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Egger: Erweiterungsbau als modularer Elementbau

Gerade wurde das neue Forumsgebäude der Egger Gruppe im österreichischen Unterradlberg fertig. Das als modularer Elementbau konzipierte Haus ist nach dem gleichen Prinzip errichtet wie der Stammsitz in St. Johann in Tirol. Es beherbergt ein Mitarbeiter-Restaurant, Ausstellungs-, Büro- und Seminarräume.

Erweiterungsbau: Forumsgebäude als modularer Elementbau
Die Außenabmessungen des kompakten Hauses ergeben sich – samt Balkonen – mit etwa 25,60 m auf 22,40 m und 11 m Höhe. Die Holz Lamellen. Vorhänge sorgen für eine lebendige Fassade. Foto: Christian Vorhofer

Die Produkte des Tiroler Holzwerkstoffplatten-Herstellers Egger sind weltweit gefragt. Das Unternehmen mit seinen Dependancen in Europa und Übersee wuchs in den letzten Jahren beständig, was sich auch in den Neu- und Erweiterungsbauten an den verschiedenen Standorten niederschlug. Das Forum in Unterradlberg ist nun der fünfte Neubau in der Reihe der modular konzipierten Firmengebäude des Unternehmens, die Architekt Bruno Moser entworfen und entwickelt hat.

Großplattenformat bestimmt das modulare Konzept

Modulbau heißt bei Egger jedoch nicht, dass vollständig im Werk vorgefertigte Raumzellen der immer gleichen Abmessungen hergestellt werden, die auf der Baustelle zu einem Gebäude aneinandergereiht und gestapelt werden. Egger verfolgt mit seiner modularen Bauweise einen anderen Ansatz: Die Modularität bezieht sich auf die immer gleichen Abmessungen der einzelnen Flächen-Elemente für Wand, Decke und Boden, aus denen Gebäude gefertigt werden. Länge und Breite dieser Flächen-Elemente entsprechen dem Maximalformat der OSB 4 Top Platte mit 11,40 x 2,80 m. Mit ihr sind die Boden-/Decken- und WandElemente beplankt. Einem solchen Gebäude liegt demnach auch das Plattenformat als Konstruktionsraster zugrunde. So auch in Unterradlberg, In dem elf Meter hohen, rechteckigen Gebäude mit Außenabmessungen von knapp 23 m auf 19,60 m kommen im Erdgeschoss ein Empfangsbereich und ein Mitarbeiterrestaurant unter. Die beiden oberen Stockwerke sind einem Ausstellungsbereich sowie Büros, Schulungs- und Seminarräumen vorbehalten. Eine offene Treppe sowie ein Aufzug erschließen sie. Der dreigeschossige Holzbau setzt auf einem Kellergeschoss aus Stahlbeton auf. Er nutzt außer Brettschicht(BS)-Holz für die Stützen und das Innenleben der Hohlkasten- und Holzrahmenbau(HRB)-Elemente vor allem OSB-Platten. Mit dem auf den erwähnten Plattenabmessungen beruhenden Konstruktionsraster sind einerseits die Spannweiten für die 2,80 m breiten Decken- und Dachelemente mit 11,40 m vorgegeben, andererseits die Breite der Wandelemente mit 2,80 m oder einem Vielfachen davon.

Erweiterungsbau: Forumsgebäude als modularer Elementbau
Das Mitarbeiterrestaurant wirkt großzügig und hell. Die geschosshohen Fenster schaffen optisch einen fast nahtlosen Übergang zwischen innen und außen. Foto: Christian Vorhofer

