Das Haus wirkt dadurch noch feingliedriger und erinnert ein wenig an alte Fachwerkkonstruktionen. (Quelle: KfW-Bildarchiv / Claus Morgenstern)
Das Haus wirkt dadurch noch feingliedriger und erinnert ein wenig an alte Fachwerkkonstruktionen. (Quelle: KfW-Bildarchiv / Claus Morgenstern)

Dachzeile

18. November 2021 | Teilen auf:

2. Platz Neubau KfW Award 2021: Kompaktes Holzhaus in Rosenheim

Shou Sugi Ban ist japanisch und bezeichnet die traditionelle Technik des Verkohlens von Holz, das dadurch konserviert wird. An Fassaden verbaut, können ihm Regen, Schimmel oder Insekten dann nichts mehr anhaben, und es altert viel langsamer.

Die örtlichen Bauvorschriften verlangten eine horizontale Gliederung der Fassade, wie sie an den Bauernhäusern im Voralpenland üblich ist. (Quelle: KfW-Bildarchiv / Claus Morgenstern)

Im Garten der Großeltern, nah an der Natur, konnte eine fünfköpfige Familie ein kompaktes Holzhaus bauen. Die Bauherren und ihre Innsbrucker Architektin Susi Matt von Unisono Architekten legten von Anfang an großen Wert auf Gestaltung, auf Nachhaltigkeit, aber auch auf Praktikabilität. So machten sie sich die Vorzüge dieser alten Technik zunutze. Hinter dem Elternhaus der Bauherrin, direkt an den Inn-Auen südlich von Rosenheim, steht das neue Gebäude nun beinahe versteckt neben einem kleinen Weiher am Wald. Mitten in der Natur spielt das schwarze Holz auch seine gestalterische Stärke aus: Es macht das Haus klein und unauffällig.

Brett an Brett blieb die Konstruktion innen zumindest an den Decken sichtbar. Das Massivholz der Wände wurde in feinster Kleinarbeit mit Fensterlaibungen und einer finalen Wandbekleidung aus Fichtenplatten abgeschlossen. (Quelle: KfW-Bildarchiv / Claus Morgenstern)

Als stünde es schon immer dort

„Es soll sich da einfügen“, sagt die Architektin. „Es wirkt, als stünde es schon immer dort.“ Matt, die aus Vorarlberg stammt, kennt sich aus mit Holz, seinen Eigenschaften, den vielen Möglichkeiten dieses Baustoffes und den verschiedenen Holzbauweisen. Für das Projekt wurde die sehr ökologische Massivholzbauweise mit Zellulose-Einblasdämmung gewählt. Brett an Brett blieb die Konstruktion innen zumindest an den Decken sichtbar. Das Massivholz der Wände wurde in feinster Kleinarbeit mit Fensterlaibungen und einer finalen Wandbekleidung aus Fichtenplatten abgeschlossen. Das rohe Holz macht die Räume nicht rustikal, aber heimelig, sogar das Bad. „Es riecht auch unglaublich angenehm“, schwärmt die Expertin. Die Außenwände sind mit rohen, unbehandelten Fichtenplatten verkleidet, die Innenwände mit Kalkfarbe in sanftem Grau gestrichen.

Zu den geflämmten Lärchenbrettern der Fassade, die der Zimmerer darauf einzeln über den Fichtenplatten anbrachte, den plastisch-schrägen Laibungen der Fenster und dem anthrazitfarbenen Ziegeldach steht der helle Innenraum im Kontrast wie Kern und Schale einer Frucht

Die örtlichen Bauvorschriften verlangten eine horizontale Gliederung der Fassade, wie sie an den Bauernhäusern im Voralpenland üblich ist. Darum springt die Holzschalung zum Giebel hin zweimal um einige Zentimeter vor, was das Holz noch zusätzlich schützt. Das Haus wirkt dadurch noch feingliedriger und erinnert ein wenig an alte Fachwerkkonstruktionen.

Für das Projekt wurde die sehr ökologische Massivholzbauweise mit Zellulose-Einblasdämmung gewählt. (Quelle: KfW-Bildarchiv / Claus Morgenstern)

Viel Platz auf drei Ebenen

Auf einer Grundfläche von gerade einmal acht auf zwölf Metern ist das Haus ein echtes Raumwunder. Bodentiefe Fenster, weite Durchblicke und der Verzicht auf Flure tragen dazu bei, dass der Eindruck ebenso großzügig wie praktisch ist. Am Eingang, der in die Nordostecke des Baukörpers schräg eingekerbt und auf diese Weise geschützt ist, liegt gleich ein Gästezimmer.

Breiten Raum nimmt die Wohnküche ein. Sie öffnet sich über eine zweite ausgesparte Ecke zu einer Terrasse im Südwesten, hat aber hinter dem Kaminofen auch ein intimeres Separée. Der durch ein – von den Kindern bespielbares – Netz gesicherte Luftraum darüber verbindet den Essplatz mit dem Obergeschoss, wo der eigentliche Wohnraum liegt. Von dort geht der Blick über den Wald in die Berge. Außerdem hat hier jedes der drei Kinder ein Zimmer, das über eine Empore bis ins Dach reicht. Ganz oben im Dachraum schlafen die Eltern. Eine filigrane Stahltreppe führt aus dem Wohnraum dort hinauf.

Quelle: KfW-Bildarchiv / Claus Morgenstern

Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach treibt eine Luftwärmepumpe an, welche die im pflegeleichten Estrich beziehungsweise unter den Dielen verlegte Fußbodenheizung speist und auch für das Warmwasser sorgt. Überschüssige Energie nimmt ein Batteriespeicher auf. Das Haus ist auf diese Weise energieautark.

Autor: Christoph Gunsse

zuletzt editiert am 22.11.2021