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Holzrahmenbau: Neuauflage eines Klassikers

Das Buch „Holzrahmenbau“ erscheint im Bruderverlag in der 6. Auflage komplett neu überarbeitet. Warum dies erforderlich war, darüber unterhält sich Der Zimmermann mit dem Autor Gerrit Horn, mit Walter Bauer, Präsident des Holzbau Deutschlands Instituts, und mit Ute Schikorra, verantwortliche Programmmanagerin des Verlags.

Holzrahmenbau Interview
Autor Gerrit Horn, Zimmermeister und Architekt aus Kaiserslautern (rechts oben), Ute Schikorra, die als Programmmanagerin die Umsetzung im Bruderverlag verantwortet (rechts unten), Walter Bauer, Holzbauunternehmer aus Satteldorf und Präsident des Holzbau Deutschland Instituts, und Angela Trinkert, Managerin Programm Der Zimmermann.

Der Zimmermann: Warum war eine so in die Tiefe gehende Überarbeitung des Standardwerks erforderlich? Was sind die grundlegenden Unterschiede zu den vorherigen Versionen?

Gerrit Horn: Die Vorgängerversion wurde in den 30 Jahren ihres Bestehens in vielen Punkten nicht groß geändert. Sie wurde zwar angepasst und Normungsverweise wurden aktualisiert, aber die starke Weiterentwicklung, die der Holzrahmenbau in den letzten Jahren erfahren hat, spiegelte sie nicht mehr wider. Das war in dieser bisherigen Struktur auch nicht möglich. Deshalb musste das Werk komplett überarbeitet werden.

Ein wichtiger Punkt ist beispielsweise die Folie. Heutzutage wird Wert darauf gelegt, dass wir diffusionsoffen bauen. Die Aufgabe der Luftdichtigkeit und der Dampfbremse wird durch andere Schichten übernommen, sodass in den Wandaufbauten auf eine Folie, deren Material bezüglich Diffusionsfähigkeit und der langen Abbauzeit dem nachhaltigem Bauen widerspricht, verzichtet werden kann. Vieles war zudem vor 30 Jahren noch kein Thema, etwa die Gebrauchstauglichkeit, die seit etwa zehn Jahren ergänzend zur Tragfähigkeit bei der Bemessung von Bauwerken zu beachten ist. Solche Punkte wurden nun in der neuen Fassung berücksichtigt.


Walter Bauer: Grundsätzlich gebe ich Gerrit Horn recht, möchte aber ergänzen, dass man bezüglich der diffusionsoffenen Konstruktionen differenzierter herangehen muss. Mit der Folie war man meist auf der sicheren Seite, jetzt ist deutlich mehr bauphysika­lisches Wissen erforderlich, damit der Aufbau funktioniert. Aber auch das liefert das Buch. Nun zu meiner Sicht als Präsident des Holzbau Deutschland Instituts: Dem ­Institut ist es wichtig zu zeigen, wie der Holz­rahmen­bau elementiert und montiert werden kann. Beispielsweise, wie die Anschlüsse zwischen den Einzelelementen hergestellt werden müssen, damit eine Gesamtscheibe entsteht. Wenn die Elemente offen sind, also die Dämmarbeiten erst auf der Baustelle erfolgen, müssen die Anschlüsse anders ausgeführt werden als bei Konstruktionen, die bereits im Werk voll gedämmt werden. Das sind wichtige Unterschiede, die aufgeführt werden. Dennoch ist in beiden Fällen wichtig, dass die Lösungen wirtschaftlich sind. Sonst werden sie nicht angenommen.

