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Wirtschaftliche Entwicklung: Deutschland im März 2020

Das Coronavirus setzt der deutschen Wirtschaft zu. Wie stark und wie lange ist laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gegenwärtig noch nicht belastbar abzuschätzen, weil noch keine aussagekräftigen konjunkturellen Daten verfügbar sind. Auch ist noch zu ungewiss, wie schnell und wie stark sich das Coronavirus verbreiten wird. Aufgrund der sehr dynamischen Entwicklung muss aber mit relevanten konjunkturellen Auswirkungen gerechnet werden.

Konjunktur

Dabei war die deutsche Wirtschaft gerade dabei, ihre seit Anfang des Jahres 2018 anhaltende Schwächephase zu überwinden, die im Zusammenhang mit der globalen industriellen Rezession und den Handelskonflikten steht. Nach der Stagnation des Bruttoinlandsprodukts im Jahresschlussquartal 2019 waren die industriellen Aufträge, Umsätze und Produktion der deutschen Wirtschaft im Januar kräftig gestiegen. Es zeichnete sich insoweit eine merkliche konjunkturelle Belebung für das erste Quartal 2020 ab. Diese wird nun nicht mehr erwartet, weil die deutsche Wirtschaft im Februar und März voraussichtlich Absatzeinbußen im Außenhandel mit einigen bereits vom Virus stärker betroffenen Ländern haben wird und auch einige Dienstleistungsbereiche aufgrund von Verhaltensänderungen der Nachfrager Umsatzrückgänge verzeichnen werden.

Corona bestimmt konjunkturelle Entwicklung

Die kommende konjunkturelle Entwicklung wird davon bestimmt, wie die weitere nationale und globale Ausbreitung des Coronavirus verlaufen wird. Die deutsche Wirtschaft wird voraussichtlich auf der Angebotsseite durch mögliche Störungen von Lieferketten und arbeitsunfähigkeitsbedingte Produktionsausfälle sowie auf der Nachfrageseite durch geringere Exportnachfrage und national durch deutliche Konsumzurückhaltung betroffen sein. Pandemien können sich in Wellen über die Welt verbreiten, in den einzelnen Regionen verlaufen sie nach den bisherigen Erfahrungen aber eher kurz und heftig. Es wäre demnach mit einer merklichen Abschwächung der Konjunktur im zweiten, aber gegebenenfalls bereits wieder mit einer Stabilisierung im dritten Quartal dieses Jahres zu rechnen, sofern Lieferketten alsbald wieder funktionieren.

Die momentan hohe Verunsicherung über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zeigt sich auch an heftigen Bewegungen auf den Finanzmärkten. Diese suchen seit Anfang der letzten Februarwoche nach einer Neueinschätzung der Lage. Dort waren vor allem am 6., 9. und 12. März starke Kursverluste zu beobachten. Der deutsche Leitindex DAX etwa hat mittlerweile im Vergleich zum Stand vom 21. Februar rund 30 % verloren, ähnlich auch der amerikanische Leitindex DOW JONES, der im gleichen Zeitraum rund 27 % einbüßte.

AUSBLICK FÜR DEUTSCHLAND: LEICHTE ERHOLUNG WIRD SICH NICHT DURCHSETZEN

Die bis zuletzt vorliegenden Indikatoren für das Produzierende Gewerbe können noch nicht durch einen Corona-Effekt beeinflusst sein. Sowohl bei den Auftragseingängen als auch bei der Produktion waren im Berichtsmonat Januar deutliche Zuwächse zu verzeichnen, die allerdings teilweise auch auf Nachholeffekte aufgrund einer überdurchschnittlichen Anzahl von Brückentagen im Dezember zurückzuführen sind. Bei den Ordereingängen dürften darüber hinaus Großaufträge eine Rolle gespielt haben. Insgesamt hatte sich damit vor Corona der Ausblick für die Industrie gerade etwas aufgehellt. Mit der globalen Ausbreitung des Coronavirus kommt jetzt allerdings ein neuer wohlmöglich gravierender Schock auf die Industrie zu, dessen genaue negative ökonomische Auswirkungen noch schwer einzuschätzen sind.

Produktion im Baugewerbe stieg um 4,7 %

Im Januar nahm die Produktion im Produzierenden Gewerbe insgesamt um 3,0 % zu. In der Industrie wurde ein Plus von 2,9 % verzeichnet und im Baugewerbe von 4,7 %. Im Zweimonatsvergleich Dezember/Januar gegenüber Oktober/November blieb die Herstellung im Produzierenden Gewerbe insgesamt und ebenso in der Industrie nahezu unverändert (jeweils -0,1 %). Die Bauproduktion indes wurde um 0,7 % ausgeweitet.

Bei den Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe ergab sich im Zweimonatsvergleich eine leichte Zunahme von 0,2 % und bereinigt um Großaufträge sogar von 0,5 %. Das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe hat sich im Februar den dritten Monat in Folge verbessert. Dabei hat sich der Ausblick auf die nächsten sechs Monate wieder etwas aufgehellt. Die Folgen von Corona scheinen hier aber noch nicht eingeflossen zu sein. 

KONSUM LIEFERT GERINGERE IMPULSE

Die privaten Konsumausgaben stagnierten zwar im Schlussquartal 2019, im dritten Quartal hatten sie allerdings deutlich zugelegt. Vor Ausbruch der durch Corona erzeugten Verunsicherung zeichnete sich angesichts der zu erwartenden positiven Entwicklung der verfügbaren Einkommen und einer weiter zunehmenden Beschäftigung eine weiterhin robuste Binnenkonjunktur ab . Allerdings ist aufgrund des Virus von Verhaltensänderungen der Verbraucher auszugehen und zumindest vorübergehend mit einer merklich geringeren Konsumnachfrage zu rechnen.

ARBEITSMARKT IM BERICHTSMONAT WEITERHIN ROBUST

Auch in der gedämpften Konjunktur zeigt sich der Arbeitsmarkt weitgehend robust. Der Zuwachs der saisonbereinigten Erwerbstätigkeit (+18.000 Personen) war im Januar in etwa so hoch wie im Mittel der letzten zwölf Monate. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm im Dezember (+59.000 Personen) sogar so dynamisch zu wie zuletzt Anfang 2019.

Die Entwicklung im Bereich Arbeitnehmerüberlassung (-10.000 Personen) zeigt allerdings, dass die konjunkturelle Belastung erheblich ist. Die Arbeitslosigkeit bewegt sich seit dem Sommer seitwärts, wobei sie im Februar den zweiten Monat in Folge zurückging (-10.000 Personen). Nach den Ursprungszahlen (2,4 Mio. Personen) wird der Vorjahresstand erneut leicht, um 23.000 Personen, überschritten.

Die Entwicklung bei der Unterbeschäftigung verlief synchron. Bei der Inanspruchnahme von konjunkturellem Kurzarbeitergeld deutet sich ein beschleunigter Anstieg an, auch wenn die letzten Daten zur Kurzarbeit dies noch nicht anzeigen: Das Kurzarbeitergeld wurde im Dezember (90.000 Personen) weniger stark in Anspruch genommen als im November und auch die vorauslaufenden Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit gingen - vor der Expansion des Coronavirus - im Januar auf 42.000 Personen leicht zurück.

Die Frühindikatoren lassen weiterhin einen leichten Beschäftigungsaufbau und wenig Bewegung bei der Arbeitslosigkeit erwarten. Allerdings ist derzeit weiterhin unsicher, in welchem Maße die Ausbreitung des Coronavirus sich auf den Arbeitsmarkt auswirkt.