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Verbandstag Hessischer Zimmermeister: Im Schatten des Doms

Beim 67. Verbandstag Hessischer Zimmermeister Anfang März in Limburg spannten die Ausrichter einen breiten Informationsbogen - von Fragen der Kommunikation, über den Fachkräftemangel bis hin zum Polystyrol. Diana Wetzestein

Verbandstag Hessischer Zimmermeister  Bild Diana Wetzestein (14)
Die Zeichen im hessischen Holzbau stehen auf Wachstum. Nach einer aktuellen verbandsinternen Umfrage befindet sich die Branche in einer guten Konjunkturphase. Bild: Diana Wetzestein

An zwei Tagen füllten zwölf Referenten und 27 Aussteller den Informationspool mit Zahlen, Fakten, neuen Werkzeugen oder Baustoffen und Informationen aus erster Hand, die für alle wichtig sind. Ein festlicher Zunftabend und der Holzbaukongress lockten die Gäste in die Fachwerkstadt Limburg, die zeigen konnte, dass der Holzbau ein ökologischer und zukunftsweisender Wirtschaftsfaktor ist. In der Altstadt präsentieren Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten nicht nur alle wichtigen konstruktiven Weiterentwicklungen im Holzbau; vielmehr bieten sie komfortablen Wohn- und Gewerberaum innerhalb eines lebendigen Stadtkerns. Zimmerer werden dort noch viele Jahrzehnte ihrer Arbeit nachgehen können, davon überzeugten sich die Teilnehmerinnen während einer Stadtführung.

Neues Modell gegen Fachkräftemangel

Die Zeichen im Holzbau stehen auf Wachstum. Nach einer aktuellen verbandsinternen Umfrage befindet sich die Branche in einer guten Konjunkturphase. Den gefüllten Auftragsbüchern stehen dennoch gestiegene Lohnkosten und ein spürbarer Fachkräftemangel gegenüber. Die Initiative „ProAbschluss“ schlägt einen Weg zur geförderten Fremdqualifizierung im Handwerk vor. „Wer im Zimmererhandwerk mindestens 4,5 Jahre gearbeitet hat, kann in einer anerkannten Bildungsstätte die Berufsschule besuchen und die Gesellenprüfung ablegen. Wir übernehmen bis zu 50 Prozent der abschlussbezogenen Bildungs- und Prüfungskosten“, sagte Alf Kindinger von ProAbschluss.

Das Leid mit dem Polystyrol

Dipl.-Ing. Michael Heide vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe aus Berlin sprach über die Auswirkungen der novellierten Gewerbeabfallverordnung. Neben aufwendigen Dokumentationspflichten sei im Bereich der Entsorgung von expandierten Polystyrol-Dämmstoffen mit HBCD Vorsicht geboten. 2013 als persistenter Schadstoff und in die EG-Persistent Organic Polutants-Verordnung eingestuft, dürfe er nicht mehr in den Hausverbrennungsanlagen verbrannt werden. „Obwohl die Verbrennung vollständig ohne gefährliche Rückstände erfolgte“, so Heide. Der daraus resultierende aktuelle Entsorgungsnotstand ist real auf den Baustellen angekommen, das zeigte sich in den heftigen Reaktionen aus dem Publikum. Die Industrieunternehmen, die mit diesen Baustoffen unter Rückendeckung der Förderpolitik viel Geld verdient hätten, sollten für die Entsorgung mitbezahlen, so deren Forderung. Denn das Zimmererhandwerk kam jahrhundertelang ohne den Einbau belasteter Dämmstoffe oder imprägnierter Hölzer aus.

Nach oben kommt der Holzbau auch mit einem Schritt zurück zu dessen Wurzeln, hin zum ökologischen Dämmstoff, mit getrocknetem Voll-, Brettschicht- und Konstruktionsvollholz und mit gesundem Menschenverstand.