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TU München: Forschungsprojekt BIMwood entwickelt holzbaugerechtes BIM

Das neue Forschungsprojekt BIMwood untersucht, welche Hemmnisse einer BIM-Anwendung im Holzbau entgegenstehen und entwickeln daraus konkrete Vorschläge für eine holzbaugerechte BIM-Anwendung. Im Mittelpunkt steht die Weiterentwicklung von Methoden, Werkzeugen und Handeln im vorgefertigten Holzbau zur Verbesserung reibungsloser Planungs- und Datenmanagementprozesse.

TU München: Forschungsprojekt BIMwood entwickelt holzbaugerechtes BIM
IM Modell mit Sparrendachstuhl und Brettsperrholzelementen. Bild: lattkearchitekten

Denn ohne den Einstieg in die Planungsmethode BIM wird die Holzbauweise, insbesondere beim urbanen und großvolumigen Bauen, in Zukunft nicht konkurrenzfähig sein. BIM und die Anforderungen des modernen Holzbaus passen gut zusammen: Wie bei der BIM-Methode sind beim vorgefertigten Bauen mit Holz Entscheidungen in frühen Planungsphasen notwendig. Ebenso wichtig ist das frühe Einbinden der Holzbaukompetenz über Fachingenieure oder Holzbauunternehmen. Auf der Baustelle sind Korrekturen nicht mehr möglich.

Holzbaukompetenz wird zu spät in den Prozess integriert

Untersuchungen aus dem Vorläuferprojekt leanWOOD (Entwerfen und Holzbau, 2017) der TU München haben gezeigt, dass hier noch Handlungsbedarf besteht: Holzbauprojekte mit hohem Vorfertigungsgrad werden häufig nach dem klassischen, phasenweisen Ablauf, wie er aus dem konventionellen Bauen bekannt ist, abgewickelt. Die Holzbaukompetenz wird zu spät in den Prozess integriert. Das führt oft zu langwierigen und aufwändigen Korrekturen im Nachhinein. Diese Reibungen in der Wertschöpfungskette, insbesondere im Planungsprozess und an der Schnittstelle von Planung und Ausführung, behindern eine effiziente und wettbewerbsfähige Nutzung von Holz und Holzprodukten. Eine konsistente Datenverwaltung und -auswertung unter Berücksichtigung von Planungsinformationen, Maschinendatenlieferung sowie Lebenszyklusdaten wäre ein großer Schritt zu einem erfolgreichen digitalen Wandel der Branche

TU München: Forschungsprojekt BIMwood entwickelt holzbaugerechtes BIM
schnitt aus einem BIM-Modell mit Darstellung einer horizontalen Schnittebene. Bild: lattkearchitekten

BIM als Standart bei Großprojekten

Building Information Modeling (BIM) wird vor allem bei Großprojekten immer mehr zum Standard. Die Planungsmethode BIM unterstützt die Kommunikation der verschiedenen Parteien beim Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden. Im Kern wird mit einer BIM-Software ein dreidimensionales Gebäudemodell erstellt, das, je nach vereinbarter Informationstiefe, Daten von Zeichnungen, Materialien, Produkten sowie Mengen und Kosten aller am Planungsprozess Beteiligten zusammenführt und transparent macht. Änderungen an einer Stelle der Planung, zum Beispiel der Dimension eines Holzbalkens, spiegeln sich automatisch in allen Informationsebenen wieder, also in Grundrissen und Schnitten sowie in der Mengenaufstellung und der Kostenberechnung. Auch Simulationen wie die des Energieverbrauchs oder des thermischen Verhaltens von Bauteilen können mit Hilfe der Daten generiert werden. Alle am Bauprozess Beteiligten haben Zugriff auf das Modell und sind so stets auf dem gleichen Wissensstand. Neben technischen und informationstechnologischen Fragestellungen bedeutet BIM eine neue, integrative Kooperations-und Planungsmethode.

TU München: Forschungsprojekt BIMwood entwickelt holzbaugerechtes BIM
Bauen im Bestand – für die Modernisierung einer Turnhalle wurde ein Bestandsmodell als Grundlage für die Planung der Maßnahmen erstellt. Bild: lattkearchitekten

Gemeinsames Forschungsprojekt entlang der Wertschöpfungskette Planen und Bauen mit Holz

BIMwood ist ein gemeinsames Forschungsprojekt der Professur „Entwerfen und Holzbau“ und dem Lehrstuhl „Architekturinformatik“ an der Fakultät für Architektur, Technische Universität München. Gemeinsam mit den Praxispartnern Prause Holzbauplanung, den BIM-Experten AEC3 und lattkearchitekten und dem Holzbauunternehmen Gumpp & Maier startete das Projekt mit dreijähriger Laufzeit im August 2019, das aus Mitteln des Förderprogramms Nachwachsende Rohstoffe gefördert wird. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert.

Das Team um die TU München wird zügig in die Untersuchungen einsteigen um der Branche, parallel zu den schnell voranschreitenden Entwicklungen in der digitalen Planung, neuste Erkenntnisse aus BIMwood zu bieten. Die Ergebnisse der Branchenanalyse des Vorprojekts HOLZundBIM (Entwerfen und Holzbau, 2019) liefern die Grundlage für den Beginn der Forschungsarbeit und geben Aufschluss über Art und Umfang der Anwendung der Planungsmethode BIM in der gesamten Prozesskette beim Planen und Bauen mit Holz in Deutschland.

Die BIMwood-Ergebnisse richten sich an Entscheidungsträger, Planer, Holzbauunternehmen sowie die Softwareindustrie, die für Neuentwicklungen auf die Anforderungen der holztechnischen Fachkenntnisse angewiesen ist. Das Ergebnis wird in einem Handbuch veröffentlicht.