Holzrahmenbau-Außenwände mit integrierter Luftdichtigkeit

Beim Forumsgebäude sind die tragenden Elemente – geschosshohe, 2,80 m breite HRBWände sowie BSH-Stützen – in den drei Querachsen angeordnet, das heißt in den Außenwandachsen und in der Mittelachse. Die voll ausgedämmten HRB-AußenwandElemente bestehen aus BSH-Stehern (b/h = 6 cm x 28 cm) mit beidseitiger Beplankung. Im Sinne eines diffusionsoffenen Wandaufbaus kommt als raumseitige Beplankung eine 22 mm dicke OSB-Platte zum Einsatz, auf der Außenseite eine 32 mm dicke Unterdeckplatte. Dabei übernehmen die OSB 4 TOP-Platten neben ihrer aussteifenden Funktion noch zwei weitere: Sie sind aufgrund der hohen Rohdichte von über 600 kg/m³ Luftdichtigkeitsschicht und Dampfbremse in einem; das bestätigt dem Planer für den Nachweis einer dauerhaften Konstruktion auch die CE-Leistungserklärung. Damit sparte der Bauherr die Kosten zur Herstellung der luftdichten Gebäudehülle mit den sonst dafür notwendigen Folien und den Arbeitsaufwand, sie aufzubringen. Lediglich Platten- und Elementstößen sowie Durchdringungen sind verdeckt abzukleben. Auf der Wandaußenseite folgt eine Schicht Windpapier und eine Unterkonstruktion mit einer Holzfassade aus Lärchenholz-Latten oder raumhohe Holz-Alu-Fenster mit Dreifach-Wärmeschutzverglasung.

EGGER Forum Unterradlberg-Bild_09a (c)Holzbau Saurer

Hohlkasten-Elemente für weitgespannte Decken

Die 11,40 m langen und 2,80 m breiten Decken- bzw. Dachelemente variieren in der Höhe: Sie setzen sich zusammen aus 60 cm bzw. 52 cm hohen und 20 cm breiten BSH-Rippen (bzw. 10 cm breiten Randrippen), die ober- und unterseitig mit 30 mm dicken OSB-Platten beplankt und zu hochtragfähigen Hohlkästen verbunden sind. Sie liegen entweder auf den Wandelementen auf oder lagern punktförmig auf den Stützen. Schräg und über Kreuz eingedrehte Vollgewindeschrauben in den Längsstößen verbinden sie zu schubfesten Scheiben, die Teil der Horizontalaussteifung sind. Jedes Geschoss erhielt einen umlaufenden Balkon mit einer Breite von 1,40 m. Er dient als Sonnen- und Witterungsschutz, kann aber auch als Wartungs- und Reinigungssteg genutzt werden.

Treppe und Aufzugsschacht aus verklebten OSB-Platten

Auch Treppe und Aufzugsschacht bestehen komplett aus Holz. Dabei ist die zentrale Treppenwange als hochtragfähige Scheibe aus verklebten OSB-Platten (7 x 30 mm = 21 cm) ausgebildet. An ihr sind die Treppenläufe angeschlossen. Die Stufen der Treppenläufe Egger Referenz Neubau Forum, Unterradbestehen aus OSB-beplankten BSH-Rippen, analog zu den Decken-Hohlkästen. Die Podeste schließen an den Randbalken der Treppenläufe an. Hoher Wiedererkennungswert dank gleichem Gestaltungskonzept Die modular konzipierten Gebäude des Holzwerkstoffherstellers Egger haben einen hohen Wiedererkennungswert, ohne dabei stereotyp zu sein. Das Bausystem prägt eine eigene Firmenarchitektur, die durchaus als „corporate architecture“ (Architektur als Marke) bezeichnet werden kann. Es bietet umfängliche Möglichkeiten der Grundrissgestaltung. Dabei sorgen die quer, längs und horizontal aussteifenden Bauelemente nach einem bewährten Prinzip für die Gesamtaussteifung. Bei dem neuen Forum in Unterradlberg setzte der Architekt den Holzbau durch die sichtbar eingesetzten Holzwerkstoffe wie üblich gekonnt in Szene und rückt damit auch die optischen Qualitäten der Platte ins Blickfeld der Besucher und Nutzer.

Autorin: Dipl.-Ing. (FH) Susanne Jacob-Freitag, Karlsruhe

Bautafel


Bauherr:
Fritz Egger GmbH & Co. OG, www.egger.com

Auftraggeber:
Fritz Egger GmbH & Co. OG, www.egger.com

Architekt:
architekturWERKSTATT, Dipl.-Ing. Bruno Moser, www.archimos.at

Verarbeiter/Bauausführung:
Holzbau Saurer Ges. m.b.H. & Co. KG, www.holzbau-saurer.com

Bauzeit:
September 2019 – Juni 2020