Architektonische Landmark in Helsinki
Geschwungene Linie, schiefe Ebenen, viel Licht und Glas – bei Oodi dominiert außen wie innen Fichtenholz; das Dach und die Fassade sind mit 8000 m² vorgefertigten Holzelementen verkleidet. Foto: Oodi Library, Helsinki

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01. September 2021 | Teilen auf:

Modul- und Elementhäuser: Architektonische Landmark in Helsinki

Eine Landmark der besonderen Art: die Oodi-Bibliothek in Helsinki. Geschwungene Linien, schiefe Ebenen, viel Licht und Glas, innen und außen domoniert Fichtenholz. Die Dach- und Fassadenelemente stammen vom estnischen Hersteller Timbeco – bekannt für seine Produktion von Modul- und Elementhäusern.

2018 eröffnet, ein Geschenk Finnlands an die Finnen, 101 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung. Auf drei Stockwerken vereint Oodi 100.000 Bücher der Präsenzbibliothek mit der digitalen und analogen Kultur des „maker space“, wo Handwerkskunst mit Kreation zusammengeht, Technik mit Talent, Arbeit mit Abhängen, Hirn- und Handwerk: ein Marktplatz für Kommunikation, Ästhetik und kreative Ideen. Geschwungene Linien, schiefe Ebenen, viel Licht und Glas – bei Oodi dominiert außen wie innen Fichtenholz; das Dach und die Fassade sind mit 8000 m² vorgefertigten Holzelementen verkleidet.

Der Auftrag, die Dach- und Fassadenelemente zu entwerfen, herzustellen und zu installieren, ging an das estnische Unternehmen Timbeco aus Saku nahe der Hauptstadt Tallinn. Die Entwicklung von technischen Lösungen, die Herstellung von Holzelementen und die Organisation des Baus vor Ort war das bisher anspruchsvollste Projekt in der Geschichte Timbecos. Die Aufgabe forderte Herstellerkompetenz, die hölzernen Dach- und Fassadenelemente zu liefern, sowie Projektmanagementkompetenz, um für einen optimalen Arbeitsfluss zu sorgen.

„Beide Fähigkeiten sind gleich wichtig und machen den entscheidenden Unterschied im Wettbewerb“, sagt Tõnis Vaiksaar, Verkaufsleiter von Timbeco. Die industrielle Fertigung von Gebäuden ist ein sehr komplexer Prozess, der einen hohen Koordinations- und Planungsaufwand erfordert. Die Mehrheit des Timbeco-Teams verfügt über einen Ingenieurabschluss der Technischen Universität Tallinn.

BIM optimiert den Arbeitsfluss

Die Designer von Timbeco verwendeten das BIM-Modell (Bauwerksdatenmodellierung), um die Dach- und Wandelemente zu entwerfen; keines wurde wiederholt. Als sich das Gebäude weiterentwickelte, war es notwendig, die Ausgangsinformationen zu überprüfen, und die zugrunde liegende Konstruktion wies einige Ungenauigkeiten im Vergleich zum ursprünglichen BIM-Modell auf. Bevor die Herstellung der Holzelemente in der Fabrik startete, war es sinnvoll, einen 3D-Scan des Objekts durchzuführen, um eine korrekte Punktwolke der Stützbalken zu erhalten. Mit diesem akkuraten Messergebnis startete dann die Produktion.

BIM ist eine Arbeitsmethode, die software-basiert die Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden optimiert. Dabei werden alle relevanten Daten digital erfasst, kombiniert und vernetzt. Das Gebäude wird auch als Computermodell geometrisch visualisiert. BIM hat 2020 auch Eingang ins Vergaberecht gefunden.

Die wichtigsten Projektinformationen hat Timbeco dem BIM-Modell (Bauwerksdatenmodellierung) entnommen, das den Grundriss des gesamten Gebäudes, die Metall- und Betonkonstruktionen sowie spezielle Teile enthielt. Foto: Oodi Library, Helsinki

Vollautomatische CNC-Robotik

Timbeco wurde vor knapp 30 Jahren gegründet und beschäftigt heute über 160 Mitarbeiter. In dieser Zeit hat das Unternehmen über 2500 Holzhäuser in 25 Ländern errichtet. 95% der Produkte gehen ins Ausland - als energieeffiziente Wohn- und gewerbegebäude, Schulen oder Kindergärten. Timbeco ist auf Modul- sowie Elementhäuser spezialisiert. Sie werden nach dem Design der Kunden gefertigt und installiert.

