wir reihen nicht nur schöne Fotos aneinander, sondern packen die heißen Eisen an!“ Mit diesen einleitenden Worten von Moderator Prof. Thomas Rohner (Professor für Holzbau und BIM an der Berner Fachhochschule/Biel) war die Stimmung für die folgenden anderthalb Tage gesetzt: alle Vortragenden gaben detaillierte und tiefe Einblicke in ihre Fachgebiete. Schöne Fotos wurden natürlich doch gezeigt; einfach weil aktuell im Holzbau - auch und gerade wegen der bereits mannigfaltigen Anwendungen von digitalen Planungsprozessen - viele architektonisch herausragende Objekte errichtet werden.


Eines wurde während der Veranstaltung sehr schnell klar und damit musste nicht bis zu den Schlussworten des Moderators gewartet werden: Der Holzbau ist diejenige Bauweise, die im Bauwesen den digitalen Weg schon am längsten und daher mit einem großem Wissensvorsprung beschreitet. Bei Referent Gerd Prause klang das so: „Der Holzbauer brauchte schon immer eine eigene Werkplanung. Mit Einführung der ersten Hundegger-Maschinen und Personal Computern startete im Holzbau die Digitalisierung. Wir machen BIM also schon seit dreißig Jahren!“ Ebenso klar wurde: Die eigentliche Herausforderung ist die Digitalisierung! Eine Herausforderung, die aktuell nahezu alle privaten und beruflichen Bereiche durchdringt. Das Building Information Modeling ist dabei nur eine von vielen möglichen Ausprägungen der Digitalisierung im Bauwesen.

Holzbauforum 2018 Webotimiert

Die Veranstalter wiederholen das Forum mit leicht veränderten Inhalten am 27. und 28. September 2018 in Offenbach am Main. Die DIN-Tagung: 18. Holzbauforum findet im Frühjahr 2019 wieder in Berlin statt.


Obwohl digitale Prozesse im Holzbau also eigentlich nichts Neues sind, zeigten die Vortragenden, dass die kommende Jahre einschneidende Veränderungen im Bauwesen bringen werden. Eben weil die Digitalisierung immer mehr Planungs- und Produktionsprozesse durchdringt und nun auch andere Gewerke und vor allem die Seite der Architekten sich dieser Herausforderung stellen müssen. Prof. Thomas Rohner ging in seinem einleitenden Beitrag darauf ein, wie neben der rein planerisch-technischen Umsetzung zukünftig auch Aspekte wie Zeit, Kosten, Lebenszyklus und Betriebsdaten eine Rolle spielen. Dies wird, um ein starkes Bild zu prägen, als 7D-Planung bezeichnet, im Vergleich zur bisher üblichen 3D-Planung.

Digitalisierung bedeutet auch: kollaborativ und integral


Holzbauforum 2018 Berlin
Der Holzbau ist diejenige Bauweise, die im Bauwesen den digitalen Weg schon am längsten und daher mit einem großem Wissensvorsprung beschreitet.

Rechtsanwalt Eduard Dischke (KNH Rechtsanwälte/Essen) gewährte einen Blick auf die aktuelle Rechtslage rund um VOB und HOAI und wagte einen Ausblick unter der Annahme, dass digitale Planungsprozesse zunehmen. Für ihn ist im Moment augenscheinlich, dass die kommenden kollaborativen und integralen Arbeitsweisen (zwei Begriffe, die sich durch nahezu alle Vorträge zogen) nicht mit der aktuellen Gesetzeslage zusammen passen. BIM sei kollaborativ, die HOAI hingegen abfolgend, sequentiell ausgelegt, so Eduard Dischke [wobei sich die Frage stellt, ob das Wort „kollaborativ“ angesichts seiner Herkunft: `Zusammenarbeit mit dem Feind,´ von den Verantwortlichen im Bauwesen zukünftig verwendet werden sollte. Aber dies nur als sprachliche Bemerkung am Rande]. Des Weiteren machte Eduard Dischke darauf aufmerksam, dass bisher die Urheberschaft an virtuellen Daten oder an einem digitalen BIM-Modell noch nicht geklärt ist. Dies werde aber kommen und er ist sich sicher: „BIM wird zukünftig Standard.“
Die Beiträge von Frank Lattke, Gerd Prause oder Fabian Scheurer gingen darauf ein, was im Holzbau momentan digital möglich ist und was kommen wird. Auch diese Referenten stellten klar, dass das digitale Planen an sich nichts neues ist, dass alle Beteiligten im Holzbau - und damit sich auch 5-Mann-Zimmereien gemeint - sich vor der Digitalisierung nicht fürchten müssen, aber: das viele Unternehmer und Unternehmen an ihrer Methoden-Kompetenz arbeiten müssen. Eine zeitgemäße Ausrüstung mit (auch) digitalen Werkzeugen ist da nur der erste Schritt. Vor allem müsse sich die Einstellung aller Beteiligten zum bereits erwähnten Zusammenarbeiten, Kommunizieren und Teilen von Wissen und Daten ändern.

Die Digitalisierung erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten


Am zweiten Veranstaltungstag antwortete Architektin Jasmin Dieterle-Proesel von Gerber Architekten auf die provokante Frage, ob die Digitalisierung und damit einhergehend die Standardisierung und höhere Transparenz von Abläufen das Ende eines kreativen Schaffensprozesse bedeute. Statt sich auf eine kulturpessimistische Diskussion einzulassen, zeigte sie in ihrem Beitrag, welche neuen Möglichkeiten die Digitalisierung in der Arbeit eines Architekturbüros bringt. Hier stichwortartig wiedergegeben, meinte sie unter anderem: BIM ermöglicht einen frühzeitigen und optimierten Datenaustausch zwischen allen Planungsbeteiligten; die Erfassung aller Modellkomponenten, in Ausschreibungs- und Kostenberechnungsprozessen; die Verknüpfung mit Analysesoftware für direktes Feedback, z. B. zur Gebäudeeffizienz und Funktionalität; insbesondere die kostengünstige Entwicklung von Varianten; Vorteile bei der Visualisierung und Animation und nicht zuletzt die Ermittlung valider Daten für die Betriebskosten eines Gebäudes.


Lukas Osterloff vom Ingenieurbüro Miebach und Sebastian Hauck zeigten abschließend, wie auch mittelständische Unternehmen bei Ingenieursleistungen wie einem Bahnhofsdach in den Niederlanden oder beim Hausbau im Rhein-Neckar-Raum auf sehr beeindruckende Weise mit den neuen Arbeitsmitteln und Methoden Erfolg haben können.


Fazit: Die Digitalisierung macht den Holzbau für junge Menschen attraktiv


Prof. Thomas Rohner zog mit folgenden Gedanken ein Resümee der Veranstaltung: „BIM bewegt die Gemüter. Es braucht Methodenkompetenz. BIM ist positiv besetzt. Die Branche braucht innovative Zulieferer. BIM heisst: Planen-Bauen-Betreiben. Dank BIM lassen sich das Bauwerksmodell und das Leistungsverzeichnis verknüpfen (über einen BIM-LV-Container). BIM muss man machen!“


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