zurück

Luftdichtheit - neu gefasst

Mit deutlich mehr Informationen und ergänzenden Hinweisen bringt der Entwurf zur Neufassung der DIN 4108-7 eine höhere Anwendungssicherheit für Planer und Verarbeiter. Der Dachdecker sollte sich schon jetzt damit beschäftigen.

1809-340_01 Raidt.jpg
Der Blower-Door-Test bringt es an den Tag: Hier wird für die liebe Luft geheizt! Eine luftdicht ausgeführte Gebäudehülle spart aber nicht nur Energie, sie sorgt auch für eine langfristig bauschadenfreie Konstruktion. Bilder und Zeichnungen: Dörken

Nicht selten werden Baustoffhersteller bei der Erläuterung der Eigenschaften und der fachgerechten Verarbeitung ihrer Produkte von Verarbeitern aber auch Planern gefragt: "Wo steht denn das?" Dabei spielt es offensichtlich eine untergeordnete Rolle, ob die Lösungen für die angesprochene Thematik mittlerweile zum gesicherten Wissensstand gehören. Die Aussagen des vermeintlich befangenen Herstellers reichen meist nicht aus; es muss auf offiziellem Papier niedergeschrieben sein, um die notwendige Anerkennung zu finden.

Vergrößerter Umfang

Von diesem Gesichtspunkt her ist es zu begrüßen, dass die Neufassung der Norm in ihrem Gesamtumfang etwa fünfzig Prozent zugenommen hat. Zwar soll und kann sie immer noch kein "Kochrezept" sein, in dem jede einzelne Zutat und alle Zubereitungsvariationen ausführlich aufgezählt werden. In der Summe werden jedoch der deutlich größere Informationsgehalt und die ergänzenden Hinweise dazu beitragen, die Ausführungssicherheit zu festigen und Fehler zu vermeiden. Gleichwohl sollte sich der Nutzer der Norm immer vor Augen halten, dass darin nicht alles und jedes geregelt sein kann und dass ihm die Verantwortung für sein Tun und Handeln damit nicht abgenommen wird.

Was steht nun im Einzelnen Neues oder Ergänzendes darin?

Anforderungen an die Luftdichtheit

Hier sind die Väter der Norm der Auffassung, dass insbesondere bei Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung eine deutliche Unterschreitung der Grenzwerte der Energieeinsparverordnung von 2007 (EnEV 2007) sinnvoll ist. Daher wurden die empfohlenen Höchstwerte für die Luftwechselrate und die jeweilige Gebäudepreparation in Abhängigkeit vom gewählten Lüftungssystem tabellarisch aufgelistet. Demnach sollte bei ventilatorgestützter Lüftung der n50-Wert nicht größer sein als 1,0. Experten sind der Ansicht, dass die Praxis der vergangenen Jahre gezeigt hat, dass diese Anforderung bei sorgfältiger Ausführung problemlos eingehalten werden kann.

Erweiterung der Begriffsdefinitionen

In diesem Bereich, der von ursprünglich fünf auf nunmehr siebzehn Punkte angewachsen ist, hat zum ersten Mal die Winddichtheit Erwähnung gefunden. Das mag auf den ersten Blick banal erscheinen, findet jedoch seine Begründung in der Tatsache, dass selbst heute noch unter Fachleuten die Begriffe "winddicht" und "luftdicht" gelegentlich miteinander verwechselt werden. Dabei sollte klar sein, dass die Winddichtheit (wie es auch die Norm formuliert) als die Eigenschaft einer Dach-, Wand- oder Fassadenkonstruktion oder einer außenseitigen Wärmedämmung zu verstehen ist, nicht oder nur in geringem Maße mit Außenluft durchströmt zu werden. Weshalb sich die Winddichtheitsschicht, die diese Eigenschaft eines Bauteils erbringen soll, in der Regel auch außen am Gebäude befindet, wo sie das Einströmen kalter Außenluft in die Konstruktion und ihren Wiederaustritt an anderer Stelle vermeiden soll. Das Fehlen dieser Eigenschaft bringt im Allgemeinen einen erhöhten Wärme- und Energieverlust mit sich. In der Praxis wird die Winddichtheitsschicht vom Dachdecker oder vom Fassadenbauer in Form einer verklebten Unterdeck- oder einer ebenfalls winddicht verklebten Fassadenbahn oder -platte an der der Außenluft zugewandten Seite der Wärmedämmung angebracht.

