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Kindergarten: Dreigeschossiger Verbundbau ganzheitlich geplant

Kindertagesstätte und Erzieherfachschule unter einem Dach: Ein dreigeschossiger Verbundbau in Wismar bietet diesem Konzept jetzt den nötigen Raum. Das Gebäude wurde in Holzrahmenbauweise erstellt. Dabei haben die Architekten sowohl den Hochbau als auch die Innenarchitektur als ganzheitliches Projekt gestaltet und umgesetzt.

Kindergarten Wismar Ursa
Ein dreigeschossiger Verbundbau in Wismar schafft Fläche für eine Kindertagesstätte und eine Erzieherfachschule. Foto: Freiort Architekten

Wismar ist bekannt als Hansestadt sowie Unesco-Weltkulturerbe – und verfügt über ein sehr dynamisches Wachstum: Während 2013 noch stark sinkende Einwohnerzahlen prognostiziert wurden, sieht die Situation in der Kreisstadt heute ganz anders aus. Knapp 43.000 Einwohner zählte sie 2016 – Tendenz weiter steigend. Begründet ist dies vor allem in der positiven wirtschaftlichen Entwicklung. So erweiterte ein Hersteller von Holzwerkstoffen hier vor zwei Jahren seinen Standort deutlich. Zudem werden seit 2017 große Kreuzfahrtschiffe gebaut. Als Stadt mit langer Schiffbautradition beheimatet Wismar heute wieder eine starke Werftindustrie. Sie zählt zu den größten Arbeitgebern. So will der Werftbetreiber bis 2022 rund 3.000 Schiffbauer beschäftigen. Diese wirtschaftliche Entwicklung und die damit verbundenen Arbeitsplätze machen Wismar insbesondere für junge Familien und Fachkräfte attraktiv.

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Holz dominiert auch im Innenraum und setzt so das naturnahe Konzept fort. Foto: Freiort Architekten

Durch den Zuzug sind freie Mietwohnungen kaum vorhanden; die Nachfrage nach Eigenheimen ist besonders hoch. Die Stadt erschließt daher neue Wohngebiete. Neben dem Schaffen von Wohnraum muss an dieser Stelle zudem die Infrastruktur weiterentwickelt werden. Hierzu zählen auch Angebote für die Kinderbetreuung. Allerdings fehlen vielerorts nicht nur die entsprechenden Räumlichkeiten, sondern auch ausgebildetes Personal.

Kita und Erzieherfachschule unter einem Dach

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In der Vorfertigung im Werk wurde zunächst das Holzständerwerk hergestellt. Foto: Ursa

Vor diesem Hintergrund entstand unweit des Wismarer Bahnhofs eine neue Einrichtung, die sowohl Platz für eine Kindertagesstätte als auch für eine Erzieherfachschule bietet. Träger ist die LernWert gemeinnützige GmbH, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 2015 der Bildung, Betreuung und Erziehung im frühkindlichen Bereich verschrieben hat. Bauherr und Investor ist der Wismarer Bauunternehmer Marco Krentz. Als Generalunternehmer übernahm die Hochbau Krentz & Müller GmbH den erweiterten Rohbau und die Ausführung – beziehungsweise vergab einzelne Gewerke an spezialisierte Fachunternehmen. Seit April 2019 werden in der neuen Kindertagesstätte 84 Kinder betreut. Eine im Haus untergebrachte, öffentliche Cafeteria sorgt für die Verpflegung. Auf rund 2.500 Quadratmetern Außenfläche ist – neben dem Spielplatz – auch eine Streuobstwiese nebst Kräuter- und Gemüsegarten geplant. Denn das Konzept der Kindertagesstätte folgt einer naturnahen Ausrichtung. In der Erzieherfachschule sind bereits seit Sommer 2019 41 Fachschüler und -schülerinnen in der vierjährigen Ausbildung – ausgerichtet ist das Gebäude auf maximal 100 Auszubildende.