Holztahmenbau Interview Gerrit Horn
„In der neuen Auflage des Standardwerks sind die Wandaufbauten diffusionsoffen konzipiert, das ist sicherlich eine der wesentlichsten Neuerungen bei den Details“, sagt Gerrit Horn. Bild: Barbara Horn, Horndesign


Ute Schikorra: Das Buch „Holzrahmenbau“ war immer ein sehr erfolgreiches Werk. Wir haben in den letzten 30 Jahren mehr als 14.000 Exemplare verkauft. Aber man sah dem Werk zuletzt auch an, dass es immer wieder von vielen verschiedenen Autoren überarbeitet wurde, dadurch wurde es ein wenig zu einem Stückwerk. Mit Gerrit Horn haben wir einen Autor gefunden, der uns eine neue Fassung dieses Standardwerks in einem Guss liefern konnte. Herr Horn ist ja nicht nur Zimmermeister, Architekt und vereidigter Sachverständiger, sondern, wie auch Herr Bauer, zudem Mitglied des Vorstands von Holzbau Deutschland. Es steht also nichts in dem Buch, was den technischen Informationen des Verbands widersprechen würde. Hinzu kommt, dass die Anmutung, die Optik und die Visualisierung nicht mehr den heutigen Seh- und Lesegewohnheiten entsprachen, das ist jetzt deutlich modernisiert worden. Es ist ein umfassendes Werk rund um den Holzrahmenbau mit den Konstruktionsdetails als Kern des Buchs.

Der Zimmermann: An wen richtet sich denn das Buch? Ist es eher für die Planung interessant oder auch für die Ausführung?

Gerrit Horn: Das Buch richtet sich ganz klar an beide Zielgruppen, eigentlich sogar noch an mehr. Ich habe versucht, alle ins Boot zu holen, die am Haus zu tun haben. Für die Planenden enthält es die Grundlagen dafür, den Holzrahmenbau richtig zu durchdenken und die vielen notwendige Aspekte nicht aus den Augen zu verlieren. Das Buch beginnt beim Entwurfsprozess und endet bei der Ausführung. Es gilt nicht nur für den ausführenden Holzbaubetrieb, sondern auch für angrenzende Gewerke, für die die Hinweise zur Integration der Haustechnik oder zur Gründung des Gebäudes wichtig sein können.

Raster im Holzrahmenbau Online-Seminare

Andere Kapitel habe ich dagegen deutlich gekürzt, zum Beispiel die Statik. Heutzutage arbeitet man mit elektronischen Berechnungsverfahren, die ganzen Tabellen aus den früheren Auflagen habe ich deshalb gestrichen. Aber natürlich gibt es weiterhin allgemeine Hinweise zur Tragwerksplanung, beispielsweise zur Durchbiegung oder zur Koppelung von Elementen. Zur Fügung von Außen- oder Innenbauteilen finden sich Zeichnungen, in denen sich zum Beispiel die Montagereihenfolge gut erkennen lässt.

Walter Bauer: Auch aus meiner Sicht als Holzbauunternehmer, Zimmermeister und Bauingenieur ist es wichtig, dass beide Gruppen, Planende und Ausführende, angesprochen werden. Es bringt sie näher zusammen. Ich sehe es wie Gerrit Horn: Ein Gebäude besteht natürlich aus den Einzelelementen, wie Konstruktion, Außenhaut, Heizung, Sanitär, Lüftung und den Finish-Gewerken. Man muss trotzdem das gesamte Bauwerk betrachten, damit beispielsweise dort, wo der wichtigste Auflagepunkt im Unterzug liegt, nicht unbedingt ein Lüftungsrohr untergebracht wird. Es ist wichtig, zu vermitteln, dass sich alle am Bau Beteiligten frühzeitig abstimmen. Auch ist es wichtig, dass das Thema „Qualitätsklassen“ in dem Buch abgebildet wird.

