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Verbandstag Niedersachsen: Baurecht, Schall und Digitalisierung

Am 07. und 08. September veranstaltete der Verband Niedersächsischer Zimmermeister in Hannover seinen 64. Verbandstag, den erstmals der neue Geschäftsführer Thomas Behnke zusammen mit dem langjährigen Landesfachgruppenleiter Karl Hoffmeister eröffnete. Eine Mischung aus betrieblichen und technischen Vorträgen versorgte die etwa 30 anwesenden Verbandmitglieder mit aktuellen Informationen und Entwicklungen im Holzbau.

Landesvebandstag Niedersachsen 2017
Karl Hoffmeister, Vorsitzender der Niedersächsischen Zimmermeister, begrüßte und führte durch die Tagung. Bild: BAUEN MIT HOLZ

Thomas Behnke begann mit ausgewählten Erkenntnissen des Betriebsvergleichs Holzbau Deutschland 2015 und der aktuellen Baukonjunktur. Allgemein entwickelt sich der Holzbau positiv, wenn auch in Niedersachsen nicht ganz so stark wie im Bundesdurchschnitt. Bei der Entwicklung des künftigen Leistungsbilds des Zimmerers, nach dem der Holzhausbau deutlich zunehmen wird, warnte er allerdings die niedersächsischen Zimmereibetriebe davor, auf diesen Zug aufzuspringen. Aktuell gebe nicht genügend Grundstücke, insbesondere in den Ballungsgebieten.

Jan Loleit, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbandes Niedersachsen (BVN), warb für die Bamaka, eine Einkaufsgesellschaft der Bauwirtschaft, die insbesondere im Fahrzeugbereich den Kunden günstige Konditionen bieten soll.

Viel Neues im Bauvertragsrecht

Landesvebandstag Niedersachsen 2017
Adrian Blödt, Sachverständiger für das Zimmererhandwerk, führte durch die Neuerungen der DIN 4109 „Schallschutz“. Bild: BAUEN MIT HOLZ

Carsten Woll vom BVN gab einen Einblick in das neue Bauvertragsrecht 2018, das zukünftig zusätzlich zu Werks- und Bauvertrag auch in den Verbraucherbauvertrag nach BGB unterscheiden wird. Dieser kommt dann zum Einsatz, wenn ein Neubau oder eine erhebliche Umbaumaßnahme aus einer Hand ausgeführt wird und der Auftraggeber ein Verbraucher ist. Zwingender Bestandteil des Verbraucherbauvertrags ist eine schriftliche, detaillierte Baubeschreibung.

Nach einem geselligen Begrüßungsabend ging es am nächsten Tag mit dem Thema „Auswärtsbeschäftigung im Baugewerbe“ weiter. Thomas Behnke erläuterte gemeinsam mit Ulf Mosenthin vom BVN, wann der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Fahrtkostenabgeltung, Verpflegungszuschuss und Unterkunft hat und wann nicht. Fahrkosten werden dann erstattet, wenn die Baustelle, mindestens 10 km von der Wohnung entfernt ist und dem Arbeitnehmer keine Beförderung angeboten wird.

Adrian Blödt, Sachverständiger für das Zimmererhandwerk, gab einen Einblick in die neue DIN 4109 zum Schallschutz. Im Normungsausschuss konnte Gottseidank verhindert werden, dass der Holzbau mit deutlich höheren Aufschlägen beim Trittschallschutz als der Massivbau versehen wird, was für den Holzbau kaum umzusetzen gewesen wäre. Jetzt sind die Aufschläge für beide Bauarten gleich hoch und machbar. Wichtige Änderungen gab es beim Außenlärm, um das Ruhebedürfnis während der Nachtzeiten normativ zu schützen.

Sich der Digitalisierung öffnen

Landesvebandstag Niedersachsen 2017
„Ein Betrieb sollte bei der Digitalisierung darauf achten, dass er nicht mehr als vier verschiedene Systeme nutzt. Und diese sollten untereinander kompatibel sein“, mahnte Michael Heil in seinem Vortag an. Bild: BAUEN MIT HOLZ

Einen Überblick über digitale Werkzeuge im Betrieb und auf der Baustelle gab Michael Heil vom eBZ Kaiserslautern. Seine Vision ist es, das Bau- und Ausbaugewerbe digital so aufzurüsten, dass es mit den anderen am Bau Beteiligten mindestens auf Augenhöhe stehe. Für die Veränderungsprozesse, an denen kein Betrieb vorbei kommt, kann sich jedes Handwerksunternehmen Unterstützung holen, wie bei den Programmen „go-digital“ oder „Unternehmenswert Mensch“ oder bei der KfW.

Zum Abschluss gab Roland Glauner, Holzbau Deutschland, einen Überblick über die Grundlagen und die Anforderungen des konstruktiven Holzschutzes und erläuterte die Anwendungsprinzipien nach der Fachregel 02: Balkone und Terrassen.

Um wieder mehr Zimmerer für den Verbandstag zu begeistern, stehen Überlegungen im Raum, diesen zukünftig anders zu gestalten. Wir dürfen auf das nächste Jahr gespannt sein!