Ab Herbst: Holzrahmenbau 6. Auflage

Holzrahmenbau

Das Buch Holzrahmenbau hat sich in nunmehr fast 30 Jahren als Standardwerk etabliert und ist aus der Zimmerei oder dem Holzbauplanungsbetrieb nicht mehr wegzudenken. Dabei sind es besonders die umfangreichen Ausführungen zu Bauprodukten, die Vorbemessungstabellen und natürlich die einzigartigen Detailzeichnungen, die das Buch zu einem nahezu unverzichtbaren Arbeitsmittel im Holzbau machen. Das Fachbuch stützt sich auf die Ausführungsdetails, die auf der Baustelle übliche Praxis sind und sich bautechnisch als schadenfrei bewährt haben. Besonders hilfreich sind neben den Kennwerten zu Wärmeschutz, Schallschutz und Brandschutz die vielen Anschluss- und Fügedetails.

Aus dem Inhalt:

  • Allgemeine Entwurfsgrundlagen: Schallschutz, Brandschutz, Wärmeschutz,  Luftdichtes Bauen, Haustechnik
  • Bauteile: Innenwände, Geschossdecken, Dächer, Treppen
  • Baustoffe, Bauprodukte: Zulassungen, Holz in der Konstruktion, Beplankungswerkstoffe
  • Details: Sockel, Außenwand, Innenwand, Decken-, Dach- und Fensteranschlüsse
  • Haustechnik im Holzbau: Montage Sanitär, Elektroinstallationen

Die Planung und Baubegleitung des Holzbaus erfolgte auf dem rund 7.500 Quadratmeter großen Grundstück nördlich vom Mühlenteich durch das Architekturbüro Freiort Architekten aus dem Ostseebad Boltenhagen. Dabei haben die Architekten sowohl den Hochbau als auch die Innenarchitektur als ganzheitliches Projekt gestaltet und umgesetzt. Während viele Gebäude in Holzrahmenbauweise noch ein- und zweigeschossig realisiert werden, wurde hier dreigeschossig gebaut. Der L-förmige Grundriss des Baukörpers nimmt den Straßenverlauf auf: Der lange Schenkel an der Rostocker Straße ist 53 Meter lang, der kurze am Gerberhof 32 Meter. Drei Hauptgebäudekomplexe mit den jeweiligen Eingangsbereichen werden mit Verbindungsbauten untereinander angeschlossen.

Platz für alle: mehrgeschossiger Holzrahmenbau

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Die einzelnen Elemente verfügen über eine statisch tragende OSB-Platte und werden zum Befüllen im Werk gedreht, damit das Gefach nach oben offen liegt. Foto: Ursa

Die Bodenplatte des Erdgeschosses mit rund 1.100 Quadratmetern besteht aus Stahlbeton. Diese wurde mit Trittschall- und Wärmedämmung versehen. Zudem wurde ein schwimmender Estrich eingebaut. Die tragende Gebäudehülle besteht aus Holzrahmenbauelementen. Der natürliche Baustoffe Holz prägt auch die Fassadengestaltung, die durch vorstehende Giebelrahmen lebendig wirkt. Alle Giebelrahmen wurden so ausgeführt, dass sie eine horizontale Brandausbreitung verhindern.

Zwischen den Geschossen liegen Brettschichtholzdecken. Sie wurden mit einer Trittschallplatte und Dämmschüttung versehen. Diese Kombination wirkt sich insbesondere positiv auf den Schallschutz aus. Aufgrund der Anpassungsfähigkeit des Schüttmaterials konnten Leitungen flexibel in die Schicht eingebettet werden. Auf die integrierte Fußbodenheizung wurde ein schwimmender Zementestrich aufgebracht. Abgeschlossen wird das Gebäude mit einer Brettschichtholzdecke. Sie ist als Flachdach mit einer Gefälledämmung und Kiesschüttung gestaltet.

Die Vorfertigung der Holzrahmenbauelemente übernahm Holzbau Potts aus Zwiedorf (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). Sie bestehen aus einer zweilagigen Gipskartonplatte, einer Installationsebene von rund 6 Zentimetern sowie einer OSB-Platte. Hier schließt das 20 Zentimeter dicke Holzständerwerk an. Das Gefach des Traggerüsts ist gedämmt und mit einer DWD-Holzfaserdämmplatte versehen. Fassadenbahn, eine Grundlattung zur Hinterlüftung sowie die Traglattung und die Holzverkleidung schließen den Wandaufbau nach außen ab.

