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Heizen zweimal im Jahr: Studentenwohnheim im Passivhausstandard

Möglichst energieeffizient bauen und leben: Die Studierenden des Collegium Academicum haben gemeinsam mit der DGJ Architektur ein Konzept für ein Gebäude erarbeitet, das möglichst wenig Energie verbraucht. Die Blower-Door-Testergebnisse haben den Passivhausstandard mühelos erreicht.

Alle Neubauten der Stadt Heidelberg müssen Passivhausstandard erreichen. Roman Kreutmayr, Leiter Holzbau + Fassade, hat mit seinem Züblin Timber Team das Luftdichtheitskonzept erstellt: „Die Planung muss schlüssig sein, die Details bei allen Bauteilen funktionieren. Für uns ist nebensächlich, ob das Luftdichtheitskonzept für ein Passivhaus ist. Wir wollen immer die optimale Dichtheit der Gebäudehülle erreichen.“ Dies war bei diesem Projekt etwas kniffelig durch die speziellen Holz-Holz-Verbindungen, sagt Architekt Drexler: „Die Komplexität der geometrischen Fügungen musste in die Luftdichtheitsplanung eingebracht werden.“

Der technische Fortschritt, werkseitig millimetergenau fertigen zu können, führt dazu, dass wir wieder traditionelle Zimmermannsverbindungen auch bei großen Projekten einsetzen können“, sagt Tragwerksplaner und Zimmerer Jonas Langbehn von Pirmin Jung. Das Luftdichtheitskonzept war durch diese neue Art der Konstruktion aufwendiger.

Passivhaus: Heizen zweimal im Jahr
Roman Kreutmayr, Leiter Holzbau + Fassade Züblin Timber Team, die Luftdichtheit geplant und umgesetzt. Im Hintergrund sieht man auf dem Bildschirm die 3D-Ansichten der neuralgischen Punkte der Konstruktion. Bildquelle: Züblin Timber/Sandra Sitzmann

Das Team verwendete ein 3D-Modell. Der Vorteil gegenüber einer zweidimensionalen Ansicht: Diese kann gedreht werden, die Planer können hinein zoomen und so die Übergänge genau betrachten. Oberbauleiter Kreutmayr erläutert: „Eine Ausführung mit Metallverbindern lässt eine durchgehende luftdichte Ebene unter Umständen zu. Die Schwierigkeit hier besteht darin, dass die Schlitzplatten vom unteren bis ins obere Geschoss durchgehen und über die Außenwand eine gewisse Tiefe bedingen. Hier haben wir eine klare Ebenenführung definiert und die Knackpunkte im Modell angeschaut. Wir haben diese einzeln beleuchtet, um für jeden Anschluss eine vernünftige Lösung herbeizuführen.“

Passivhaus: Heizen zweimal im Jahr
Foto:

Den Blower-Door-Test hatte der Holzbauer extern beauftragt, um die gute Arbeit in Planung und Ausführung bestätigen zu lassen: Die Bauabschnitte unterschritten die geforderte Luftwechselrate von 0,6 pro Stunde „Eine gute Luftdichtheit schützt die Holzkonstruktion vor Schäden, optimiert das Wärmedämmsystem, unterstützt Brand- und Schallschutz und sorgt dafür, dass Gerüche nicht im ganzen Gebäude übertragen werden“, sagt Blower-Door-Messdienstleister und pro clima Referent Holger Merkel.

Luftdichtheit ist immer die Basis für eine gut funktionierende Wärmedämmung. Im Holzbau ist sie besonders wichtig, sagt Architekt Drexler: „Wenn warme Luft im Winter austritt, sollte das nur kontrolliert geschehen. Wenn Tauwasser in der Konstruktion entsteht und die Feuchtigkeit in der Holzkonstruktion nicht austrocknen kann, können teure Bauschäden entstehen.“ Daher hat die Luftdichtheit beim Holzbau eine zentrale Bedeutung.