Die Modulhäuser bieten sich an, um schnell Wohneinheiten in größeren Immobilienentwicklungen zu realisieren. Die Modulhäuser zum Beispiel werden in der Timbeco-Fabrik zu 90% vorgefertigt und können auf Wunsch auch Fenster, Isolierung, Innen- und Außenverarbeitung sowie Möbel enthalten. Die Häuser werden mit vollautomatischen Holzbearbeitungsmaschinen nach internationalen Bauvorschriften und Gesetzen gemäß ISO 9001: 2015 ausgeführt.

Auch für die Oodi-Bibliothek hat Timbeco seine moderne, vollautomatische CNC-Robotik eingesetzt. Die größte Herausforderung bei der Herstellung von Dachmaterialien war die Bearbeitung eines massiven 12 m langen LVL-Balkens (Furnierschichtholz), da die Verarbeitung dieses Materials aufgrund seiner Dimensionen eine komplizierte Aufgabe darstellte. Da es keine geeignete Software für diesen Vorgang gab, musste Timbeco in Zusammenarbeit mit dem BIM-Softwareunternehmen eine neue Lösung finden und die Software für die CNC-Vorrichtung entsprechend des Projekts optimieren.

Komplexe Herausforderungen und digitale Lösungen

„Estnische Unternehmen sind dabei, wenn es darum geht die höchsten und komplexesten Holzhäuser zu bauen – ob öffentliche Gebäude, privatwirtschaftliche Bauten oder auch Privat- oder Gartenhäuser“, sagt Annika Kibus, Geschäftsführerin des Verbands estnischer Holzhaushersteller. Jedes vierte Holzhaus, das in die EU exportiert wird, kommt aus Estland, dem größten Exporteur von Holzhäusern in Europa. In den letzten zehn Jahren ist der Sektor jährlich um etwa 15% gewachsen.

Estland ist bekannt als ein Vorreiter der Digitalisierung. Diese moderne und effiziente Technologie hat auch Auswirkungen auf den Bausektor, in dem Prozesse zunehmend automatisiert werden, um ohne Qualitätseinbußen mehr Flexibilität und Effizienz zu gewährleisten.

Annika Kibus, Geschäftsführerin des Verbands estnischer Holzhaushersteller. Foto: Verband estnischer Holzhaushersteller

Mit Umsätzen von 3,7 Mrd. Euro (2017), gehört die Holzindustrie zu den größten Fertigungsindustrien. Der Verband der estnischen Holzhaushersteller (Estonian Wooden Houses Cluster) steht für knapp 80% dieses Segments. Seine Mitglieder bilden die vollständige Wertschöpfungskette ab von der Waldbewirtschaftung bis zu den vielfältigen Endprodukten. In den letzten Jahren hat sich Deutschland zum wichtigsten Einzelexportmarkt entwickelt, während es über Jahrzehnte hinweg Schweden und Norwegen waren. Auch weitere Absatzregionen aus Mitteleuropa sind dazugekommen.

Moderne Holzbautechnik ist innovationsgetrieben; so haben die letzten Jahre neue Werkstoffe hervorgebracht, die neue Bauweisen ermöglichen, etwa Brettsperrholz (BSH), das den Einsatz von Holz beim mehrgeschossigen Bauen erlaubt. Holz mit seiner guten Ökobilanz, geringen Wärmeleitfähigkeit sowie guten Dämmwirkung ist für energieeffiziente Bauweisen hervorragend geeignet.

Einfacher Zugang für Architekten und Entwickler aus Deutschland

Die deutschsprachige Website https://tradewithestonia.com/de/ der Wirtschaftsförderung Estland enthält weitere Fallstudien über die Holzbauindustrie. Für die direkte Ansprache unterhält die estnische Wirtschaftsförderung Büros in Nürnberg und Berlin. „Seit knapp 20 Jahren ist Estland Mitglied der EU, d.h. in der Zusammenarbeit mit europäischen Unternehmen ist durch die EU-weit identischen Gesetze die Rechtssicherheit gegeben“, sagt Annika Kibus.