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Präsident Josef Schlosser: „Die LBO muss holzbaufreundlicher werden!“

Noch in diesem Jahr ist eine Novellierung der aktuellen Landesbauordnung in Baden-Württemberg vorgesehen. Zwar ist der süddeutsche Flächenstaat mit 32 Prozent bundesweit Primus bei der Holzbau-Quote von Ein- und Zweifamilienhäusern, doch erschweren auch im 'Ländle' immer noch zahlreiche Anforderungen und Restriktionen das Bauen mit Holz. Josef Schlosser, Präsident des Landesverbandes Holzbau Baden-Württemberg hat jetzt ein Treffen mit der CDU-Landtagsfraktion genutzt, um deutliche Worte gegenüber der Politik abzusetzen.

Neue LBO_Treffen mit der CDU-Landtagsfraktion
Treffen mit der CDU-Landtagsfraktion; von links nach rechts: Dr. Patrick Rapp, Thomas Schäfer, Wolfgang Schäfer, Nicole Razavi MdL, Claus Paal MdL, Josef Schlosser, Joachim Hörrmann, Bernhard Panknin und Christoph Jost.

Teilnehmer des Treffens waren neben dem Präsidenten der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Thomas Schäfer sowie der Technische Berater Wolfgang Schäfer, des Weiteren Christoph Jost und Joachim Hörrmann von der proHolzBW und Bernhard Panknin als Vorsitzender des Landesbeirat Holz. Auf Seiten der CDU waren die Parlamentarische Geschäftsführerin Nicole Razavi MdL, der wirtschaftspolitische Sprecher Claus Paal MdL und der landwirtschaftliche Sprecher Dr. Patrick Rapp anwesend.

Gleich zu Beginn sprach Präsident Schlosser ganz offensiv verschiedene Punkte der LBO an, beispielsweise § 26 – „Allgemeine Anforderungen an das Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen“. Hier sei die aktuelle Formulierung speziell im Absatz 3 solchermaßen verklausuliert, dass eine Anwendung nur ansatzweise ermöglicht wird: „Abweichend von Absatz 2 Satz 3 sind tragende oder aussteifende sowie raumabschließende Bauteile, die hochfeuerhemmend oder feuerbeständig sein müssen, aus brennbaren Baustoffen zulässig, wenn die geforderte Feuerwiderstandsdauer nachgewiesen wird.“
Außerdem werden bislang nicht gestellte Anforderungen an Bauteile mit brennbaren Baustoffen zusätzlich manifestiert: „… und die Bauteile so hergestellt und eingebaut werden, dass Feuer und Rauch nicht über Grenzen von Brand- oder Rauchschutzbereichen, insbesondere Geschosstrennungen, hinweg übertragen werden können.“
Seit Bekanntwerden dieser Formulierung im Jahre 2014 wird versucht, Klarheit über das dahinterstehende Anforderungsniveau zu erhalten. Ist die Forderung als „absolut dicht“ und über den ganzen Zeitraum der erforderlichen Feuerwiderstandsdauer zu sehen – oder eher als „rauchdicht“ wie z.B. bei Türen? Auch die Frage nach der Rauchmenge (pro m bzw. m2) ist in diesem Fall nicht uninteressant.

Der Landesverband fordert:
Als Erleichterung sollte eine allgemeinere, relative Beschreibung nach Vorgabe der LBO §15 (1) angestrebt werden: „Bauliche Anlagen sind so anzuordnen und zu errichten, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind.“

Ein anderer Punkt betraf das Thema „Gebäudeklassen“: So wird für den Holzbau der Bereich des Mehrfamilienhauses bzw. der Mehrgeschossigkeit immer relevanter. Aufgrund hoher Geschosse im EG (gewerbliche Nutzung) ist selbst bei 3-geschossigen Bauten häufig die Gebäudeklasse 4 – mit hohen Brandschutzanforderungen - erreicht.
Erschwerend kommt ein Wechsel der Begrifflichkeiten hinzu: von „Gebäude geringer Höhe“ (8m „anleiterbare Stelle“, pro WE und Geschoss) hin zu den Gebäudeklassen (hier: GK 3 nach MBO (7m „mittlerer Höhe“). Durch den Wegfall der spezifischen Anleiterbarkeit hin zu einer verallgemeinerten Darstellung (mittlere Höhe) werden nun – trotz unveränderter Risikobelastung – viele Gebäude der „alten GK 3“ in die GK 4 eingestuft.

Der Landesverband fordert:
Für Gebäude, die die alte Definition („Gebäude geringer Höhe“) erfüllen, muss eine unkomplizierte Einstufung (ohne „Brandschutzkonzept“) in die neue GK 3 möglich sein.

Neben den genannten Punkten sowie zu § 5 – „Abstandsflächen“ und LBOAVO § 5 – „Außenwände“ wurden, seitens des Landesverbandes, auch für weitere Bereiche Forderungen zur Vereinfachung aufgestellt.

Nach dem, laut Präsident Josef Schlosser, konstruktiven Austausch in sachlicher Atmosphäre, sicherte die Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU, Nicol Razavi, zu: „Die Landtagsfraktion wird in engem Austausch mit dem Verband die Themen rund um das 'Bauen mit Holz' begleiten und unterstützen. Eine stärkere Verwendung von klimaschonenden und nachhaltigen Baustoffen ist uns ein wichtiges Anliegen."