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Seestadt Aspern: 213 Wohnungen und acht Geschäfte

Der aktuell im Bau befindliche Stadtteil im 22. Wiener Gemeindebezirk, ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas: Über einen Zeitraum von rund 20 Jahren soll ein neuer Stadtteil entstehen, mit 2,4 Millionen m² Gesamtfläche, 2,6 Millionen m² Bruttogeschossfläche, 50 Prozent hochwertigen Grün- und Freiflächen, 10.500 Wohneinheiten für mehr als 20.000 Menschen, bis zu 20.000 Arbeitsplätzen und fünf Milliarden Euro Investitionsvolumen.

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Eine Sequenz paralleler, maßstäblich differenzierter Baukörper nutzt die große Fläche des Bauplatzes im südöstlichen Teil der Seestadt Aspern. Die Anlage mit insgesamt 213 Wohnungen und acht Geschäften scheint aus einer Gruppe klar erkennbarer einzelner Holzhäuser zu bestehen, die als schlanke und kompakte Einzelkörper erkennbar sind. Aus der gestaffelten Anordnung entstehen unterschiedliche hofartige Räume mit abwechslungsreichen Sichtbeziehungen.

Die Bauteile werden durch Nord-Süd laufende Laubengänge in drei Reihen miteinander verbunden. Drei Erschließungsstränge bieten ein abwechslungsreiches Raumerlebnis, welches durch die Abfolge von lichtdurchfluteten Treppenhäusern, Innengängen und offenen Laubengängen entsteht. Die serielle, lineare Grundstruktur bietet eine große Flexibilität in der Anordnung verschiedenster Wohnungstypen und ermöglicht so eine gute Durchmischung der Bewohnerstruktur. Die Grundrisse der Wohnungen sind flexibel konzipiert. In vielfältiger Weise können diese auch im Nachhinein geändert werden. Die Häuser öffnen sich trotz hervorragender Energiebilanz großzügig nach außen. In Verbindung mit dem Baustoff Holz verleiht dies dem gesamten Gebäude Leichtigkeit und Tiefe.

Seestadt Aspern
Foto: Hertha Hurnaus | Berger+Parkkinen Architekten | querkraft architekten

Gliederung in sieben Bauteile mit vier bis sieben oberirdischen Geschoßen

Die Wohnanlage gliedert sich in sieben Bauteile mit vier bis sieben oberirdischen Geschoßen und einer Tiefgarage. Die starke Gliederung der Baukörper erzeugt einen südorientierten, lebendigen Freiraum, der abwechslungsreiche Blickbeziehungen bietet. Der Innenhof als halböffentliche Zone ist das gemeinsame Herz (Canyon) der Anlage, welches an die Fußgängerzone angebunden ist und von den Gemeinschaftsräumen im Erdgeschoß umspült wird.

Die Ränder der Erdgeschoßzone werden durch einen zweigeschossigen multifunktionellen Ring gebildet, die gewerbliche Nutzungen, Wohnraumergänzungsflächen, Gemeinschaftsräume und Atelierwohnungen auf nimmt. Die drei Meter von der Straße abgerückten Maisonette-Einheiten in der Sockelzone schaffen Raum für verschiedenste Nutzungsoptionen, ein fließender und reversibler Übergang von Büro bis Wohnnutzung wird möglich.

Seestadt Aspern
Foto: Hertha Hurnaus | Berger+Parkkinen Architekten | querkraft architekten

Im Canyon Gemeinschaft erleben

Der sogenannte Canyon, ein Platz mit unterschiedlichen Höhenniveaus und Sitzstufen im Herzen der Anlage, ist ein Angebot an alle Bewohner, sich zu treffen und Gemeinschaft zu erleben. Er dient als Begegnungsraum und Jugendspielplatz. Die Holzverkleidung entlang der Rampenwände wächst stellenweise aus der Wand und bildet schräge Flächen zum Anlehnen und Klettern. Große horizontale Flächen verbinden sich mit der Wand und bilden Liege-, bzw. Nutzflächen.

Seestadt Aspern
Foto: Hertha Hurnaus | Berger+Parkkinen Architekten | querkraft architekten

Die grünen Höfe mit ihren bewusst in die Hofmitte ragenden Terrassen in Flügelform und die Wiesenhügel bilden eine organische Landschaft. Hügel, Bäume und kleinkronige Heister bieten Sichtschutz für die privaten Terrassen. Eine Durchwegung der Hügellandschaft ist bewusst dezent gehalten, damit kein Durchgangsraum entsteht.Treffpunkte entstehen an den Knotenpunkten vor Eingangsbereichen, den Waschküchen und dem Kleinkinderspielplatz.

Die Fassadengliederung wird punktuell als Bodenmarkierung weitergeführt, verdichtet sich in den Eingangsbereichen und gliedert die Geschäftsvorzone mit Straßenmöbeln. Dies führt zu einer Belebung der Geschäftsvorzonen mit beispielsweise Gastgärten. Erhöhte, nicht eingezäunte Staudenbeete und Rasenstreifen vor den Atelierwohnungen, bilden einen Pufferbereich, mit großzügigen Ausschnitten als Zugang oder Aufenthaltsflächen.

Seestadt Aspern Wien
Foto: bmH bauen mit Holz

An den Fassaden wird das Material Holz als Lärchenschalung sichtbar

Holz ist der Baustoff für die hochgedämmten Außenwände. Die Holzfertigteilwände werden unter Verwendung von heimischem Holz, Holzwerkstoffen und dem Dämmstoff Steinwolle qualitätsgesichert im Werk vorgefertigt. An den Fassaden wird das Material Holz als Lärchenschalung sichtbar. Auch die Wohnungs- und Raumtrennwände werden im Werk vorgefertigt und sind bereits für Installationen vorbereitet. Durch diesen hohen Vorfertigungsgrad und die schnelle Baustellenmontage kann die Belastung der Umwelt auch durch die Verringerung von Lärm, Staub und Abgasen minimiert werden.

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Foto: bmH bauen mit Holz

Das Betonskelett ermöglicht eine freie Bespielbarkeit der Fassade und eine dauerhafte Flexibilität der Grundrissgestaltung. Alle Schächte sind in einer klaren Nebenraumzone neben der Erschließung konzentriert. Durch die zentrale Anordnung des Versorgungsschachtes wird eine geschossweise Spiegelung der Wohnungstypen ermöglicht. Das Fassadenbild wird durch auskragende Fertigteil-, Loggien und Balkone strukturiert, ein freies Fassadenspiel entsteht.

Der konsequente Einsatz von industriell vorgefertigten Bau- und Konstruktionselementen bietet eine hohe Material- und Oberflächenqualität und ermöglicht eine äußerst kurze Bauzeit. Die Kombination von konstruktiven Stahlbetonfertigteilen mit ausfachenden Holzbauelementen verbindet Erfordernisse des Brandschutzes und eine wirtschaftliche Bauweise.

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