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Holzbauweise: Wie 60-mal nach Mallorca fliegen

Anhand markanter Zahlen zeigt die neue Broschüre „Wegweiser Klimagerechtes Bauen“, welches Potenzial im Bauen mit Holz für den Klimaschutz steckt. Das wird nämlich oft gewaltig unterschätzt. Günther Hartmann

Wegweiser Klimagerechtes Bauen
Die Broschüre klimagerechtes Bauen zeigt mithilfe von von Lebenszyklus-Analysen erstellten CO2-Bilanzen von drei Geschosswohnungsbauten die Vorteile vom Bauen mit Holz. Bild: Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks

Werden Geschosswohnungsbauten in Holzbauweise statt in Massivbauweise errichtet, so wird dadurch pro Person so viel CO2 vermieden, wie bei 30 bis 60 Hin- und Rückflügen nach Mallorca pro Person freigesetzt wird. Erst solche Vergleiche machen deutlich, wie Bedeutsam das Bauen mit Holz für den Schutz des Klimas ist – und sein könnte. Gerade angesichts der Tatsache, dass Deutschland seine Klimaschutzziele für 2020 krachend verfehlen wird, muss künftig zielorientierter agiert werden. Dazu ist zunächst zu klären, welche Maßnahmen welche Wirkung entfalten.

Und wenn das klar ist – was dann? Der amerikanische Ökonom Peter Drucker beschäftigte sich intensiv mit dieser Frage und lieferte eine bemerkenswerte Antwort: „Effective executives do first things first and second things ...“ – Achtung, jetzt kommt die große Überraschung! – nicht „second“, sondern „not at all“. Frei übersetzt: „Wer etwas bewirken will, der muss sich auf die wichtigen Dinge konzentrieren und die weniger wichtigen Dinge sein lassen.“ Das Verzetteln in Nebensächlichkeiten identifizierte er in seiner jahrzehntelangen Forschungsarbeit als einen der Hauptgründe für Erfolgslosigkeit. Das klingt logisch. Das klingt banal. Doch in der Realität geschieht viel zu oft genau das Gegenteil – vor allem beim Klimaschutz. „Klein-Klein“ lautet hier allzu oft das Motto.

Wegweiser klimagerechtes Bauen
Bild : rief media design

Um die Maßnahmen erkennen zu können, die tatsächlich etwas bringen, müssen die Wirkungen der verschiedenen Maßnahmen verglichen werden. Dazu braucht es Zahlen. Erst Zahlen sorgen für eine klare Orientierung. Ohne sie tappen wir im Dunkeln und können das Wichtige nicht vom Unwichtigen unterscheiden. Zum Glück ist der Klimaschutz kein komplexes und schwer erfassbares Problem, sondern ein recht simples: Es gilt, die CO2-Emissionen zu senken und die CO2-Bindung zu steigern. Beide lassen sich gut messen.

Untersuchung von drei zentralen Fragen

Grundlage des „Wegweisers Klimagerechtes Bauen“ waren normgerechte Lebenszyklusanalysen von drei Geschosswohnungsbauten – genauer gesagt: die CO2-Bilanzen der Herstellungs- und Errichtungsphase, der Nutzungsphase und der Entsorgungsphase. Die waren für die in Holzbauweise realisierten „Originale“ und für fiktive „Duplikate“ in mineralischer Bauweise errechnet worden. Um beim Heizen nicht „Äpfel mit Birnen zu vergleichen“, wurden fiktive Systeme untersucht: ein CO2-intensives Heizen mit Gas und ein CO2-armes mit Holzpellets. Und ergänzend wurden auch noch die jeweiligen Baukosten ermittelt.

Die Ergebnisse sind in einer Tabelle mit 54 Zahlen zusammengefasst. Das ist aber unübersichtlich und schwer interpretierbar. Deshalb greift die Broschüre einzelne Zahlen heraus und nutzt sie zur Beantwortung von drei Fragen:
(1) Was bewirkt mehr: CO2-armes Heizen oder CO2-armes Bauen?
(2) Wie wirtschaftlich ist CO2-Reduzierung durch Bauen mit Holz?
(3) Wie zielführend ist CO2-Reduzierung durch Bauen mit Holz?

Bei allen drei Fragen fielen die Antworten überraschend deutlich aus: Die großen CO2-Einsparpotenziale liegen kurz- und mittelfristig in der Bauweise und nicht im Heizsystem. Vergleiche mit den CO2-Vermeidungskosten bei der Stromerzeugung zeigen zudem: Bauen mit Holz ist eine sehr wirtschaftlichste CO2-Vermeidungsmaßnahme, mit der sich sogar ein CO2-Vermeidungsgewinn erzielen lässt. Und Vergleiche mit den CO2-Emissionen von Autofahren, Fliegen und Fleischessen machen deutlich: Durch Bauen mit Holz lässt sich kurz- und mittelfristig eine vielfach höhere CO2-Menge einsparen als durch Verzicht in diesen Konsumbereichen.

Wegweiser Klimagerechtes Bauen

„Bauen mit Holz bedeutet: Klimaschutz jetzt!“ lautet die zentrale Botschaft der Broschüre, die als pdf gheruntergeladen werden kann und auf der Internetseite www.stopco2.jetzt zum Download bereit steht. Herausgeber ist der Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks.


Bauen mit Holz bedeutet: Klimaschutz jetzt!

Fazit: Bauen mit Holz ist eine der wirkungsvollsten, wirtschaftlichsten und zielführendsten Klimaschutzmaßnahmen überhaupt. Vor allem aber wirkt Bauen mit Holz als Klimaschutzmaßnahme sofort und nicht erst über einen langen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Das „sofort“ ist ein entscheidendes Kriterium, das oft übersehen wird. Denn es gilt, die Klimaerwärmung so schnell wie möglich so stark wie möglich zu bremsen, damit die Ökosysteme genügend Zeit haben, sich anzupassen – ansonsten kollabieren sie mit katastrophalen Folgen für Mensch und Natur. „Bauen mit Holz bedeutet: Klimaschutz jetzt!“ lautet deshalb die zentrale Botschaft der Broschüre.

Autor: Dipl.-Ing. Architektur Günther Hartmann ist Referent für Presse und Kommunikation beim Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks