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Nach der Lehre: Meister oder Master?

Nach der Lehre den Meister anschließen oder doch lieber ein Studium? Diese Entscheidung beeinflusst das Einkommen über einen langen Zeitraum hinweg. Das zeigt eine Studie von Wirtschaftswissenschaftlern der Uni Würzburg.

ZAZ - Zimmerer Ausbildungs Zentrum 16

122.000 Euro: So viel Geld haben Männer, die im Anschluss an eine Lehre die Ausbildung zum Meister oder Techniker absolviert haben, zwölf Jahre nach Beendigung ihrer Ausbildung im Durchschnitt mehr verdient als ihre Kollegen aus der Lehrzeit, die danach zum Studium an eine Hochschule oder Universität gewechselt sind. Oder anders formuliert: Meister bekamen in diesen zwölf Jahren gute vier Jahreseinstiegsgehälter, die vergleichbare Akademiker nach ihrem Studium erzielen können, mehr auf ihr Gehaltskonto eingezahlt.

Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des Lehrstuhls für BWL, Personal und Organisation der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Vorgelegt haben die Studie Lehrstuhlinhaber Thomas Zwick und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Veronika Lukesch. In der Fachzeitschrift „Empirical Research in Vocational Education and Training“ stellen sie die Ergebnisse vor.

Einkommensplus von 165 Prozent

Demnach verdienen Arbeitnehmer mit einem Meister- oder Technikerabschluss über einen langen Zeitraum hinweg deutlich mehr als vergleichbare Akademiker. Fünf Jahre nach Abschluss der Lehre liegt ihr gesamtes bis dahin erzieltes Einkommen um durchschnittlich 165 Prozent über dem von Akademikern. Und selbst nach zehn Jahren sind bei ihnen immer noch 45 Prozent mehr auf dem Konto gelandet. „Dieser große Verdienstvorteil für beruflich Ausgebildete ist vor allem eine Folge der Tatsache, dass Akademiker eine etwas längere Ausbildungsphase haben, die Einstiegslöhne für Meister und Akademiker hingegen vergleichbar sind“, erklärt Zwick. Zudem seien während der Fortbildung zum Meister oder Techniker die Beschäftigungschancen höher als während eines Studiums.

Mit rund 122.000 Euro erreicht der Verdienstunterschied dieser beiden Gruppen gut 13 Jahre nach dem Ende der Lehrzeit ihr Maximum. Erst danach beginnt eine langsame Trendwende. Auch nach 16 Jahren – dem Ende des Beobachtungszeitraums dieser Studie – beträgt das Plus in der Kasse der beruflich Ausgebildeten immer noch 107.000 Euro. „Geht man davon aus, dass sich der Rückgang des finanziellen Vorteils im gleichen Tempo fortsetzt, wäre er erst mehr als 20 Jahre später oder etwa 35 Jahre nach dem Ende der Lehrlingsausbildung verschwunden“, erklärt Zwick. Die Beschäftigten wären dann bereits 57 Jahre alt.

Am Ende wendet sich das Bild

Auch wenn es lange dauert, bis sich ein Studium im Anschluss an eine Lehre finanziell lohnt, spricht doch viel dafür, dass Absolventen dieses Wegs insgesamt ein höheres Lebenseinkommen erzielen als ihre einstigen Kollegen, die den beruflichen Weg der Fortbildung eingeschlagen haben. Dafür sind dann die Einkommen verantwortlich, die sie ab einem Alter von rund 57 Jahren bis zum Eintritt in die Rente erzielen. Ob Akademiker tatsächlich ein höheres Lebenseinkommen haben als vergleichbare Meister, wird aktuell von Zwick und Lukesch untersucht.  


Daten aus knapp 20.000 Berufsverläufen

Daten von insgesamt 272.439 männlichen Lehrlingen, die zwischen 1993 und 2007 die duale Lehrlingsausbildung abgeschlossen haben, standen Zwick und Lukesch für ihre Studie zur Verfügung. „Wir haben nur Männer in unsere Untersuchung aufgenommen, weil Männer und Frauen bei der Auswahl der Ausbildungsgänge unterschiedliche Strategien verfolgen, und die meisten Berufe mit einem hohen Anteil an Meistern und Technikern männlich dominiert sind, zum Beispiel in der Metallindustrie“, erklärt Lukesch diese Auswahl. Darüber hinaus kamen natürlich nur solche Berufe in Frage, in denen eine berufliche und akademische Ausbildung auf tertiärem Niveau möglich ist.

Von diesen gut 272.000 männlichen Azubis absolvierten rund neun Prozent – oder genauer: 25.191 – im Anschluss an ihre Lehre die sogenannte tertiäre Berufsausbildung oder eine tertiäre akademische Ausbildung und konnten deshalb in die Studie aufgenommen werden. Nach weiteren Einschränkungen, wie etwa ein Mindestalter bei Beginn der Lehre von 15 Jahren oder dem Start der tertiären Ausbildung direkt im Anschluss nach der Lehre, blieben insgesamt 19.275 Lehrlinge übrig, die sich entweder zum Meister oder Techniker weiterbildeten (2213) oder eine akademische Karriere einschlugen (17.062).

„Der wichtigste Aspekt der Arbeit ist, dass die realen Einkommensverläufe von Meistern und Akademikern vergleichbar gemacht werden“, so die beiden Autoren. Denn neben der Wahl des Ausbildungspfades bestimmen viele – oft unbeobachtbare – Faktoren das Lebenseinkommen. „So können wir davon ausgehen, dass mehr Akademiker gerne komplexe und abstrakte Fragestellungen lösen als Meister – diese Fähigkeit wird jedoch auf dem Arbeitsmarkt belohnt“, sagt Zwick. Um deshalb einen fairen Verdienstvergleich zwischen den beiden Gruppen zu gewährleisten, wurden im Rahmen der Studie jeweils Pärchen von einem Meister und einem Akademiker gebildet, die während der Ausbildungsphase möglichst identisch waren. So haben sie beispielsweise sehr hohe Ähnlichkeiten bei Ausbildungsberuf, Eintrittsjahr in Ausbildung, schulische Bildung, Einkommen während der Lehre und viele weitere Charakteristiken. Die Einkommensdifferenzen dieser sogenannten Datenzwillinge dienen als Basis der Analyse.

Beobachtung über 17 Jahre hinweg

„Im Jahr 2014 haben in Deutschland rund 40.000 Personen eine tertiäre Berufsausbildung abgeschlossen – sich also nach der Lehre zum Meister oder Techniker fortgebildet beziehungsweise ein Studium angeschlossen“, sagt Thomas Zwick. Trotz dieser vergleichsweise großen Zahl derjenigen, die Bildungschancen nach der dualen Ausbildung nutzen, sei bislang relativ wenig über die finanziellen Konsequenzen einer beruflichen im Vergleich zu einer akademischen Bildung auf tertiärem Niveau bekannt gewesen.

Um diese Lücke zu schließen, haben Zwick und Lukesch Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg herangezogen und mit Informationen aus weiteren Datenbanken verknüpft. „Durch unseren Beobachtungszeitraum von maximal 17 Jahren konnten wir für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die realen Verdienstprofile nach Abschluss ihrer Lehrausbildung über die gesamte erste Hälfte der Berufslaufbahn erstellen“, erklärt Lukesch. Wichtig sei gewesen, dass Meister jeweils mit Akademikern verglichen wurden, die bis zum Ende der Lehrlingsausbildung ganz ähnliche Verdienstmöglichkeiten hatten und somit vergleichbar waren.