Passivhaus: Heizen zweimal im Jahr
Mit dem feuchtevariablen Fensteranschlussband ist der Feuchteschutz in der Fensterfuge perfekt. Empfehlenswert ist ein Klebeband mit einer zusätzlichen Klebezone, um das Fensteranschlussband vor Einbau des Fensters am Fensterrahmen zu befestigen. Foto: luftdichtheit-geprüft.de und pro clima

„Die Luftdichtheit wird gut umgesetzt, wenn bereits in der Planung die Montagefolge berücksichtigt wird und dem Team klar ist, was bereits im Werk verarbeitet werden kann und was auf der Baustelle montiert werden muss“, sagt pro clima Anwendungstechniker Markus Kilian. Architekt Drexler ergänzt: „Deswegen haben wir schon bei der Planung vorgefertigte Lösungen wie Rohr- und Kabelmanschetten angedacht. So konnten selbst die Gerüstanker bereits im Werk montiert und winddicht angeschlossen werden.“ Hier wurden spezielle pro clima Rohrmanschetten verwendet.

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Sprühbare Luftdichtung

Beim Collegium Academicum haben das Montage-Team und der dach-holz.tv-Reporter Uli Wolf zum ersten Mal die sprühbare Luftdichtung verarbeitet. Alle waren überrascht, wie mühelos ein So-ckel luftdicht angeschlossen werden kann. „Sprühbare Luftdichtung kommt aus dem Eimer und kann gestrichen oder gesprüht werden. Egal ob Beton, Klebeband oder Holzwerkstoffe – die sprüh-bare Luftdichtung hält auf allen bauüblichen Untergründen“, sagt Zimmermeister Jochen Götz, der dem dach-holz.tv-Team auf dieser Baustelle die neue sprühbare Luftdichtung vorgestellt hat. Bau-leiter Christoph Heinrich von ZÜBLIN Timber sagt: „Es ist wesentlich komfortabler und schneller mit der sprühbaren Luftdichtung zu arbeiten, als mit einem Klebeband. Hier muss man vorher noch einen Primer aufbringen und meist auf dem Boden herumkriechen, um ein Klebeband fachgerecht zu verkleben.“

Passivhaus: Heizen zweimal im Jahr
Sprühbare Luftdichtung mit Farbwechsel: im nassen Zustand blau, getrocknet schwarz. Dadurch können Verarbeiter und Bauleiter erkennen, ob die luftdichte Ebene vollständig getrocknet ist.

Heizen nur noch zwei Wochen im Jahr

Architekt Drexler: „Unser Ziel war es, ein möglichst luftdichtes Gebäude herzustellen und über Luftwechsel, Lüftungsanlage und Abluft wieder Wärme zurückzugewinnen. Wir haben hier mindestens KfW 40 Plus Standard erreicht. Eine dynamische Simulation zeigt, dass fast kein Heizwärmebedarf mehr anfällt, im Sommer sogar mehr Energie produziert als verbraucht wird. Jost Burhop vom Collegium Academicum ergänzt: „Wir freuen uns, dass wir vermutlich nur noch zwei Wochen im Jahr heizen müssen – und das wären theoretisch die Tage um Weihnachten, wenn alle Studierenden und Auszubildenden nach Hause fahren.

Typische Anschlüsse im Holzbau
Typische Anschlüsse im Holzbau: Diese Tabelle kann kostenfrei unter https://blog.proclima.com/ heruntergeladen werden. Foto: pro clima

Autorin Heide Haruyo Merkel

Merkel ist Fachjournalistin, Referentin und Bloggerin. Bei pro clima – Moll bauökologische Pro-dukte GmbH – ist sie verantwortlich für Presse und Digitale Medien. In ihren Podcasts (proclima.de/bauradio; luftdichtheit-geprüft.de) und bei proclima.tv pickt sie vernachlässigte Bauthemen auf und bereitet sie verständlich auf.