zurück

Statement: "Die Preisentwicklung erwischt die Holzbaubranche zur Unzeit"

"In einem aktuellen Projekt prüfen wir gerade, an welchen Stellen sich Holzwerkstoffe wie BSH, BSP oder Plattenmaterial durch Schnittholz ersetzen lassen. Das bedeutet für die Planung: Mehr Diagonalschalung auf Tafelbauwänden, weniger Dreischichtplatten", sagt Dipl.-Ing. Stefan Krötsch, Architekt und Professor an der HTWG Konstanz.

Stefan Krötsch
Dipl.-Ing. Stefan Krötsch, Architekt und Professor an der HTWG Konstanz. Foto: Stefan Krötsch

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation der Verfügbarkeit von Holz und Holzwerkstoffen am Markt und die Perspektive der Preisentwicklung ein?

Holzbau-Offensive ohne Holz: Die Preisentwicklung erwischt die Holzbaubranche zur Unzeit. Gerade nimmt der Holzbau richtig Fahrt auf und macht sich auf, die Nische des ewigen Start-Ups zu verlassen. Es ist erstaunlich, dass Deutschland die eigenen Klimaziele durch unglaubliche Exportmengen des Rohstoffs Holz in alle Welt (vor allem China und USA) gefährdet. Kurzfristige Gewinne international gefährden langfristige Geschäftsbeziehungen im eigenen Land.

Was bedeutet die aktuelle Preissteigerung und die Verfügbarkeit von Holz für das Bauen mit Holz?

In einem aktuellen Projekt prüfen wir gerade, an welchen Stellen sich Holzwerkstoffe wie BSH, BSP oder Plattenmaterial durch Schnittholz ersetzen lassen, das – aus kleinen Sägewerken bezogen – offenbar noch zu vernünftigeren Preisen zu bekommen ist. Das bedeutet für die Planung: Mehr Diagonalschalung auf Tafelbauwänden, weniger Dreischichtplatten.

Wie müssen wir künftig in Holz denken, um ressourcenschonend und architektonisch anspruchsvoll zu bauen?

Alte Ingenieur- und Handwerkertugenden, wie möglichst sparsamer Materialeinsatz, müssen wieder mehr in Mode kommen: Nicht nur bei Beton und Stahl, sondern auch beim Holz. Denn CO2-Bindung durch Holz funktioniert auch, wenn man dieselbe Menge CO2 in zwei statt in einem Haus bindet – und man ersetzt dadurch zwei statt ein Haus aus Beton. Hoher architektonischer Anspruch sollte dabei immer Grundlage der Planung sein, denn „Hohe Baukultur verstärkt unsere Verbundenheit mit dem Ort. Sie ermöglicht der Bevölkerung die Identifikation mit ihrem Umfeld, fördert eine inklusive und solidarische Gesellschaft, wirkt Diskriminierung und Radikalisierung entgegen und unterstützt Integration und Bürgerbewusstsein. (…) Kultur ermöglicht und fördert wirtschaftliche, soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Sie formt unsere Identität und bestimmt, was wir den nachfolgenden Generationen hinterlassen.“ (Davos Declaration, deutsche Übersetzung, 22.01.2018)

proHolz BW

Die Fragen stellte Uwe André Kohler, proHolz BW

Weitere Interviews und Hintergründe auf proHolz BW