Anfang 2021: Holzrahmenbau 6. Auflage

Holzrahmenbau

Das Buch „Holzrahmenbau“ hat sich in nunmehr fast 30 Jahren als Standardwerk etabliert und ist aus der Zimmerei oder dem Holzbauplanungsbetrieb nicht mehr wegzudenken. Schwerpunkt des Fachbuchs sind die Ausführungen zu Bauteilen und Bauprodukten sowie die Darstellung zahlreicher Ausführungsdetails, die auf der Baustelle übliche Praxis sind und sich bautechnisch als schadenfrei bewährt haben. Dazu zählen in der 6. Auflage u.a. diffusionsoffene Konstruktionsdetails bei Außenwänden. Besonders hilfreich sind neben den Kennwerten zu Wärmeschutz, Schallschutz und Brandschutz die vielen Anschluss- und Fügedetails.

Die Neuauflage ist lieferbar ab Dezember 2020.


Aus dem Inhalt:

  • Allgemeine Entwurfsgrundlagen: Schallschutz, Brandschutz, Wärmeschutz,  Luftdichtes Bauen, Haustechnik
  • Bauteile: Innenwände, Geschossdecken, Dächer, Treppen
  • Baustoffe, Bauprodukte: Zulassungen, Holz in der Konstruktion, Beplankungswerkstoffe
  • Details: Sockel, Außenwand, Innenwand, Decken-, Dach- und Fensteranschlüsse
  • Haustechnik im Holzbau: Montage Sanitär, Elektroinstallationen

Gerrit Horn: Genau, der Ausschuss Technik und Umwelt bei Holzbau Deutschland hatte sich über Jahre hinweg Gedanken darüber gemacht, wie Grenzwerte der Verformungen und Schwingungen definiert werden können. Dafür hat der Ausschuss die „Qualitätsklassen für zulässige Verformungen im Holzbau“ entwickelt. Die finden sich natürlich auch im Buch.

Der Zimmermann: Sie sprachen ja bereits an, dass das Buch weit mehr enthält als den Konstruktionskatalog, der natürlich sehr wichtig, aber eben nicht alles ist. Was geben Sie den Leserinnen und Lesern noch mit?

Gerrit Horn: Wir haben bei Holzbau Deutschland im Vorfeld besprochen, dass alle gezeigten Konstruktionen mindestens den Standard des KfW-Effizienzhaus-55 erfüllen müssen, weil man den im Holzbau ohne Weiteres erreichen kann. Noch besser ist natürlich, ein Haus als KfW-Effizienzhaus 40 oder Passivhaus zu planen und zu bauen. Und auch dafür gibt das Werk Grundlagen mit. Wir wissen alle, dass der Holzbau nicht nur, aber auch gerade wegen des Klimaschutzes eine sehr fortschrittliche Bauweise ist. Da ist der Holzbau dem Nassbau schon lange überlegen. Das Buch enthält bereits das im November in Kraft tretende Gebäudeenergiegesetz, auch wenn sich der Gesetzgeber leider weniger getraut hat, als ich mir gewünscht hätte, und nicht den KfW-55- oder KfW-40-Standard zum Gesetz gemacht .

Holzrahmenbau Interview Walter Bauer
„Der Klassiker des Holzrahmenbaus hilft uns als Verband Holzbau Deutschland, das richtige Bauen mit Holz zu verbreiten“, merkt Walter Bauer an. Bild: Bauer Holzbau


Walter Bauer: Und genau das sind unsere Chancen. Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, sagt ganz klar, Holzbau kann einen ganz wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Und das kommt in dem Buch als Anregung rüber. „Wir brauchen konstruktiv denkende Zimmerleute, die erkennen, wo eine Scheibe ist und wo die Scheibe ihre Auflager hat.“

Der Zimmermann: Ich würde gerne nochmal auf das Thema Vorfertigung im Werk und Baustellenfertigung eingehen. Das Buch beschäftigt sich mit beiden Fertigungsmethoden, oder?

