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Normungswesen: Damit der Anschluss gelingt

Eine hohe Luftdichtheit in Gebäuden ist heutzutage ebenso wichtig wie eine ausreichende Wärmedämmung. Für die Planung und Ausführung der Luftdichtheitsschicht haben sich in den letzten Jahren neue Arbeitsweisen herausgebildet. Sie nahmen Einfluss auf die aktuelle Energie-Einsparverordnung und Normung. Was sich dadurch ändern wird und bei einer regelkonformen Ausführung zu beachten ist, erklärt der folgende Beitrag.

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So sieht ein sauberer Wandanschluss aus. Fotos: Siga

Die Energie-Einsparverordnung (EnEV) von 2001 traf folgende Aussage: "Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass die übertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend dem Stand der Technik abgedichtet ist." Zu diesem Zeitpunkt war das Thema einer dauerhaft luftdichten Gebäudehülle noch eine sehr neue Materie für die meisten Bauschaffenden.

In den überarbeiteten Versionen der EnEV von 2007 und 2009 berücksichtigten die Autoren die aktuellen Entwicklungen und verweisen nun nicht mehr auf den Stand der Technik, sondern darauf, "dass eine Gebäudehülle nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik dauerhaft luftundurchlässig auszuführen ist." Diese Richtlinien haben sich in den vergangenen zehn Jahren herausgebildet. Anfänglich neue Produkte wie Klebebänder und -massen bewährten sich und werden inzwischen von Planern, Sachverständigen und Bauhandwerkern positiv beurteilt. Eine derartige Entwicklung in der Praxis machte es erforderlich, die Norm DIN 4108 Teil 7 ebenfalls zu aktualisieren.

Was ist neu in DIN 4108 Teil 7?

Die Veröffentlichung der überarbeiteten Norm DIN 4108 Teil 7 soll voraussichtlich im Herbst 2009 stattfinden. Den Baupraktiker betreffende Veränderungen wird es zum Beispiel bei den Prinzipskizzen geben. Dabei handelt es sich um über 30 überarbeitete und ergänzte Beispiellösungen, die Planern und Handwerkern im Alltag helfen sollen. Sie stellen Lösungsansätze dar, ersetzen aber auf keinen Fall eine detaillierte Planung, wie zum Beispiel geeignete Konstruktionszeichnungen.

Die Ausführung eines Anschlusses einer Dampfbremsbahn vom Steildach an das Mauerwerk der Wände beantwortet die Norm mit folgenden drei Lösungsvorschlägen:

- mittels Einputzen,

- durch eine Kombination aus vorkomprimiertem Dichtungsband und Anpresslatte,

- mit speziellen Klebemassen und ohne zusätzliche mechanische Sicherung.

Beim ordnungsgemäß luftdichten Wandanschluss gibt es einige generelle Voraussetzungen zu beachten: Der Abstand zwischen der Wand und dem Randsparren auf der Raumseite sollte nicht zu weit sein. Ideal sind sechs bis zehn Zentimeter (mindestens 60 mm nach DIN 4108 Bbl 2). So hat der Handwerker die Möglichkeit, in diesem Bereich die Dämmung einzubringen und eine Entlastungsschlaufe der Dampfbremsbahn zu legen. Diese Schlaufe ist ein weiteres Muss für eine dauerhaft luftdichte Verbindung mit der Wandfläche. Die verwendeten Dampfbremsbahnen können aufgrund der hohen Feuchte während des Einbaus und der anschließenden Trocknung schrumpfen. Ebenfalls beanspruchen Konstruktionsbewegungen wie Setzen und Verziehen den Wandanschluss. Die Entlastungsschlaufe nimmt diese Bewegungen auf und schützt somit den Anschluss.

Bei Verwendung einer Klebemasse sollte das Mauerwerk verputzt sein. Denn Mauerwerk wird erst dann luftdicht, wenn es zumindest mit einem Grundputz versehen ist. Die Fugen zwischen den Steinen oder auch unvermörtelte Stoßlücken sind potenzielle Leckstellen.