Die Luftdichtheit ist ebenfalls in der Norm definiert. Im Wortlaut heißt es: Die Eigenschaft eines Baustoffes, eines Bauteils oder der Hülle eines Gebäudes, nicht oder nur in geringem Maße mit Luft durchströmt zu werden. Die dazu gehörige Luftdichtheitsschicht wird beschrieben als Schicht, meist raumseitig der Wärmedämmung verlegt, die die Luftströmung von außen in den Raum und umgekehrt durch das Bauteil hindurch vermindert (Vermeidung von Wärmeverlusten und Kondensat durch Konvektion), meist in Funktionseinheit mit der diffusionshemmenden Schicht. Mit einfachen Worten: Die Luftdichtheit vermeidet Querströmung und die Winddichtheit vermeidet Längsströmung durch die Konstruktion.

Die DIN 4108-7 hat nur die Luftdichtheit der Gebäudehülle zum Ziel. Eine Ergänzung der Konstruktion durch die außen anzubringende Winddichtheitsschicht ist jedoch in jedem Fall sinnvoll.

Mehr Planungshinweise

Im Kapitel Planung und Ausführung sind jetzt auch Hinweise zu Verklebungen zu finden. So wird zum Beispiel gefordert, dass Klebeverbindungen wie auch die Bahnen selbst nicht negativ durch mechanische oder klimatische Einflüsse belastet werden dürfen. Dies dürfte ebenfalls ein Resultat aus praktischer Erfahrung sein. So ist zum Beispiel häufig die Situation anzutreffen, dass Zwischensparrendämmung und Luft- und Dampfsperre bereits verlegt sind, die Lattenunterkonstruktion aber oft erst später montiert wird. Das führt dann dazu, dass sich beim nach unten durchbiegenden Dämmstoff die Folie nach unten wölbt, wodurch Spannungen im Bereich der Verklebungen entstehen und die Klebebänder sich lösen können. Ein wichtiger Hinweis für Planer, denn der muss sicherstellen, dass im zeitlichen Baustellenablauf die unterstützende Unterkonstruktion so früh wie möglich angebracht wird.

An die gleiche Adresse richtet sich auch der Hinweis, dass die Innenausbauarbeiten zeitlich so aufeinander abzustimmen sind, dass keine Feuchtigkeit in der Konstruktion eingeschlossen werden kann. Ein solcher Fall kann eintreten, wenn die Luft- und Dampfsperre erst mit größerer zeitlicher Verzögerung eingebaut wird und zwischenzeitlich Feuchtigkeit in die Dämmung eindringt. Bei geringen Außentemperaturen kann unterhalb der Unterdeckbahn Tauwasser entstehen, das dann erst im Sommer wieder vollständig verdunstet. Diese schadensträchtigen Gefahrenpunkte sind eigentlich jedem Planer und jedem Ausführenden bekannt; da sie aber in der Praxis trotzdem häufig nicht beachtet werden, schien es wohl notwendig, in der Neufassung der Norm darauf hinzuweisen.

1809-340_04 Raidt.jpg
Deutlich erkennbar ist das Durchhängen der Dampfsperre unter der Last des Dämmstoffs. Um das Ablösen der Klebebänder an den Hochpunkten zu vermeiden, ist die Unterkonstruktion für die Innenbekleidung möglichst kurzfristig nach dem Verlegen der Dampfsperre anzubringen.