Hoher Vorfertigungsgrad sorgt für verkürzte Abläufe auf der Baustelle

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Das Dämmmaterial wird maschinell in das Gefach eingeblasen. Foto: Ursa

Ein hoher Vorfertigungsgrad sorgt per se für verkürzte Abläufe auf der Baustelle – denn die Elemente werden unter witterungsgeschützten Bedingungen im Werk gefertigt, auf die Baustelle transportiert und dort lediglich montiert. Um auch das Dämmen der Elemente im Werk zu optimieren, setzte die Hochbau Krentz & Müller GmbH als Generalunternehmer auf Einblasdämmung aus Mineralwolle von Ursa. Mit einer speziellen Maschinentechnik erfolgte das Befüllen der Gefache ganzer Wandtafeln auf leichte Weise besonders schnell und einfach. Die Flexibilität des Materials sorgt zudem dafür, dass ein gleichmäßiges und fugenfreies Befüllen – auch der Ecken – ermöglicht wird. Zudem ist es setzungssicher. Damit ist die Einblasdämmung zeitsparend zu verarbeiten und gibt Sicherheit in der Ausführung: Wärmebrücken aufgrund unzureichend gefüllter Bereiche können so ausgeschlossen werden.

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Das Einbringen der Dämmung erfolgte durch Auflegen einer Platte, in die bis zu fünf Düsen der Einblasmaschine eingebracht wurden. Foto: Ursa

Im Werk in Zwiedorf/ Wolde (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) wurde zunächst das Holzständerwerk hergestellt und dann mit einer statisch tragenden OSB-Platte beplankt. Das Einbringen der Dämmung erfolgte gefachweise durch das Auflegen einer sogenannte Einblasplatte, über die bis zu fünf Düsen gleichzeitig arbeiten und so die Hohlräume schnell und effizient befüllen. Bauunternehmer und Investor Marco Krentz entschied sich bewusst für ein Einblasmaterial welches in der Verarbeitungsphase kaum staubt, sehr formstabil ist und nicht nachrieselt. Pure Floc passt sich dem Hohlraum optimal an und füllt diesen komplett aus. Auf diese Weise wird ein wirtschaftlicher Materialeinsatz gewährleistet. Eine wirtschaftliche Lagerhaltung ist laut Hersteller zudem dadurch gewährleistet, dass Einblasdämmung für jede Dicke im Gefach geeignet ist und somit nur ein Artikel im Lager notwendig ist. Klassische Ware wird im Gegensatz dazu in verschiedenen Dämmstoffdicken – je nach Gefach – benötigt. „Im Vergleich zur Plattenware sind bei der Einblasdämmung keine Reste übrig – auch das macht das Material zu einer effizienten Alternative“, so Verarbeiter Andreas Potts. Nach dem Einblasvorgang wurde die aufgelegte Platte wieder entfernt – dies ermöglichte eine Sichtkontrolle der eingefüllten Dämmung und gewährleistet eine gleichbleibend hohe Qualität der gefertigten Elemente. Abschließend erfolgte das Aufbringen der Holzfaserplatte, die per Nut und Feder verbunden wurden.

Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/(m∙K) wird erreicht

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Nachdem die Dämmung eingeblasen wurde, erfolgt das Aufbringen Holzfaserplatten, die über Nut und Feder miteinander verbunden werden. Foto: Ursa

