Screenshot vom Seminar
„VOC aus Holz und Holzwerkstoffen zeigen stets ein deutliches Abklingverhalten“, wie der Referent Ahmed Al Samarraie betonte. Bauökologe Ahmed Al Samarraie ist freiberuflicher Holzbauberater und Sachverständiger. Er ist Präsidiumsmitglied im Deutschen Holzfertigbauverband (DHV), Mitglied der Steuerungsgruppe und in den AGs 1 und 6 der CHARTA für Holz 2.0 und Mitglied im Leitungsteam des Deutschen Holzwirtschaftsrats DHWR. (Quelle: Der Zimmermann)

Digitale Weiterbildung

25. May 2022 | Teilen auf:

Onlineseminar: Durchatmen im Holzbau

Am 18. Mai 2022 veranstaltete der Bruderverlag in seiner Online-Reihe das Seminar „VOC – Wie erkläre ich es meiner Baufamilie?“ Anschaulich erläuterte der Referent Ahmed Al Samarraie chemische Prozesse, rechtliche Anforderungen und weitere wichtige Aspekte.

„VOC’s umgeben uns ständig und überall“, begann Ahmed Al Samarraie seinen Vortrag. „Ob aus frisch angeschnittenen Zwiebeln, Putzmitteln oder Benzindämpfen, die flüchtig organischen Verbindungen entweichen aus vielen Materialien, die uns umgeben“. Auch Holz und Holzwerkstoffe können VOC (Volatile Organic Compounds = Flüchtige organische Verbindungen) emittieren, wobei es gegebenenfalls zu Grenzwertüberschreitungen kommen kann. Aufgrund der zunehmenden Verschärfung der Anforderungen an die Innenraumluftqualität und einer wachsenden Sensibilisierung von Bauwilligen wurden Forschungsaktivitäten zum Thema Holzemissionen in den letzten Jahren verschärft. Beispielsweise war Ziel des Forschungsvorhabens HolnRaLu die Erarbeitung eines objektiven Verfahrens unter Berücksichtigung der Besonderheiten von Holz und Holzwerkstoffen bei der Bewertung ihres Einflusses auf die Innenraumluftqualität. Dabei zeigten VOC aus Holz und Holzwerkstoffen stets ein deutliches Abklingverhalten, je nach Stoffgruppe mit unterschiedlichen zeitlichen Verläufen. Das Emissionsverhalten aus VOC korreliert mit Temperatur (innen und außen), Feuchte und Dampfdruck. Auch bei saisonalem „Aufschaukeln“ der Emissionen findet eine degressive Entwicklung über die Jahre statt. Aufgrund der dynamischen Prozesse und der Abhängigkeit von zahlreichen Parametern ist eine berechenbare Prognose über die Emissionen allerdings zur Zeit nicht leistbar. Deshalb ist eine HoInRaLu2 in Planung, um Emissionstätigkeiten bewertbar machen zu können.

Gesundheitliche Auswirkungen nicht erkennbar

Wichtig ist natürlich auch die Frage, wie die quantitativ am meisten vorkommenden Holzinhaltsstoffe im Holzhausbau –Terpene - hauptsächlich aus Kiefernholz - und Aldehyde - meist aus OSB – wirken und ob sie gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen haben. Ergebnisse des Forschungsprojekts GesundHolz zeigten, dass weder für Kiefernholz oder OSB-VOC-Gemische noch für die Leitsubstanz Hexanal ein primäres, gentoxisches Potential besteht und dass kein deutliches Muster erkennbar war, das auf potentiell akut-entzündliche Eigenschaften der gasförmigen VOCs schließen lasst.

Nichtsdestotrotz sind baurechtliche Vorgaben zu berücksichtigen, denn Gebäude sind so zu planen und zu bauen, dass von Ihnen keine Gefährdung ausgehen. Der bauliche Gesundheitsschutz ist dabei Teil des Plan- und Bauprozesses. Laut Ahmed Al Samarraie haben sich verschiedene Holzbauverbände das Ziel gesetzt, dass perspektivisch die Anforderungen in die Güte- und Prüfbestimmungen des RAL-Holzhauses eingebunden werden. Auch wird eine europäische Harmonisierung zur VOC-Klassifizierung angestrebt.

Als Fazit fasste Ahmed Al Samarraie folgende Kernaussagen zusammen:

  • Eine Vielzahl von physikalischen, chemischen, biologischen und psychologischen Faktoren beeinflussen die Innenraumqualität.
  • Baumaterialien haben auf die Qualität der Raumluft im Mittel nur einen Anteil von etwa 1,5 Prozent aller gesundheitsbelastender Einflüsse. Davon machen VOC durchschnittlich etwa 2 bis 5 Prozent (auch wegen der Wirkungsdauer) aus. Das ist im Vergleich zu anderen Faktoren äußerst gering.
  • Nach der Musterbauordnung sind „Bauliche Anlagen [...] so zu errichten und instand zu halten, dass Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen nicht gefährdet werden.“
  • Bei der Bewertung und Regulierung von Produktemissionen ist nach aktueller Rechtslage zwischen der Regelungsnotwendigkeit bei Gefährdung und nicht zu regulierenden Vorsorgeaspekten zu unterscheiden.
  • Eine regulatorische Bewertung und Einschränkung von Holzbaustoffen ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht durch Gefahrenabwehr begründbar. Als reine Vorsorge ist sie nicht gerechtfertigt.

Das nächste Onlineseminar findet Dienstag, 8. November 2022, 17 bis 18 Uhr: „DIN 68800-2: Neuerungen zum konstruktiven Holzschutz“ mit Josef Egle statt.

zuletzt editiert am 27.06.2022