Für den Anschluss der Dampfbremsbahn ans Mauerwerk mit der eingeputzten Bahn wird zunächst die Bahn unter den Sparren quer oder längs verlegt und bis an die Wand herangeführt. Dabei ist ein Überhang von etwa fünf bis zehn Zentimetern einzuhalten, der anschließend mit einem Streckmetall mechanisch am Mauerwerk befestigt und danach eingeputzt wird. Allerdings ist der Zeit- und Materialaufwand bei dieser Ausführungsvariante für den Handwerker sehr groß.

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Im Anschluss an den Kellenglattstrich erfolgt das Aufbringen einer stark haftenden Klebemasse. Den nächsten Schritt bildet der luftdichte Anschluss der Dampfbremsbahn ans Mauerwerk.

Oft sind mehrere Handwerker an der Ausführung beteiligt

Die Arbeit erfolgt bei der eingeputzten Bahn gewerkeübergreifend. Erst verlegt der mit dem Innenausbau beauftragte Fachmann die luftdichte Schicht. Dabei lässt er einen Streifen der Dampfbremsbahn an der Wand herunterhängen. Der nachfolgende Kollege hat die Aufgabe, erst ein Streckmetall anzubringen und dies anschließend einzuputzen. Der Alltag auf der Baustelle sieht aber leider häufig so aus, dass der Gipser meist nicht in dem gleichen Umfang über die Thematik Luftdichtheit informiert ist wie etwa der Zimmerer. Deshalb befestigt er den überstehenden Streifen eventuell nicht, sondern schneidet ihn im schlimmsten Fall sogar ab.

Auch aus diesen Gründen hat sich in den vergangenen Jahren der Wandanschluss mittels einer selbstklebenden und elastischen Klebemasse an das schon verputzte Mauerwerk durchgesetzt. Bei dieser Variante schließt der Verarbeiter die Dampfbremsbahn an das verputzte Mauerwerk mit einer speziellen Klebemasse an. Hier gibt es, je nach Baustellenbedingungen, mehrere verschiedene Optionen. Ideal ist, wenn bereits auf dem gesamten Drempel und der Giebelwand ein Grundputz aufgetragen wurde. Der Untergrund muss trocken und tragfähig sowie gegebenenfalls mit einem groben Besen vorher abgekehrt sein. Diese Prüfung und Vorbehandlung empfiehlt sich grundsätzlich besonders bei einem Anschluss an bestehenden alten Putz im Rahmen einer Sanierung. Der Verarbeiter trägt die Klebemasse auf. Dann bildet er die Entlastungsschlaufe aus und schließt die Bahn an der Kleberaupe, die nicht flach gedrückt werden darf, an. Nur so ist sichergestellt, dass die Luft nicht durch kleine Kanäle nach außen strömt.

Ursache für mögliche Konvektionsströmungen sind Undichtheiten im Bereich der Überlappungen am Wandanschluss: Der Fachmann schließt zuerst die eine Bahn an und dann die zweite überlappend. Beide sind zwar mit einem einseitig klebenden Spezialband miteinander verbunden, aber es fehlt noch die Verklebung am äußeren Rand der zweiten Bahn. Durch diese Leckage kann es zu Luftströmungen kommen. Die Lösung ist jedoch recht simpel: einfach zwischen beide Folien ein wenig Klebemasse pressen.

Hieran zeigt sich deutlich, welch elementare Bedeutung der lückenlose Anschluss gerade auch bei baulichen Details oder Problemstellen einnimmt. Die Überarbeitung der Norm wird Zimmerern und Holzbauern künftig dabei helfen, die luft- und winddichte Gebäudehülle sorgfältig zu planen und auszuführen, und ihren Arbeitsalltag dadurch nachhaltig erleichtern.