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NRW: Bauen mit Holz bis an die Hochhausgrenze auch in NRW

Endlich: Mitte Juli hat der Landtag NRW das Gesetz zur Modernisierung des Bauordnungsrechts in Nordrhein-Westfalen beschlossen. Das BauModG NRW berücksichtigt wesentliche Anpassungen, um das Bauen mit Holz in Nordrhein-Westfalen zu erleichtern.

Landesbauordnung NRW
Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, dankte der Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW, Ina Scharrenbach, für die erfolgreiche Novellierung der Landesbauordnung. Bild: Ingo Lammert / Architektenkammer NRW

Mit Umsetzung der Gebäudeklassen (GKL 1 bis GKL 5) und Anforderungen an das Brandverhalten von Baustoffen und die Feuerwiderstandsfähigkeit von Bauteilen gem. Musterbauordnung (MBO) in Landesrecht sowie der Einführung der „Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an hochfeuerhemmende Bauteile in Holzbauweise (M-HFHHolzR)“ können vier- und fünfgeschossige Wohngebäude der GKL 4 in Holztafelbauweise zukünftig als Regelkonstruktion umgesetzt werden.

Mit Inkrafttreten des BauModG NRW werden tragende oder aussteifende sowie raumabschließende Bauteile, die hochfeuerhemmend oder feuerbeständig sein müssen, aus „brennbaren Baustoffen“ (z.B. Holz) gem. § 26 (3) BauO NRW 2018 zulässig, wenn die geforderte Feuerwiderstandsdauer nachgewiesen wird und die Bauteile so hergestellt und eingebaut werden, dass Feuer und Rauch nicht über Grenzen von Brand- oder Rauchabschnitten, insbesondere Geschosstrennungen, hinweg übertragen werden können.

Öffnung für den moderen Massivholzbau

Mit dem § 26 (3) erweitert das Land Nordrhein-Westfalen die Bestimmungen der MBO und öffnet seine Landesbauordnung für moderne Massivholzbauweisen. Diese können zukünftig in Gebäuden mit bis zu acht Geschossen und einer Gebäudehöhe von bis zu 22 Metern*** der GKL 5, d.h. bis zur sog. „Hochhausgrenze“ ausgeführt werden. Unter der Voraussetzung, dass sowohl die geforderte Feuerwiderstandsdauer (F 60 = hochfeuerhemmend, Feuerwiderstandsdauer 60 Minuten und F 90 = feuerbeständig, Feuerwiderstandsdauer 90 Minuten) als auch die Unterbindung der Übertragung von Feuer und Rauch über Grenzen von Brand- oder Rauchabschnitten hinweg nachgewiesen wird, entfällt die gem. MBO geforderte allseitig wirksame Brandschutzbekleidung bzw. Kapselung von Bauteilen.

Der Einsatz von Holz in der Fassade und von Holzfaserdämmstoffen erfolgt im Rahmen des BauModG NRW entsprechend den Bestimmungen der MBO und wird als Regelkonstruktion auf bis zu dreigeschossige Gebäude der GKL 3 begrenzt. Mit dem BauModG NRW werden die baurechtlichen Rahmenbedingungen für das Bauen mit Holz in den urbanen Räumen von Nordrhein-Westfalen geschaffen. Hierzu zählen insbes. der Einsatz moderner Holzbautechnologien im Geschosswohnungsbau sowie die Aufstockung und Erweiterung von Bestandsgebäuden. Das Gesetzgebungsverfahren zum BauModG NRW wurde durch einen intensiven Dialog des NRW-Bauministeriums mit den Akteuren des Holzbaus auf Landes- und Bundesebene begleitet. Gleichzeitig hat das Thema „Bauen mit Holz“ eine breite parlamentarische Zustimmung erfahren.

Planen und Bauen einfacher und sicherer

Die neue nordrhein-westfälische Bauordnung (BauO NRW 2018) wird zum 1. Januar 2019 in Kraft treten. Wie NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach erklärte, kann damit das Planen und Bauen in NRW einfacher, schneller und sicherer werden. „Wir freuen uns, dass die grundlegende Novellierung unseres Baurechts erfolgt ist und dass zahlreiche Anregungen der Architektenkammer NRW aus der Planungspraxis in das neue Landesbaurecht eingeflossen sind“, bekräftigte der Präsident der Architektenkammer, Ernst Uhing.

„Wichtig ist, dass das Bauen in unseren Städten und Gemeinden künftig leichter ermöglicht wird, etwa durch das veränderte Abstandflächenrecht“, so Uhing weiter. Die Tiefe der Abstandfläche wird künftig verändert, um dichteres Bauen zu ermöglichen und Nachverdichtungspotentiale auszuschöpfen. Bei der umstrittenen Frage des Nachweises von Parkplätzen bleibt die grundsätzliche Stellplatzpflicht erhalten. Beabsichtigt ist aber eine Rechtsverordnung, die nur das unverzichtbare Minimum an Stellplätzen festschreiben soll. Die Gemeinden können dann selbst Regelungen über das Erfordernis von Stellplätzen treffen. „Das neue Baurecht wird dazu beitragen, dass jetzt schnell mehr Wohnungsbauprojekte in unseren Städten angegangen werden“, unterstrich Nordrhein-Westfalens Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, Ina Scharrenbach, vor den Architektinnen und Architekten in Düsseldorf.

Barrierefreiheit neu gefasst

Neu gefasst werden auch die Vorschriften zur Barrierefreiheit im nordrhein-westfälischen Bauordnungsrecht: Wohnungen in Mehrfamilienhäusern müssen künftig barrierefrei und eingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar sein müssen. Öffentlich zugängliche Anlagen müssen im erforderlichen Umfang barrierefrei sein. „Damit wird die Barrierefreiheit in angemessenem Umfang zum baulichen Standard“, lobte der Präsident der Architektenkammer NRW einen weiteren wichtigen Punkt in der Novellierung der Landesbauordnung. Überlegungen, eine starre Quote für rollstuhlgerechte Wohnungen einzuführen, sind damit vom Tisch. „Wir sind uns mit der Wohnungswirtschaft im Lande einig, dass der nun gefundene Kompromiss sowohl die Bezahlbarkeit von Wohnungsneubauten als auch die Anforderungen einer alternden Gesellschaft sinnvoll berücksichtigt“, ergänzte Kammerpräsident Ernst Uhing.

Schnellere Prüfung für Bauanträge

Mit dem Gesetz wird festgelegt, dass die Bauaufsichtsbehörden künftig Bauanträge innerhalb von zwei Wochen auf ihre Vollständigkeit überprüfen müssen. Sind die Unterlagen unvollständig oder mit Mängeln behaftet, hat die Bauaufsichtsbehörde unter Nennung der Gründe die Bauherrschaft zur Nachbesserung aufzufordern. „Damit kann das Planen und Bauen im Lande deutlich beschleunigt werden – soweit die Bauaufsichtsbehörden mit ausreichend qualifiziertem Personal besetzt sind“, verband Kammerpräsident Ernst Uhing die positive Bewertung der Baurechtsnovelle mit einem Appell an die Verantwortlichen in Land und Kommunen, wieder mehr Architektinnen und Architekten in den Bauämtern zu beschäftigen.