Energieverbrauch und Nachhaltigkeit spielten beim Bau des Komplexes eine entscheidende Rolle. So liegt der Jahresprimärenergiebedarf bei 71,6 kWh/(m²a). Als Dämmmaterial setzt man in Wismar daher auf Pure Floc von Ursa: Die einblasbare Mineralwolle ist hoch wärmedämmend – mit einem Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/(m∙K). Rund 500 Kubikmeter des Materials kommen zum Einsatz. Die gesamte Fläche der auf diese Weise gedämmten Außenwände beträgt circa 2.500 Quadratmeter. Der natürliche Dämmstoff ist zudem nichtbrennbar und bietet damit Sicherheit. Seine schalldämmenden Eigenschaften tragen dazu bei, dass eine ruhige Lernatmosphäre auch in unmittelbarer Nachbarschaft zu den spielenden Kindern der Kindertageseinrichtung möglich ist – ein Faktor, der entscheidend für die Gesamtqualität des Gebäudes ist. Denn insbesondere, wenn ein Bauwerk mehrere Funktionen erfüllt und unterschiedliche Nutzer hat, muss für ausreichend Ruhe gesorgt sein. Ein weiterer Punkt: Der Dämmstoff steht für ein behagliches Raumklima. Das Gebäude heizt sich im Sommer nicht auf; im Winter werden Wärmeverluste über die Fassade minimiert. Für zusätzliche Behaglichkeit sorgt auch die Fußbodenheizung – dieser kommt bei der Kindertagesstätte eine wichtige Rolle zu, da Kinder gerne auf dem Boden spielen. Neben Behaglichkeit und Wohngesundheit bietet der Dämmstoff auch Schutz vor Schimmel und Fäulnis. Er ist zudem frei von Formaldehyd. Er wirkt sich insgesamt positiv auf das Innenraumklima aus. Dies belegt auch das Umweltzeichen „Der Blaue Engel – schützt Umwelt und Gesundheit, weil emissionsarm“. Überdies dämmt das langlebige Material nicht nur heute sondern auch in Jahrzehnten noch gut. Es trägt somit dazu bei, dass dauerhaft Heizkosten gespart werden und das Klima geschützt wird.

Montage auf der Baustelle

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Die Dämmung der Innenwände erfolgte bauseits, da Leitungen und Installationsrohre erst auf der Baustelle eingebracht wurden. Foto: Ursa

Die Montage auf der Baustelle erfolgte in drei Abschnitten – gemäß der drei Gebäudekomplexe nebst Verbindungsbauten. Innerhalb von nur drei Wochen wurde der erste Gebäudeabschnitt mit Erdgeschoss und den beiden Obergeschossen montiert. Nach der Montage der Außenwände, folgten die Innenwände und die bauseitige Dämmung. Sie wurde hier erst auf der Baustelle eingesetzt, da Leitungen und Installationsrohre erst auf der Baustelle eingebracht wurden. Es folgte der nächste Gebäudekomplex.

Für die Innendämmung kam ebenfalls Mineralwolle zum Einsatz. Auch hier sorgt Ursa Pureone mit den schalldämmenden Eigenschaften dafür, dass Lernen und Spielen nebeneinander möglich ist, ohne dass sich die Gebäudenutzer von einander gestört fühlen. Der Dämmstoff gewährleistet als nichtbrennbares Material einen sehr guten Brandschutz und ein hohes Maß an Sicherheit. Die ganzheitliche Herangehensweise – Innen- und Außendämmung mit Mineralwolle – trägt der künftigen Nutzung Rechnung. Insgesamt entsteht so ein wohngesunder Raum.

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Die Montage der fertigen Wandelemente erfolgt auf der Baustelle. Foto: Ursa

Der Verbundbau in Wismar präsentiert sich als gelungenes Beispiel eines mehrgeschossigen Holzrahmenbauprojekts, das alle Aspekte des Wärme-, Schall- und Brandschutzes erfüllt. Dabei sorgt die Vorfertigung im Werk sowohl für hohe Qualität als auch für einen effizienten Ablauf bei der Montage. Der eingesetzte Dämmstoff trägt zum einen zur Energieeffizienz bei – und überzeugt zum anderen durch seine positiven Verarbeitungseigenschaften.

Bautafel

Projekt: Neubau Verbundeinrichtung Kita und Erzieherfachschule, Wismar
Bauherr: Marco Krentz, Wismar
Generalunternehmer: Hochbau Krentz & Müller GmbH, Wismar
Nutzer: LernWert gGmbH, Wismar
Architekten: FREIORT ARCHITEKTEN Kruske + Meißner PartGmbB, Ostseebad Boltenhagen
Brandschutz: forejt architekten + partner mbB, Schwerin
Statik / Wärmeschutz: Ingenieurbüro Gerald Senckpiel, Wolde
Holzbau: Holzbau Potts Produktions GmbH, Zwiedorf/ Wolde
Bauweise: Holzrahmenbau
Dämmmaterial: Ursa Pure Floc und Ursa PureOne
Bauzeit: 05/2018 bis 04/2019