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Uni Kassel: Forschung und Praxis

Aktuelle Entwicklungen und neue Erkenntnisse zu Verbindungen und Anschlüssen im Holzbau standen im Fokus der 3. Kasseler Tagung „Holzbau – Forschung und Praxis“ Mitte März 2018. Rund 150 Teilnehmer besuchten die Veranstaltung an der Universität Kassel.

Universität Kassel Holzbau – Forschung und Praxis
Die Universtät möchte mit der Veranstaltung ganz konkrete Hinweise und Anregungen für Idie tägliche Arbeit geben sowie zeigen welches Potential der moderne Holzbau aufweist. Bild: Universität Kassel

Das Programm bot am ersten Tag den Workshop „Verstärkung von Verbindungen mit Vollgewindeschrauben - Modelle zur Bemessung und Laborversuch“ . Timo Claus, M.Sc. zeigte am Beispiel einer Ausklinkung, wie selbstbohrende Holzschrauben in querzugbeanspruchten Bereichen eingesetzt werden können.

Am zweiten Tag gab es sechs Fachvorträge zum Schwerpunktthema „Verbindungen“. Dr. techn. Andreas Ringhofer von der TU Graz berichtete über effiziente Verbindungen mit Vollgewindeschrauben. Er gab einen anschaulichen, praxisnahen Überblick mit typischen Anwendungen und den erforderlichen Bemessungsschritten. Darüber hinaus nahm er auch Sonderthemen in den Blick, wie den Einfluss der Feuchte und von schwingenden Lasten auf die Sicherheit, Tragfähig-keit und Dauerhaftigkeit geschraubter Verbindungen.


Dr. techn. René Steiger von der Empa Dübendorf erläuterte wie bei geometrisch beengten Verhältnissen hohe Kräfte mit eingeklebten Gewindestangen eingeleitet werden können. Dabei gab er einen umfassenden Überblick über die Forschungsergebnisse der vergangenen 15 Jahre sowie zu den daraus abgeleiteten Berechnungs- und Bemessungsansätzen. Umfassend erläuterte er die konstrukti-ven Randbedingungen sowie ausführungstechnische Details.


Mit einem Video zur Hubschraubermontage eines Aussichtsturms zog Dipl.-Ing. Frank Brühl gleich zu Beginn seines Vortrags die Zuhörer in seinen Bann. Mit zahlreichen Ausführungsbeispielen aus seiner Praxis als technischer Leiter der Wiehag AG konnte er zeigen, wie statisch-konstruktive Randbedingungen auf der einen und Anforderungen aus der Montage auf der anderen Seite zu gleichermaßen effizienten wie ästhetisch ansprechenden Lösungen gebracht werden können.


Nach der Mittagspause übernahm Dr.-Ing. Lars Eisenhut die Moderation. Als ersten Vortragenden konnte er Dipl.-Ing. (FH) Gordian Kley vorstellen, der aus dem umfänglichen Portfolio der merz kley Ingenieure sechs ganz unterschiedliche Beispiele mitgebracht hatte. Mit großer Aufmerksamkeit folgten die Zuhörer seinen Ausführungen, in denen er den Weg von den ersten Entwurfsideen bis zur Ausführung aufzeigte. Es zeigte sich einmal mehr, wie entscheidend es im Holzbau ist, schon in einer frühen Entwurfsphase ganz konkrete Varianten zu den maßgebenden Details zu entwickeln.


Dr. techn. Andreas Meisel gab in seinem Vortrag einen umfassenden Überblick zu den unterschiedlichen traditionellen Holz-Holz-Verbindungen. Detailliert ging er auf Kamm- und Blatt-Verbindun-gen ein. Dazu hatte er zahlreiche Versuchsergebnisse parat. Mit diesen Ergebnissen konnte er die Sinnhaftigkeit anschaulicher Ingenieurmodelle zur Berechnung dieser Verbindungen nachweisen. Dass dabei der Reibung zwischen den Holzoberflächen und dem in diesem Zusammenhang anzusetzenden Reibungskoeffizienten eine entscheidende Bedeutung zukommt, war eine wesentliche Erkenntnis.


Nach zahlreichen Betrachtungen und Beiträgen am Rande und jenseits normativer Regelungen führte Dr.-Ing. Johannes Hummel in seinem Vortrag zu stiftförmigen Verbindungsmitteln im Holzbau zur Anwendung des EC 5 zurück. Zum Abschluss zeigte er mit Bezug zu einem laufenden Forschungsvorhaben, welche interessanten Phänomene beim Einsatz von Formgedächnislegierungen bei stiftförmigen Verbindungen im Holzbau beobachtet werden können.