Walter Bauer: Bei geschlossenen Bauteilen ist eine Fremdüberwachung notwendig. Aber grundsätzlich ist es so, die Anschlüsse müssen in beiden Fällen funktionieren. Sie werden bei einer bauseitigen Fertigung vielleicht an der einen oder anderen Stelle sogar einfacher sein. Werden sie dagegen werksseitig gefertigt, gelingt es dem Unternehmensinhaber oder der Inhaberin eher, auf die Qualität zu achten, da er oder sie in den entscheidenden Phasen nicht unbedingt auf der Baustelle ist. Grundsätzlich ist die Ausbildung des Holztafelbaus nur in sehr wenigen Meisterschulen ein Thema. Immer noch steht der Dachstuhl auf dem gemauerten Haus im Hauptfokus. Deshalb kann dieses Buch einen ganz großen Beitrag für alle Zimmermeisterinnen und Zimmermeister leisten. Wir brauchen konstruktiv denkende Zimmerleute, die erkennen, wo eine Scheibe ist und wo die Scheibe ihre Auflager hat. Wenn das Wissen vorhanden ist, dann ist auch gegen eine Baustellenfertigung nichts zu sagen.

Der Zimmermann: Der Konstruktionskatalog befasst sich vor allem mit Wohngebäuden bis zur Gebäudeklasse 2. Ist er für höhere Gebäude auch anwendbar?

Gerrit Horn: Die Abgrenzungen zwischen den Gebäudeklassen sind beschrieben. Aber wir haben es in den Details zunächst auf Gebäudeklasse 2 bzw. Gebäudeklasse 3 begrenzt, weil das Buch sonst mehr als doppelt so dick geworden wäre. Uns ist es wichtig, dass die Gebäude, die in diesen Gebäudeklassen entstehen, mit Holz realisiert werden. Im Konstruktionskatalog wird der gesamte Ablauf, wie entwickele ich das Detail, worauf wird geachtet, welche Kennwerte brauche ich, Schallschutz, Brandschutz, Wärmeschutz und die Bauteilfügung, das wird alles deutlich gezeigt. Planenden und Ausführenden wird damit ein ausführliches Werk für die unteren Gebäudeklassen an die Hand gegeben, aber auch Grundlagen für die Gebäudeklasse 4. „Die Konstruktionsdetails wird man sich als dxf- und pdf-Dateien herunterladen können.“

Bauweise und bauteile im Holzrahmenbuch Online-Seminar

Der Zimmermann: Das Buch wird in gedruckter Form erscheinen. Wird es auch eine digitale Ergänzung dazu geben?

Ute Schikorra: Ja, die wird es geben. Das Kernstück ist die Print-Auflage, keine Frage. Es wird daneben eine sogenannte Kombi-Ausgabe geben. Dem gedruckten Buch liegt eine Karte mit einem Code bei, mit dem man sich die Konstruktionsdetails als dxf- und pdf-Dateien herunterladen kann. Die Möglichkeit des Downloads ersetzt die CD-ROM aus den vorherigen Auflagen. Zudem wird es noch eine reine digitale Anwendung geben. Diese wird in der App „Holzbaufachwissen“ zu finden sein. Für diejenigen, die das reine digitale Produkt kaufen, wird in der App das Werk freigeschaltet.

Zukünftig möchten wir zudem BIM-fähige Details zur Verfügung stellen. Das wird aber eher 2021 werden. Darüber hinaus werden wir in diesem Jahr noch Online­seminare anbieten, in denen Herr Horn Themen zum Holzrahmenbau vertieft.

Gerrit Horn: Genau, am 25.11.2020 geht es um das Thema „Bauweisen und Bauteile im Holzrahmenbau“. Ich werde die relevanten Bauweisen und Aufbauten mit Blick auf energieeffizientes Bauen sowie Konstruktionsgedanken der Holztafelbauweise darstellen. Am 09.12.2020 werden wir uns mit dem Raster im Holzrahmenbau beschäftigen, was beim Planen zu beachten ist und welche Regeln und Randbedingungen berücksichtigt werden müssen.

Der Zimmermann: Wir werden auf jeden Fall zuschalten. Bis dahin bedanke ich mich bei Ihnen allen für dieses ausführliche Gespräch.

Das Gespräch führte Angela Trinkert.