Hilfe bei Auswahl und Verarbeitung

Dieser Teil wurde neu aufgenommen und es finden sich hier gebündelt viele alte und auch neue Hinweise sowohl zu den Untergründen als auch zu Materialien, die in der bisherigen Fassung über alle Abschnitte "verstreut" waren. Dabei fällt insbesondere der Hinweis auf, dass Luftdichtheitsschichten und Klebemittel keinesfalls einer dauernden UV-Belastung ausgesetzt werden dürfen. In der Praxis findet man häufig Dachräume, die erst zum späteren Ausbau vorgesehen sind. Die bereits montierte Luft- und Dampfsperre ist dann über einen längeren Zeitraum hinweg dem durch Giebel- und Dachflächenfenster eindringenden Tageslicht und damit einer schädlichen UV-Strahlung ausgesetzt. Schäden an Folien und Klebemitteln sind damit vorprogrammiert.

Mit dem für Verarbeiter wie auch Planer wichtigen Hinweis, dass Klebemittel auch ohne zusätzliche mechanische Sicherung verwendet werden können, ist die Norm der langjährigen Praxis gefolgt. Gleichwohl muss erwähnt werden, dass aus der Diskussion um diesen Punkt ein neues Normvorhaben hervorgegangen ist, das Prüfrandbedingungen und Prüfmethoden für Materialverbindungen zum Gegenstand haben wird.

In direktem Zusammenhang mit den Forderungen an Klebemittel ist der Abschnitt Untergründe zu sehen. Hier werden Untergrundvorbehandlung und Befestigungsmethoden der Luftdichtheitsschichten für die gängigen Anschluss- und Klebeuntergründe erläutert.

Den bisher in der Norm gezeigten Beispielskizzen wurden weitere schematisch dargestellte Details hinzugefügt. Sie ergänzen bereits vorher behandelte Konstruktionen wie den Sockelpunkt einer Holzständerkonstruktion. Neu aufgenommen wurde ein Anschlussbeispiel aus dem Bereich des Metallleichtbaus; diese Bauweise war bisher unberücksichtigt geblieben.

Die erwähnten Prinzipskizzen zeigen ausschließlich typische Anschlussbereiche aus dem Innenausbau und so kann leicht der Eindruck entstehen, die Norm wäre nur für den Neubau anwendbar. Dem ist jedoch nicht so, denn in Abs. 4.2.3 der DIN 4108-2 wird verlangt, dass Außenbauteile nach den Allgemein anerkannten Regeln der Technik luftdicht ausgeführt werden müssen. Dies ist eine grundsätzliche Forderung und erstreckt sich auch auf Sanierungsmaßnahmen, wo an die Luftdichtheit die gleichen Maßstäbe angelegt werden müssen.

Spezialfall Dachsanierung

Bei der Sanierung eines Daches tritt häufig der Fall ein, dass eine bereits vorhandene Innenbekleidung erhalten bleiben soll und deshalb die Luftdichtheitsschicht von außen eingebaut werden muss. Bei dieser Variante sind die Prinzipskizzen dann manchmal wirklich nur im Prinzip anwendbar.

In den meisten Fällen wird bei der Sanierung nur die Dachschräge bearbeitet und Bereiche wie Kehlbalkendecken oder Kniestöcke werden gar nicht angetastet, obwohl dies sinnvoll wäre. Unter diesen Umständen kann es schwierig werden, eine normgerechte Prüfung der Luftdichtheit an der geleisteten Arbeit vorzunehmen. Bleiben diese Bereiche unberührt, so kann dies das Ergebnis erheblich negativ beeinflussen. Wenn von vornherein feststeht, dass unter solchen Umständen eine Prüfung durchgeführt werden soll, ist eine Vorher-Nachher-Messung empfehlenswert. Daran lässt sich zumindest der Grad der Verbesserung ablesen.

Nachdem die Einspruchsfrist für die Entwurfsfassung im Mai abgelaufen ist, werden derzeit die eingegangenen Einsprüche beraten. So ist damit zu rechnen, dass die Norm in der endgültigen Fassung Anfang diesen Jahres erscheinen wird.

Fazit: Neufassung ohne Unsicherheiten

Seit Januar 2009 liegt der Entwurf zur Neufassung des Teils 7 der DIN 4108 vor. Die grundlegende Überarbeitung berücksichtigt auch im Bereich des Daches neue Materialien und Ausführungsmethoden und räumt mit vielen möglichen Unsicherheiten von Planern und Ausführenden auf.

Heinz-Peter Raidt