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Sanierung: Landwirtschaftliches Anwesen aus dem 17. Jahrhundert

Das Bauvorhaben „Lebensträume“ aus dem oberbayrischen Tittmoning steht nahezu plakativ für die Dauerhaftigkeit, die Zeitlosigkeit und das besondere Flair hölzerner Konstruktionen und verbindet Tradition mit moderner Holzbautechnik. Im sanierten Gebäude dienen die Blockwände nur noch als Schmuck und diffusionsoffener Wetterschutz. Dahinter errichteten die Zimmerleute eine luftdichte Holzrahmenbaukonstruktion nach modernen Maßstäben. Diese steift das Gebäude aus und trägt die Decken und das Dach.

Sanierung: Landwirtschaftliches Anwesen aus dem 17. Jahrhundert
Foto: Holzbau Lechner

Eigentlich war es abbruchreif, das kleine landwirtschaftliche Anwesen in der Nähe von Altötting. Durchnässte Mauerwerksfundamente, faulende Schwellen, kaputte Fenster, ein undichtes Dach: Gewohnt hatte hier schon lange niemand mehr – zuletzt wurde auch das ehemalige Wohnhaus als Stallung genutzt. Der Bauherr habe es aber vollständig behalten und nicht nur teilweise sanieren wollen, erinnert sich Zimmermeister Josef Lechner. Geplant war eine Komplettsanierung bei der am Ende ein einheitliches Gesamtensemble entstehen sollte.

Bereits in der Entwurfsphase suchten die Beteiligten die enge Zusammenarbeit. Beim Architekturbüro Projektplanung Blüml aus Tittmoning hatte man genaue Vorstellungen vom Ergebnis.

Sanierung: Landwirtschaftliches Anwesen aus dem 17. Jahrhundert
Foto: Holzbau Lechner

Es sollte möglichst viel erhalten bleiben und dabei dennoch ein modernes Wohngebäude mit modernen bauphysikalischen Eigenschaften entstehen. Der desolate Zustand des Bestandes war dabei hinderlich und hilfreich zugleich. Hinderlich, weil man sich genau überlegen musste, wie man bei den Arbeiten vorgeht, ohne dass die Kosten in astronomische Höhen steigen. Hilfreich aber war, dass durch die Arbeiten eigentlich nicht mehr viel hätte zerstört werden können. Außerdem stand das Anwesen nicht unter Denkmalschutz. Bereits 1970 war sein Zustand derart schlecht, dass es nicht in die Denkmalliste aufgenommen worden war. Aufgrund dieser Aspekte entschieden sich die Verantwortlichen für eine Vorgehensweise mit drei wesentlichen Schritten.


Sanierung: Landwirtschaftliches Anwesen aus dem 17. Jahrhundert
Foto: Holzbau Lechner

Blockbau wurde zur Seite gestellt

Ab Herbst: Holzrahmenbau 6. Auflage

Holzrahmenbau

Das Buch „Holzrahmenbau“ hat sich in nunmehr fast 30 Jahren als Standardwerk etabliert und ist aus der Zimmerei oder dem Holzbauplanungsbetrieb nicht mehr wegzudenken. Schwerpunkt des Fachbuchs sind die Ausführungen zu Bauteilen und Bauprodukten sowie die Darstellung zahlreicher Ausführungsdetails, die auf der Baustelle übliche Praxis sind und sich bautechnisch als schadenfrei bewährt haben. Dazu zählen in der 6. Auflage u.a. diffusionsoffene Konstruktionsdetails bei Außenwänden. Besonders hilfreich sind neben den Kennwerten zu Wärmeschutz, Schallschutz und Brandschutz die vielen Anschluss- und Fügedetails.

Die Neuauflage ist lieferbar ab Ende November 2020.


Aus dem Inhalt:

  • Allgemeine Entwurfsgrundlagen: Schallschutz, Brandschutz, Wärmeschutz,  Luftdichtes Bauen, Haustechnik
  • Bauteile: Innenwände, Geschossdecken, Dächer, Treppen
  • Baustoffe, Bauprodukte: Zulassungen, Holz in der Konstruktion, Beplankungswerkstoffe
  • Details: Sockel, Außenwand, Innenwand, Decken-, Dach- und Fensteranschlüsse
  • Haustechnik im Holzbau: Montage Sanitär, Elektroinstallationen

Der Wohngebäudeteil stammt aus dem 17. Jahrhundert und war ehemals als Blockbau mit rechteckigen Hölzern gebaut worden. Diese Bauweise bot bereits damals einen guten Wärmeschutz. Außerdem war sie in der waldreichen Gegend recht kostengünstig zu realisieren. Und wie sich nun erwiesen hat, war es auch noch eine recht dauerhafte Bauweise. Denn lediglich die unteren Schwellenhölzer waren nennenswert geschädigt. Waren sie doch immer wieder feucht geworden und daher an mehreren Stellen verfault.

Sanierung: Landwirtschaftliches Anwesen aus dem 17. Jahrhundert
Foto: Holzbau Lechner


Dennoch waren die weiter oben liegenden Hölzer derart gut erhalten, dass der gesamte Gebäudeteil mit einem Kran vorübergehend versetzt und später wieder an seinen angestammten Platz gestellt werden konnte. Dazu montierten die Zimmerleute zunächst elf Vierkanthölzer senkrecht auf die vier Außenwände und schnürten so die Blockbalken wie ein Paket zusammen. Mit einem 70-t-Kran konnte der Blockbau angehoben und auf einer angrenzenden Wiese abgestellt werden. Auf dem nun freien Bauplatz wurden dann Fundamente und Grundmauern errichtet und die erforder­lichen Sperrschichten eingebaut.

Sanierung: Landwirtschaftliches Anwesen aus dem 17. Jahrhundert
Foto: Holzbau Lechner



Sanierungspreis 2020

Das Landwirtschaftliches Anwesen aus dem 17. Jahrhunderts hat den Sanierungspreis 13 in der Kategorie Holz gewonnen. "Durch unsere Ausführungen sämtlicher Holzbau-, Dachdecker-, Trockenausbau- und Innenausbauarbeiten konnten wir für unseren Kunden den langersehnten „Lebenstraum“ in einem historischen altbäuerlichen Anwesen mit einer hohen Energieeffizienz und den Vorzügen zeitgerechter Haustechnik zu leben, in allen Bereichen erfüllen", so Zimmermann Lechner.

Sie können sich ab sofort für den Sanierungspreis 2020 bewerben.

Später würde der Blockbau wieder auf die neuen Grundmauern aufgesetzt. Dafür war es wichtig, vorher genau festzuhalten, wo das Bauwerk später wieder hingestellt werden muss. Dazu bedienten sich die Zimmerleute einfacher Hilfsmittel wie Pflöcke und Bretter mit entsprechenden Beschriftungen.

Im sanierten Gebäude dienen die Blockwände nur noch als Schmuck und diffusionsoffener Wetterschutz. Dahinter errichteten die Zimmerleute eine luftdichte Holzrahmenbaukonstruktion nach modernen Maßstäben. Diese steift das Gebäude aus und trägt die Decken und das Dach. Somit übernimmt sie statische und bauphysikalische Funktionen.

Sanierung: Landwirtschaftliches Anwesen aus dem 17. Jahrhundert
Foto: Josef Lechner

Wirtschaftsbereich neu untermauert

Der mittlere ehemalige Wirtschaftsbereich des Bauernhofs stammt ursprünglich aus dem 18. Jahrhundert und war im Erdgeschoss massiv gemauert. Dieses Mauerwerk war teilweise marode und musste erneuert werden. Das Obergeschoss war in diesem Bereich ehemals als Holzständerbau ausgeführt, mit Holzbohlen geschlossen und mit einem verputzten Vormauerwerk versehen. Dieser Teil konnte während der Mauerwerksarbeiten an Ort und Stelle verbleiben. Nach geschicktem Abstützen konnten die Maurer dort eine neue Mauer bis unter die intakten Schwellenhölzer errichten. Im oberen Bereich wurden ebenfalls Holzrahmenbauwände hinter die bestehende Holzkonstruktion gestellt. Auch hier übernimmt die moderne Holzbauweise statische und bauphysikalische Funktionen.


Alte Hölzer gereinigt und wiederverwendet

Der vordere Gebäudeteil wurde ehemals als Scheune genutzt. Dort waren weder ein fester Boden noch tragfähige Fundamente vorhanden. Lediglich die aufgeständerte Holzkonstruktion war weitgehend intakt. Daher entschieden sich die Verantwortlichen, die Bauteile genau zu kartieren, sie behutsam zu demontieren, zu reinigen und später wieder einzubauen. Dann allerdings auf einem neu geschaffenen Kellergeschoss und als schmückende wie auch tragende Elemente innerhalb eines modernen Holzrahmenbaus. Insgesamt ist nach der Sanierung aus dem maroden Bauernhof ein hochwertiges modernes Gebäude mit modernen bauphysikalischen Eigenschaften geworden. Gleichzeitig hat das Objekt seinen traditionellen Charme behalten und zeigt beispielhaft, wie dauerhaft hölzerne Konstruktionen sein können. Auch seine Preiswürdigkeit ist bewiesen und so freute sich Josef Lechner sehr über den Sanierungspreis und versprach bei der Preisverleihung in Köln, den Sieg gebührend mit seinem Team zu feiern.❙

Wolfgang Schäfer